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06.02.2016

12:23 Uhr

Bilfinger im Umbau

Chinesen kaufen Wassertechnologiegeschäft

Einen harten Umbau hat die Bilfinger-Führung im vergangenen Jahr angekündigt. Nun macht der Baukonzern ernst: Für 200 Millionen Euro wird das Wassertechnologiegeschäft nach China verkauft – wenn die Kartellbehörden zustimmen.

Von den rund 70.000 Bilfinger-Mitarbeitern sind etwa 1600 in der Wassersparte angestellt. ap

Zentrale in Mannheim

Von den rund 70.000 Bilfinger-Mitarbeitern sind etwa 1600 in der Wassersparte angestellt.

MannheimDer krisengeplagte Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger verkauft sein Wassertechnologiegeschäft an die chinesische Chengdu Techcent Environment Gruppe. Der Nettoerlös liege bei rund 200 Millionen Euro, teilte das MDax-Unternehmen am Samstag in Mannheim mit. Der Vertrag sei bereits unterzeichnet, die Kartellbehörden müssten allerdings noch zustimmen. Bilfinger hatte im vergangenen Jahr einen harten Umbau angekündigt. Für das Wassergeschäft seien verschiedene Optionen geprüft worden – mit dem Ergebnis, dass ein Verkauf die besten Perspektiven biete, hieß es. Die Sparte umfasst zum Beispiel Wasseraufbereitungsanlagen und Abwassersysteme und erwirtschaftet nach Unternehmensangaben mit rund 1600 Mitarbeitern einen Umsatz von 300 Millionen Euro im Jahr.

Bilfinger hatte erst im Januar überraschend mitgeteilt, den Verkauf zentraler Geschäftsbereiche zu prüfen. Demnach wird eine Trennung von der Bau- und Immobilienmanagementsparte durchgespielt. Bereits bekannt war zu diesem Zeitpunkt, dass das Mannheimer Unternehmen nach Interessenten für die Wassertechnologie und das kriselnde Geschäft mit dem Bau und der Sanierung von Kraftwerken sucht. Branchenkenner vermuten, dass Hauptaktionär Cevian die treibende Kraft hinter der möglichen Zerschlagung ist, nachdem Bilfinger innerhalb eines Jahres sechs Gewinnwarnungen herausgegeben hatte.

Das sind Europas größte Baukonzerne

Platz 9

NCC AB – 8,42 Milliarden Euro Umsatz

Das schwedische Unternehmen mit seinen knapp 18.000 Mitarbeitern wurde erst 1988 gegründet. Heute besteht es aus vier großen Geschäftsbereichen, unter anderem „NCC Housing“ und „NCC Roads“.

Platz 8

Ferrovial (Spanien) – 9,7 Milliarden Euro Umsatz

Das Unternehmen aus Madrid baut und betreibt auch Autobahnen und Flughäfen. Der Konzern errichtete unter anderem das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Platz 7

Balfour Beatty (Großbritannien) - 11,63 Milliarden Euro Umsatz

Bereits seit 1909 sind die traditionsreichen Briten im Baugeschäft tätig und gehören zu den Platzhirschen in Europa. Die Londoner beschäftigen europaweit rund 30.000 Mitarbeiter.

Platz 6

Strabag (Österreich) – 13,12 Milliarden Euro Umsatz

Aus Wien in die Welt: Die Österreicher haben vor allem in Osteuropa expandiert. Seit 2014 konnte der Konzern den zuvor stark abgerutschten Umsatz stabilisieren und zuletzt wieder leicht steigern.

Platz 5

Eiffage (Frankreich) – 14,06 Milliarden Euro Umsatz

Neben einigen TGV-Trassen gehört auch die Erweiterung des EU-Parlaments zu den großen Projekten des Konzerns. In Deutschland sind rund 3.000 Eiffage-Mitarbeiter beschäftigt.

Platz 4

Skanska (Schweden) - 16,36 Milliarden Euro Umsatz

Kaum eine Straße, ein Kraftwerk oder Bürogebäude in Schweden ist ohne Beteiligung des skandinavischen Bauriesen entstanden. Auch international sind die Schweden aus Solna mittlerweile breit aufgestellt.

Platz 3

Bouygues (Frankreich) - 32,43 Milliarden Euro Umsatz

Neben Immobilien und dem Straßenbau ist der Pariser Konzern Großaktionär des französischen Fernsehsenders TF1. 2015 musste das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr leichte Umsatzeinbußen hinnehmen.

Platz 2

ACS (Spanien) - 34,93 Milliarden Euro Umsatz

Die Spanier haben in den vergangenen Jahren ein rasantes Wachstum hingelegt. Allein in den vergangenen drei Jahren stieg der Umsatz um rund zehn Milliarden Euro und ACS klettert das Treppchen weiter hoch. Zum Konzern gehört auch das deutsche Unternehmen Hochtief.

Platz 1

Vinci (Frankreich) – 38,52 Milliarden Euro Umsatz

Der größte Baukonzern Europas ist auch der größte Baukonzern der Welt und in der Kleinstadt Rueil-Malmaison nahe Paris beheimatet. Dem Konzern gehört unter anderem die Hälfte aller französischen Autobahnen. 2015 verzeichnete das Unternehmen ein Umsatzminus von knapp 0,5 Prozent.

Quelle: Deloitte

"Wir sind sehr froh, dass wir für unser erfolgreiches Wassergeschäft einen so finanzstarken und langfristig orientierten Käufer gefunden haben", erklärt Bilfinger-Chef Per H. Utnegaard. "In einem Unternehmen, in dem die Wassertechnik im Mittelpunkt seiner Geschäftstätigkeit steht, eröffnen sich für die Water Technologies hervorragende Entwicklungsperspektiven." Für 2015 rechnet Utnegaard mit einem Rekordverlust nach Steuern von über einer halben Milliarde Euro. Am Donnerstag will das Unternehmen seinen Geschäftsbericht veröffentlichen.

Die Chengdu Techcent Environment Gruppe ist ein chinesisches Unternehmen mit Hauptsitz in Chengdu in der Provinz Sichuan und beschäftig etwa 1.000 Mitarbeiter.

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