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16.04.2013

15:40 Uhr

Bestellungen zurückgegangen

Bahnindustrie befürchtet deutliche Einbrüche

Um mehr als ein Viertel sind die Bestellungen im vergangenen Jahr geschrumpft. Der Verband der Bahnindustrie befürchtet nun weiter rückläufige Umsätze. Das Dauer-Sorgenkind der Branche bleibt die Infrastruktur.

Ein Lokomotive bei Frankfurt: Bei der deutschen Bahnindustrie bleiben die Aufträge aus. ap

Ein Lokomotive bei Frankfurt: Bei der deutschen Bahnindustrie bleiben die Aufträge aus.

BerlinDie deutsche Bahnindustrie befürchtet deutliche Einbrüche. Die Bestellungen neuer Züge, Lokomotiven und Infrastruktur seien 2012 im Vergleich zu 2011 - dem Jahr des ICx-Großauftrags - um 27,6 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro zurückgegangen, sagte Verbandspräsident Michael Clausecker am Dienstag in Berlin. Doch auch im Vergleich zu 2010, einem Jahr ohne Spitzenauftrag, gebe es ein deutliches Minus. Vor allem die Nachfrage nach Loks und Zügen sei zurückgegangen.

Das Auftragsvolumen lag im vergangenen Jahr mit 10,5 Milliarden Euro erstmals seit 2009 wieder unter dem Umsatz. „Das bedeutet, dass sich unsere Branche mittelfristig auf eher rückläufige Umsätze und ein abnehmendes Auftragspolster einstellen muss“, warnte Clausecker.

Die Schuldenkrise in Europa und geringe staatliche Infrastruktur-Investitionen in Deutschland setzen der Branche aber zunehmend zu. "Unter der weltweit schwachen Konjunktur leiden vor allem die Auftragseingänge für Schienenfahrzeuge, dem Hauptgeschäftsfeld der heimischen Bahntechnikhersteller", sagte Clausecker. Etwa drei Viertel des Umsatzes werden damit erlöst, der Rest mit Gleisen, Weichen, Stellwerken und anderen Infrastrukturausrüstungen.

Weil sie zahlreiche Aufträge aus den Vorjahren endlich abrechnen konnte, fuhr die Bahnindustrie mit 10,7 Milliarden Euro trotzdem den zweitgrößten Erlös ihrer Geschichte ein. Im Spitzenjahr 2010 hatte sie 10,9 Milliarden Euro Umsatz erreicht. Vor allem das Auslandsgeschäft mit Schienenfahrzeugen habe wieder zugelegt, sagte Clausecker. Das Geschäft mit Infrastrukturausrüstung bleibe weiter das Sorgenkind der Branche. Hier habe es 2012 eine rückläufige Entwicklung um 3,4 Prozent gegeben.

Auch im wirtschaftlich robusten Deutschland ging die Transportleistung im Schienengüterverkehr 2012 um 2,4 Prozent zurück. "Das hat die Krise des Lokgeschäfts weiter verschärft", so Clausecker. "In wirtschaftlich unsicheren Zeiten halten sich insbesondere die privaten Lokomotivkunden mit Bestellungen zurück." Hinzu kämen Finanzierungsprobleme: Das Leasing-Geschäft für Loks - das für ein Drittel der Nachfrage sorgt - lahmt. Grund dafür ist dem VDB zufolge, dass viele Leasingunternehmen an Banken angedockt sind, die ihrerseits wegen der Finanz- und Schuldenkrise unter Druck stünden.

Die Bahn in Zahlen

Umsatz

Die Deutsche Bahn verbuchte im ersten Halbjahr 2012 einen Umsatz von 19,5 Milliarden Euro (18,9 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum). Insgesamt kam die Bahn 2011 auf einen Umsatz von 37,90 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor waren es 34,41 Milliarden Euro.

Gewinn vor Zinsen und Steuern

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) beträgt 1,3 Milliarden Euro (1,1 Milliarden Euro).

Halbjahresergebnis

Halbjahresergebnis: 794 Millionen Euro (648 Millionen Euro).

Mitarbeiter zum Jahresende

Genau 284.319 hatte der Staatskonzern zum Jahresende 2011. Das waren gut 8000 mehr als ein Jahr zuvor. Mitarbeiter zum 30. Juni: 286 215 (30. Juni 2011: 284 319).
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Fahrgäste Bahnverkehr pro Tag

Fahrgäste Bahnverkehr im ersten Halbjahr: mehr als 1,0 Milliarde (973 Millionen). 2011 fuhren täglich rund 5,43 Millionen Menschen mit der Deutschen Bahn. 2010 waren es noch rund 5,34 Millionen.

Personenverkehr

Die Züge der Bahn legten im vergangenen Jahr 79,2 Milliarden Personenkilometer zurück. Ein wenig mehr als ein Jahr zuvor (78,6 Milliarden Personenkilometer).

Beförderte Güter im Schienenverkehr

Beförderte Güter im Schienenverkehr: 202,3 Millionen Tonnen (207,8 Millionen Tonnen).

Schienennetz

Das Schienennetz der Deutschen Bahn ist weiter geschrumpft. 2011 waren es nur noch 33.576 Kilometer. Ein Jahr zuvor gab es noch 33.723 Kilometer Schiene.

"Im Ergebnis stehen die Lokgeschäfte von mehreren Mitgliedsunternehmen zum Verkauf", erklärte Clausecker. Um Schlimmeres zu verhindern, müsse die Bundesregierung eine "Umweltprämie für Altloks einführen, um dieses Geschäftsfeld mithilfe von sinnvollen Anreizen zu beleben". Außerdem müsse der Staat mehr in die Infrastruktur investieren. So würden teilweise noch mechanische Stellwerke genutzt, die aus dem 19. Jahrhundert stammten. "Wir leben von der Substanz."

Erhebliche Schwierigkeiten bereite den Herstellern nach wie vor die Zulassung von Zügen und Loks, betonte Clausecker. Deutschland leiste sich ein Zulassungswesen, das mit der technologischen Entwicklung nicht Schritt halten könne.

Die Bahnindustrie sucht ihr Heil zunehmend im Ausland. Die Exportbestellungen legten um fast neun Prozent zu. "Ganz wesentliche Märkte für uns sind China und Russland, wo eine Belebung der Nachfrage feststellbar ist", sagte der Verbandspräsident. Ein besseres Abschneiden werde durch langwierige Zulassungsverfahren in Deutschland verhindert. "Nur in Deutschland müssen Hersteller heute rund das Zehnfache an Dokumenten vorlegen als in vielen anderen Ländern", sagte Clausecker. Neue Züge im Wert von 550 Millionen Euro stünden buchstäblich auf dem Abstellgleis, weil das Eisenbahn-Bundesamt die Zulassung versage.

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