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12.01.2010

08:19 Uhr

Betriebsrat geschlampt

Millionenloch in Air-France-Kasse

VonTanja Kuchenbecker

Der Betriebsrat der französischen Fluggesellschaft muss sich schwere Vorwürfe anhören: Er soll Gelder verprasst und die Bücher schlampig geführt haben. Die Affäre bedeutet einen weiteren Rückschlag für das Image der angeschlagenen Fluggesellschaft.

Neuer Rückschlag: Das Image der Fluggesellschaft ist seit dem Absturz eines Passagierflugzeugs im vergangenen Jahr angeschlagen. Quelle: ap

Neuer Rückschlag: Das Image der Fluggesellschaft ist seit dem Absturz eines Passagierflugzeugs im vergangenen Jahr angeschlagen.

PARIS. Aus der Kasse des Betriebsrats von Air France-KLM sollen bis zu 24 Mio. Euro abhandengekommen sein. Wie die französische Tageszeitung "Le Figaro" unter Berufung auf einen internen Prüfungsbericht schreibt, wurde das Loch größtenteils durch schlampige Kassenführung verursacht. Möglicherweise hätten sich aber auch Angestellte der Fluggesellschaft persönlich bereichert.

Die Fehler sollen auf den Betriebsrat zurückgehen, der ab 2007 im Amt war und im November abgelöst wurde. Bei Air France hieß es, die Konten des Betriebsrats seien überprüft worden, man sei nicht über ein Defizit informiert. Die ehemaligen Betriebsratsverantwortlichen sprachen von "Lügen".

Die französische Regierung verlangte eine Erklärung, denn dem Staat gehören noch 16 Prozent der Fluggesellschaft. "Wir werden uns das sehr genau anschauen", kündigte Verkehrsstaatssekretär Dominique Bussereau an. Er sprach von einem möglichen Fall für die Justiz.

Die Betriebsräte oder Betriebsausschüsse, wie sie in Frankreich genannt werden, erhalten von den jeweiligen Unternehmen großzügige Unterstützung. Sie kümmern sich nicht nur um Arbeitsrechte, sondern bieten auch Ferienlager für die Kinder der Angestellten an sowie günstige Urlaubsreisen und Wohnungen. Der Betriebsrat bei Air France beschäftigt allein 1 000 Personen. Als er 17 Mio. Euro zusätzlich vom Unternehmen anforderte, um diese Angestellten zu bezahlen, flog im vergangenen Sommer alles auf.

Offenbar wurde viel Geld ohne Nachweis verprasst. So sollen unter anderem Dienstwohnungen angemietet worden sein, zu denen es keine Unterlagen gebe. Dem Bruder eines Betriebsratsbeschäftigten sei sogar eine USA-Reise für 28 000 Euro bezahlt worden, und für einen Neujahrsempfang sollen 30 000 Euro angefallen sein. Der Betriebsrat besitzt zudem sechs Vergnügungsparks nur für Angestellte.

Die Affäre bedeutet einen neuen Rückschlag für das Image der Fluggesellschaft seit dem Absturz im vergangenen Juni vor Brasilien, bei dem 228 Menschen ums Leben kamen. Dazu kommen schlechte Zahlen. Die Fluggesellschaft verzeichnete im Dezember wieder einen Passagierrückgang, ein Minus von 5,1 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert.

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