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27.03.2012

14:27 Uhr

Billig-Apotheken

Doc Morris und die gescheiterte Revolution

VonTobias Döring

Celesio sucht einen Käufer für Doc Morris. Mit der Versandapotheke wollte der Pharmagroßhändler einen Umsturz auf dem Apothekenmarkt anzetteln – und scheiterte. Dennoch schlagen die Apothekenverbände Alarm.

Die Apothekenverbände schlagen Alarm. Dabei ist die Revolution in der Branche gescheitert. ap

Die Apothekenverbände schlagen Alarm. Dabei ist die Revolution in der Branche gescheitert.

DüsseldorfDie Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem schaden ihrem Geschäft massiv. Darin sind sich die Pharmagroßhändler und ihre Abnehmer, die Apotheken, ausnahmsweise einmal einig. Während der zweitgrößte deutsche Pharmahändler Celesio auf seiner Bilanzpressekonferenz am Dienstag einen Gewinneinbruch für 2011 meldete, schlugen die Apothekenverbände mit sinkenden Filialzahlen Alarm. „Jede Woche schließen in Deutschland acht Apotheken, nur vier machen neu auf“, sagte der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Heinz-Günter Wolf.

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 21.238 Apotheken in Deutschland. Das waren 203 und damit ein knappes Prozent weniger als im Jahr 2010. Die ABDA sieht deshalb die wohnortnahe Versorgung in Gefahr. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit 3800 Einwohnern pro Apotheke laut ABDA aber nur leicht unter dem EU-Durchschnitt von 3300. Spitzenreiter ist Griechenland mit 1200 Einwohnern pro Apotheke, am geringsten ist die Apothekendichte in Dänemark mit 17.700.

Doch den Interessenverband treiben ganz andere Sorgen um. Er bangt um das Einkommen seiner Klientel. Denn die verschlechterte finanzielle Lage sei Schuld am Apothekensterben. „Wir betreiben Apotheken in 2012 zu den Kosten von heute und den Einnahmen von vor acht Jahren“, sagte Wolf. Besonders auf die Arzneimittelreform der Bundesregierung durch das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (Amnog) hat es der Verband abgesehen.

Mit dem 2010 beschlossenen Gesetz will die schwarz-gelbe Koalition das Preismonopol der Hersteller brechen. Durch Amnog wurde aber auch der sogenannte Apothekenabschlag für 2011 und 2012 auf 2,05 Euro pro Medikamentenpackung festgelegt. Zuvor galt ein vorläufiger Abschlag von 1,75 Euro, den die Apotheken in Selbstverwaltung bestimmt hatten.

Amnog habe mit einem erhöhten Zwangsabschlag zusätzliche Belastungen gebracht, sagte Wolf. Für 2011 soll der Abschlag insgesamt bei mehr als 1,2 Milliarden Euro gelegen haben. Wolf forderte mehr Geld pro Packung und eine bessere Bezahlung von Not- und Nachtdiensten, der Rezepturen-Herstellung und der Abgabe von Betäubungsmitteln. Das Honorar der Apotheker sei zwischen 2001 und 2011 nur um 2,4 Prozent gestiegen, rechnete Fritz Becker vor, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV).

Kommentare (5)

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zeitlos

27.03.2012, 15:13 Uhr

die apotheken und verbände klagen auf hohem niveau. In einer stadt, in einer strasse kann man sehr häufig zwischen einer und fünft apotheken in einem abstand von 500 metern erreichen. auf dem land findet man höchstens eine apotheke. wir brauchen apotheken die sich sinnvoll einen standort auswählen und nicht zahlreich auf einen punkt konzentriert um kunden werben.

Reformator

27.03.2012, 15:26 Uhr

Der Apothekenunsinn sollte beendet werden.Eine Zentralapotheke pro Stadtteil sind mehr als ausreichend.Diese Zentralapotheke sollte gleichzeitig die lokalen Krankenhäuser versorgen.Betrieben werden sollte sie
von den Krankenkassen,die einen Apotheker als Geschäftsführer einstellen können.Die Vergütung wäre mit A 13 entsprechend mehr als ausreichend.

TrullaUlla

27.03.2012, 16:19 Uhr

Wie leider zumeist hier im Handelsblatt ein entweder schlampig recherchierter oder aber bewusst tendenziöser Beitrag: Der Apothekenabschlag von 1,75EUR wurde nicht von den Apothekrn in Selbstverwaltung festgelegt sondern in Verhandlungen zwischen Apotheker und kassenverbänden ausgehandelt. nachdem es dort zunächst keine Einigung gab, hat ein Schiedsgericht (!) zugestimmt den Abschlag zugusten der Apotheker abzusenken. Es gibt keine andere Branche, in der seit 8 Jahren die Honorare stagnieren, die Mitarbeiter aber in Ihren Tarifverträgen fast jährlich mehr bekommen... Wann kapieren es die ganzen Wirtschaftsliberalen (Liberale, sind das nicht die, die sich gerade selbst auflösen?) mal, das die Apotheken, selbst wenn in hoher Dichte, nicht die kostentreiber sind im Gesundheitswesen? Die Kosten im Gesundheitswesen, der durch die Apotheke (Nicht durch das Arzneimittel!)verursacht wird liegt bei unter 3% !!!

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