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13.08.2012

16:47 Uhr

Betriebsrat

Streit bei „Ihr Platz“ eskaliert

Verdi wirft dem Betriebsrat von „Ihr Platz“ Untätigkeit vor und bereitet dessen Entmachtung vor. Bei den Mitarbeitern der insolventen Schlecker-Tochter sorgt nicht nur das für große Verunsicherung.

In immer mehr „Ihr Platz“-Märkten beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiter sind verunsichert. dapd

In immer mehr „Ihr Platz“-Märkten beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiter sind verunsichert.

OsnabrückIm Ringen um eine Zukunftsperspektive für die verbliebenen 4350 Mitarbeiter der insolventen Schlecker-Tochter Ihr Platz ziehen Betriebsrat und Gewerkschaft offensichtlich nicht an einem Strang. Nach eigener Angabe will Verdi im Laufe des Montags ein Amtsenthebungsverfahren zur Absetzung des Betriebrats einleiten. Die Gewerkschaft wirft dem Betriebsrat der Drogeriemarktkette mit Hauptsitz in Osnabrück Untätigkeit und mangelnde Information der Belegschaft vor.

So habe sich der Ihr-Platz-Betriebsrat trotz Aufforderung durch die Gewerkschaft geweigert, am 1. August eine Betriebsversammlung einzuberufen, sagte Annegret Preußer vom Verdi-Fachbereich Handel der Nachrichtenagentur dapd. Dadurch sei es versäumt worden, die verbliebenen 4.350 Mitarbeiter über den Stand des Insolvenzverfahrens und über neue berufliche Perspektiven in einer Transfergesellschaft zu informieren.

Die größten Schlecker-Gläubiger

Euler Hermes

Die Kreditversicherung hat 223,9 Millionen Euro an Forderungen gegenüber der insolventen Handelskette ausstehen.

Familie Schlecker

Die Familie des Firmengründers hat selbst noch Forderungen über 176 Millionen Euro an die Pleite-Kette ausstehen.

Bundesagentur für Arbeit

Schlecker schuldet der Bundesagentur für Arbeit 125 Millionen Euro.

Finanzamt

Auch der Fiskus fordert noch Geld von der Drogeriekette: Insgesamt sind das 73,2 Millionen Euro.

Markant

Die Handelskette fordert noch 43,5 Millionen Euro. Das Unternehmen ist ein Kooperationsverbund von Groß- und Einzelhandelsunternehmen.

Quelle: Statista/WirtschaftsWoche

„Die Leute wurden überhaupt nicht informiert“, sagte die Gewerkschafterin. „Sie wissen nicht, was Stand der Dinge ist, sie sind total verunsichert“. Ein Großteil der Beschäftigten wüsste nicht, wie es nach dem Aus von Ihr Platz mit ihnen weitergehe. Daher habe sich die Gewerkschaft entschlossen, am Arbeitsgericht Osnabrück ein Antrag auf Amtsenthebung des Betriebsrats zu stellen.

Preußer bestätigte damit einen Zeitungsbericht. Zudem wolle die Gewerkschaft vor Gericht eine einstweilige Verfügung erwirken. In einem Brief, der ihr vorliege, habe der Betriebsrat das Nicht-Einberufen einer Betriebsversammlung mit den Reisekosten der Teilnehmer begründet.

Eine solche Veranstaltung habe „erhebliche Kosten und damit eine Reduzierung der Masse im Insolvenzverfahren zur Folge. Dies könnte wiederum das Zustandekommen der vom Betriebsrat geforderten Transfergesellschaft gefährden“, zitiert die „Neue Osnabrücker Zeitung“ (Onlineausgabe) aus dem Schreiben des Betriebsrats. Ein Argument, das Verdi nicht gelten lassen will. „Da gibt es ja auch andere Möglichkeiten“, sagte Preußer.

Der Betriebsratsvorsitzende Thomas Kruse zeigte sich auf dapd-Anfrage überrascht von den Vorwürfen und dem sich abzeichnenden Verfahren: „Ich kann das gar nicht erklären. Ich habe keine Nachricht davon“, sagte er. Von den deutschlandweit 480 Ihr-Platz-Filialen ist bislang mehr als die Hälfte verkauft worden.

Von

dapd

Kommentare (7)

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Account gelöscht!

13.08.2012, 18:12 Uhr

Die Sturheit eines sog. Unternehmers, der kein Unternehmer sondern ein Kopie and Paste Manager war, der eine einmal erfolgreiche Strategie, die nur zu einer bestimmten Konstellation in der Zeit passte bis zum erbrechen wiederholte, und die Gewerkschaft Verdi, die mit ihrer PR-Strategie das"Leid" der Schleckerfrauen medienwirksam anprangerte, haben die ohnehin absteigende Marktrelevanz von Schlecker an eine Klippe gebracht, von der Schlecker im freien Fall abstürzte. Die Methoden, die Schlecker im Abwärtsstrudel anwandte waren menschenverachtend, die mediale Ausschaltung durch Verdi aber auch. Insofern hat das Aufstellen von Schlecker an den Medienpranger
wie ein Abführmittel gewirkt, das tausende von "Schleckerfrauen" ausschied. Auch im Bankrott hat das Medienkarussell dann an der Tränenstation halt gemacht. Die Medien, die gestern noch über Ausbeutung und Sklaverei bei Schlecker schrieb, zeigten jetzt die Frauen, die über Jahrzehnte in Orten, an denen oft gar kein Geschäft mehr war, ein Geschäft führten und offen hielten. Es war so schön und alle hatten ein Auskommen. Der Effekt ist, dass über Geschäfte, die ihre Mitarbeiter hart an den gesetzlichen Möglichkeiten kurz halten und die Grenzen des moralischen Mitarbeiterverhältnisses lange überschritten haben, so schnell nicht mehr breit berichtet werden wird. Die Medien haben verstanden, dass sie Treibsatz in einem Spiel zwischen unmöglichen Unternehmern und unmöglichen Gewerkschaften waren.

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13.08.2012, 18:19 Uhr

Sehen sie Herr Thomas Kruse wie es ist wenn man nicht informiert ist. Jetzt kennen sie das Gefühl.

Account gelöscht!

13.08.2012, 18:20 Uhr

Sehen sie Herr Thomas Kruse wie es ist wenn man nicht informiert ist. Jetzt kennen sie das Gefühl.

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