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17.07.2014

16:18 Uhr

Billig-Airline

Norwegian mit Langstrecken-Problemen

Um ein sattes Viertel bricht der Gewinn von Europas drittgrößtem Billigflug-Anbieter Norwegian im ersten Quartal ein. Das Unternehmen hat immense Probleme mit seinem neuen Langstrecken-Angebot, dem ersten seiner Art.

Interkontinental-Flüge zum Schnäppchenpreis – als erster Anbieter in Europa will die norwegische Billig-Airline Norwegian damit punkten. Doch vor allem erhebliche technische Probleme machen der Fluggesellschaft Schwierigkeiten. Ein Gewinneinbruch ist die Folge. dpa

Interkontinental-Flüge zum Schnäppchenpreis – als erster Anbieter in Europa will die norwegische Billig-Airline Norwegian damit punkten. Doch vor allem erhebliche technische Probleme machen der Fluggesellschaft Schwierigkeiten. Ein Gewinneinbruch ist die Folge.

Oslo/FrankfurtStartprobleme beim neuen Langstrecken-Angebot und der harte Wettbewerb haben Europas drittgrößter Billig-Airline Norwegian das Quartal verhagelt. Der Betriebsgewinn sank im Zeitraum von Anfang April bis Ende Juni um ein Viertel auf 535 Millionen Kronen (64 Millionen Euro), wie das Unternehmen aus Oslo am Donnerstag mitteilte.

Belastend wirkten sich die Probleme mit dem Boeing-Prestigeflieger 787 - auch als Dreamliner bekannt - aus, an dem im Frühjahr Haarrisse an den Flügeln entdeckt worden waren. Da es zudem Lieferverzögerungen bei dem amerikanischen Flugzeugbauer gab, musste Norwegian kurzfristig teure Ersatzflugzeuge mieten. Zudem lasteten hohe Treibstoffpreise, ein Streik sowie die Kapazitätsoffensive der skandinavischen Tradtionsfluglinie SAS auf der Bilanz.

Anleger ergriffen daraufhin die Flucht: Die Titel von Norwegian rutschten an der Osloer Börse um sechs Prozent ab. Größer als die Norweger sind unter den europäischen Billigfliegern nur Ryanair und Easyjet.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Um gegenzusteuern verknappt Norwegian das Angebot an Flugkapazitäten. Die sollen nur noch um 35 Prozent steigen in diesem Jahr - geplant waren bislang 40 Prozent. Im Vergleich zu angestammten Fluggesellschaften wie der Lufthansa, die in guten Zeiten die Sitzplatzkapazitäten um einige wenige Prozente erweitern, ist das immer noch stürmisch.

Norwegian ist die einzige Fluglinie in Europa, die Interkontinental-Billigflüge anbietet. „Selbst Ryanair-Chef Michael O'Leary redet seit Jahren von der Idee, doch lässt die Umsetzung auf sich warten“, sagte Fondsmanager Michael Gierse von Union Investment. Interessant sei der Versuch von Norwegian, da die Airline dafür die vollkommen neu entwickelte Boeing 787 einsetze, die etwa ein Fünftel weniger Sprit verbraucht als ein herkömmliches Flugzeug. Das sei ein klarer Wettbewerbsvorteil, sagte er. Auch die Lufthansa spielt derzeit die Idee durch, auf der Langstrecke ein Billigangebot an den Start zu bringen.

Von

rtr

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