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06.06.2012

17:19 Uhr

Bestechungsaffäre

Ex-Media-Markt-Manager vor Gericht

Der Ex-Media-Markt-Deutschlandchef und noch fünf weitere Männer müssen sich wegen einer Schmiergeld-Affäre vor Gericht verantworten. Es geht um Bestechung im großen Rahmen in Filialen der Elektro-Kette.

Ehemalige Manager von Media-Markt sollen in einen Bestechungsskandal verwickelt sein. dpa

Ehemalige Manager von Media-Markt sollen in einen Bestechungsskandal verwickelt sein.

AugsburgIm Sitzungssaal des Augsburger Landgerichts sind am Mittwoch alle Augen und Kameras auf Michael Rook gerichtet. Dem Ex-Deutschlandchef von Media Markt wird die Annahme von Bestechungsgeld vorgeworfen - er bestreitet das vehement. Immer wieder nestelt er zum Prozessauftakt an seinem weißen Hemdkragen, fährt sich nervös mit der Zunge über die Lippen. Der Blick des Mannes mit den längeren dunkelblond-grauen Haaren schweift suchend durch den Gerichtssaal. Doch ehe er richtig losgeht, wird der Prozess noch vor Verlesung der Anklage wegen Befangenheitsanträgen gegen die Richter unterbrochen - es geht nun erst am 26. Juni weiter.

Die Vorwürfe gegen Rook wiegen schwer. Er und ein Ex-Media-Markt-Regionalmanager sollen jahrelang in eine große Schmiergeld-Affäre verwickelt gewesen sein. Es geht um rund fünf Millionen Euro. Dafür vergaben sie der Staatsanwaltschaft zufolge exklusiv Aufträge an einen Unternehmer, der ebenfalls vor Gericht steht. Der habe das große Geschäft gewittert und jahrelang darauf setzen können, dass seine Mitarbeiter in Media-Markt-Filialen DSL-Verträge an den Mann brachten, glauben die Ankläger.

Auf den Anklagebänken wird es eng, als die sechs Beschuldigten und ihre Verteidiger am Mittwoch Platz nehmen. Die Staatsanwaltschaft hat zwar gegen neun mutmaßliche Beteiligte Anklage erhoben. In Augsburg sitzen allerdings nur sechs Angeklagte vor Gericht. Die Vorwürfe gegen die anderen drei - darunter die Ehefrau des Regionalmanagers - werden gesondert verhandelt.

Die Anklage lautet auf gewerbsmäßige und bandenmäßige Bestechlichkeit beziehungsweise Bestechung im geschäftlichen Verkehr - und Beihilfe dazu. Rook hat von Anfang an seine Unschuld beteuert. Sein Anwalt betont am Rande der Verhandlung: „Er hat kein Geld erhalten.“ Ob sich sein Mandant im Laufe des Verfahrens äußern werde, könne er noch nicht sagen. „Erstmal hören wir zu.“

Der Arbeitgeber Media Markt reagierte schnell, als die Affäre nach einem anonymen Hinweis an die zur Metro AG gehörende Media-Saturn-Gruppe ans Licht kam. Der Elektronikhändler schaltete die Staatsanwaltschaft ein und entließ Rook und den Regionalmanager. Aus Unternehmenskreisen heißt es, viele Mitarbeiter seien „extrem geschockt“ gewesen, als das Unternehmen durchsucht worden sei - und nicht weniger, als die Verhaftungen intern öffentlich gemacht worden seien. Ein Unternehmenssprecher sagte: „Falls wir die Geschädigten sind, prüfen wir Schadenersatzforderungen.“ Mehr wolle er während des laufenden Verfahrens nicht sagen.

Von

dpa

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