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30.12.2015

10:29 Uhr

Biermarkt in Bewegung

Hopfen und Malz sind nicht verloren

Obwohl der Bierdurst der Deutschen seit Jahren zurückgeht, steigen die Umsätze der Brauereien. Alkoholfreie Biere und neue Sorten sind zwei Gründe. Und: Deutsche trinken vor allem einheimisches Bier.

Das Biertrinkerland Deutschland liegt beim Verbrauch längst klar hinter Tschechien. dpa

Bier auf dem Oktoberfest

Das Biertrinkerland Deutschland liegt beim Verbrauch längst klar hinter Tschechien.

MünchenFür den Deutschen Brauerbund ist das deutsche Reinheitsgebot „das älteste, noch unverändert gültige Verbraucherschutzgesetz der Welt“. Das allerdings ist nur die halbe Wahrheit. Denn der bayerische Herzog Wilhelm IV. legte im April 1516 nicht nur fest, dass für Bier „allein Gerste, Hopfen und Wasser verwendet“ werden dürften. Er ordnete auch an, dass „die Maß für nicht mehr als zwei Pfennig“ verkauft werden dürfe.

Die Preissteigerung seither hält sich immerhin in Grenzen: Schon ab 60 Cent ist der Liter Bier heute zu haben. „Deutschland ist immer noch ein Pils-Land, Pils macht heute 54 Prozent des Absatzes im Handel aus. Und die Hälfte davon teilen sich zehn Marken“, erklärt Marcus Strobl vom Marktforscher Nielsen. Die Plätze seien verteilt, „jeder Biertrinker kennt die Preise - da ist es schwer, den Umsatz zu erhöhen“. Denn die Absatzmenge schrumpft, der Durst der Deutschen auf Pils lässt nach.

Das sind die beliebtesten Biere Deutschlands

1. Oettinger

Der Absatz sank im Jahr 2014 um 2,8 Prozent auf 5,62 Millionen Hektoliter.

2. Krombacher

Die Marke verlor 2014 um 0,6 Prozent auf 5,47 Millionen Hektoliter.

3. Bitburger

Auch das Bier aus der Eifel verkaufte sich 2014 etwas schlechter. Das Absatz sank um 2 Prozent auf 3,94 Millionen Hektoliter.

4. Veltins

Die Marke legte um 2,6 Prozent auf 2,77 Millionen Hektoliter zu.

5. Beck's

2014 verzeichnete das Bremer Bier ein Plus von 1 Prozent auf 2,53 Millionen Hektoliter.

6. Warsteiner

Bei der Marke aus dem Sauerland brach 2014 der Absatz um 8,4 Prozent auf 2,53 Millionen Hektoliter ein.

7. Paulaner

Das Bier aus Bayern verkaufte sich 2014 besser. Der Absatz stieg um 4,5 Prozent auf 2,45 Millionen Hektoliter.

8. Hasseröder

Hier sank der Absatz um 6,9 Prozent auf 1,87 Millionen Hektoliter.

9. Radeberger

Von der Marke wurden 1,87 Millionen Hektoliter abgesetzt, 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

10. Erdinger

Das Bier aus Bayern steigert den Absatz um 3,5 Prozent auf 1,82 Millionen Hektoliter

Quelle

INSIDE-Marken-Hitliste 2014.

Die Tschechen trinken durchschnittlich 144 Liter Bier jährlich - so viel wie die Bundesbürger früher auch. Heute kommen sie nur noch auf 107 Liter Bier pro Kopf. Die Nachfrage nach Pils, Export und Weizen ist in diesem Jahr gesunken - doch „das starke Umsatzwachstum von bayerischen Hellen, von Fest-, Land- und Kellerbieren sowie alkoholfreien Bieren sorgt dafür, dass der Umsatz insgesamt leicht gewachsen ist“, sagt Strobl. Das Angebot wird vielfältiger.

„Mit alkoholfreien Bieren ist es gelungen, neue Zielgruppen zu gewinnen“, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Brauerbundes, Holger Eichele. In der Mittagspause Alkohol zu trinken, ist heute nicht mehr angesagt. In der Werbung reiten die Brauereien auf der Fitnesswelle mit und preisen ihre alkoholfreien Biere als gesundes, isotonisches Getränk für Sportler an. Jedes 20. Bier ist inzwischen alkoholfrei.

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Der zweite Trend wurde von den Craft-Bieren ausgelöst - aromaintensive Biere aus neuen Experimenten mit Hopfen und Malz, die auch mal gewürzt werden und nach exotischen Früchten, Schokolade oder Spekulatius schmecken können. Ihr Marktanteil stagniert zwar im Promillebereich, sie bleiben ein Nischenprodukt. Aber die breite Debatte hat auch viele Pilstrinker neugierig gemacht, etwas Neues auszuprobieren. Die Nachfrage nach Keller-, Landbieren und anderen Spezialitäten wächst stark, vor allem in Süddeutschland.

Die Preise in diesem Segment sind noch nicht so klar verankert, das lässt den Brauern Spielraum nach oben. Und die Verbraucher akzeptieren sogar Kisten mit 16 statt 20 Flaschen. „Da ist noch viel Bewegung drin“, sagt Strobl. Und der Getränke- oder Supermarkt kann sich mit dem zusätzlichen, regionalen Angebot von der Konkurrenz und den Discountern abheben.

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