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29.01.2007

20:58 Uhr

Bieterfrist abgelaufen

Elf Interessenten für Alitalia

Italien hat einen Interessentenkreis für die angeschlagene Fluggesellschaft Alitalia gefunden. Insgesamt hätten elf mögliche Bieter ihr Interesse bekundet, teilte das italienische Finanzministerium am Montag mit. Darunter seien die US-Finanzinvestoren Texas Pacific und die Investmentabteilung der Bank Unicredit. Die als potenzieller Bieter und Wunschkandidat gehandelte Fluglinie Air France KLM hat jedoch abgewunken. Für eine Interessenbekundung hätten die Bedingungen nicht gestimmt, hieß es.

Ein Alitalia-Flugzeug. Foto: dpa

Ein Alitalia-Flugzeug. Foto: dpa

HB ROM. Wenige Stunden vor Ablauf der Bieterfrist hatte Alitalia noch eine weitere Hiobsbotschaft für Investoren parat: Für das abgelaufene Jahr schätzt der italienische Konzern den Verlust nun auf etwa 380 Mill. Euro und damit deutlich höher als die zuletzt erwarteten 221 Mill. Euro. Jeden Tag rutschte die Gesellschaft 2006 somit um eine weitere Million Euro in die roten Zahlen. An der Börse wurde die Nachricht am Montag indes gelassen aufgenommen: Die Aktie ging kaum verändert mit 1,09 Euro aus dem Handel. Vom nachbörslichen Handel wurden die Titel wegen der Mitteilung des Finanzministeriums über die Zahl der Interessenten ausgesetzt.

Dem Ministerium in Rom zufolge hat auch die Finanzinvestorengruppe Management & Capitali (M&C) des italienischen Großindustriellen Carlo De Benedetti sowie die AP-Holding von Carlo Toto ihr Interesse zum Ausdruck gebracht. Wie M&C kurz nach Ende der Bieterfrist am Montagabend 18 Uhr mitteilte, brauche es vor einer Entscheidung aber mehr Informationen. M&C werde bei einem möglichen Einstieg von der Bank Goldman Sachs unterstützt, hieß es in Mailänder Finanzkreisen.

Nach eigenem Bekunden ist auch der bislang kaum in Erscheinung getretene Mailänder Investor Paolo Alazraki mit im Rennen. Er arbeitet mit 16 weiteren Investoren an einem Übernahmeangebot und will Garantien über 100 Mill. Euro von einem US-Fonds sicher haben. „Einige Fonds“ würden an dem Angebot teilnehmen, sagte er ohne Nennung von Einzelheiten. Um die Trendwende bei der verlustträchtigen Fluggesellschaft zu schaffen, habe er einen „Masterplan“ ausgearbeitet. Er sei bereit 49,9 Prozent des Alitalia-Kapitals zu übernehmen. „Ich werde keine Entlassungen und keine Grundstücksverkäufe vornehmen“, erklärte er. „Die Piloten, Stewardessen und Angestellten sind das einzig Gute an Alitalia, den Rest kann man wegwerfen“, meinte er offenbar mit Blick auf die veraltete Flotte.

Der italienische Staat will angesichts der anhaltenden Verluste einen Großteil seines Anteils an der nationalen Gesellschaft verkaufen. Derzeit hält Italien noch 49,9 Prozent, mindestens 30,1 Prozent an Alitalia sollen nun abgegeben werden. Ein Käufer für diesen Anteil müsste auch ein Gebot für den Gesamtkonzern vorlegen. Ministerpräsident Romano Prodi sagte bei einem Besuch im äthiopischen Addis Abeba, er hoffe, dass sich aus den Interessenbekundungen auch konkrete Angebote ergäben. Er sei aber optimistisch. Das Verfahren zum Verkauf Alitalias sei überaus transparent. Das schlechte Ergebnis der Linie wolle Prodi nicht kommentieren. „Die Zahlen sprechen für sich.“

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