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10.07.2014

13:16 Uhr

Billigangebot für Langstrecke

Turkish Airlines dementiert Pläne mit Lufthansa

Nur einen Tag nach der Vorstellung der neuen Lufthansa-Strategie sagt ein potenzieller Partner ab. Turkish Airlines habe keine Pläne für eine Zusammenarbeit auf der Langstrecke. Das sieht die Lufthansa aber anders.

Turkish-Airlines-Maschine in Istanbul: Von der aufstrebenden Fluggesellschaft handelt sich die Lufthansa offenbar eine Absage ein. Reuters

Turkish-Airlines-Maschine in Istanbul: Von der aufstrebenden Fluggesellschaft handelt sich die Lufthansa offenbar eine Absage ein.

Istanbul/SeeheimDie mögliche Zusammenarbeit von Lufthansa und Turkish Airlines auf Langstreckenflügen sorgt für Verwirrung. Anders als in den Medien berichtet, gebe es keine Projekte hinsichtlich Langstreckenflügen zwischen Turkish Airlines und der Lufthansa, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung der türkischen Fluggesellschaft an die Istanbuler Börse.

Die Lufthansa teilte als Reaktion darauf mit, dass es bei der Kooperation um den gemeinsamen Ferienflieger Sunexpress geht. Das Gemeinschaftsunternehmen, dessen Maschinen bisher vor allem zwischen Deutschland und der Türkei unterwegs sind, solle künftig auch Langstreckenflüge anbieten, sagte ein Lufthansa-Sprecher am Donnerstag. Der Lufthansa zufolge gibt es Gespräche, das Angebot von Sunexpress entsprechend auszuweiten.

Turkish Airlines teilt auf Anfrage von Handelsblatt Online mit: „Im Speziellen gab es keine Gespräche bezüglich eines gemeinsamen Projektes auf der Langstrecke“, heißt es von der Airline. „Natürlich gibt es weiterhin Gespräche, wie wir die Zusammenarbeit intensivieren können. Jedoch gibt es keine konkreten Projekte.“

Das soll sich bei der Lufthansa verändern

Umbau gegen Angriff auf zwei Fronten

Mit einem ganzen Bündel an Vorhaben will sich die Lufthansa zukunftsfähig machen und sich vor allem gegen die Konkurrenz der europäischen Billigflieger und der mit Staatsgeld gepolsterten Golf-Airlines stemmen. Nach noch nicht einmal drei Monaten im Amt stellte der neue Konzernchef Carsten Spohr am 10. Juli seine Pläne vor. Er setzt demnach auf mehr Billig-Angebote, mehr Luxus und eine effizientere Organisation. Die Pläne im Einzelnen.

Mehr Billigflieger (1)

Die Lufthansa-Tochter Germanwings hat das Konzept mit den günstigen Flügen vorgegeben, nun sollen weitere folgen: Der Konzern plant eine ganze „Wings-Familie“ mit Billig-Marken zu initiieren, wie Vorstandschef Carsten Spohr beschrieb. Für den Europa-Verkehr soll die Tochter-Gesellschaft Eurowings ab kommenden Frühjahr als zweiter konzerneigener Low-Cost-Anbieter neben Germanwings in Aktion treten. Germanwings bietet schon heute außerhalb der Drehkreuze Frankfurt am Main und München günstige europäische Direktflüge an. Die dafür genutzte Flotte soll bis Frühjahr 2015 auf 60 Flugzeuge angewachsen sein. Eurowings soll dann seine Strecken mit bis zu 27 Flugzeugen bedienen.

Mehr Billigflieger (2)

Erstmals will der Konzern außerdem auch auf der Langstrecke mit einer Billig-Marke Passagiere locken. Unklar ist Konzernangaben zufolge noch, ob die Lufthansa diese Plattform alleine oder mit einem Partner-Unternehmen aufbaut. Ab Ende 2015 könnten dann schrittweise bis zu sieben Flugzeuge zu Einsatz kommen. Sie sollen Passagiere zu günstigen Preisen in Städte fliegen, die für die Lufthansa-Marke weniger interessant sind, sowie zu beliebten Touristenorte in Übersee, sogenannten „Warmwasserzielen“, wie Spohr sich ausdrückte.

Mehr Luxus

Der Lufthansa-Marke verordnete die Konzernführung ein größeres Maß an Luxus. Lufthansa wolle die erste Fünf-Sterne-Airline der westlichen Hemisphäre werden, versprach Spohr. Vorgesehen seien dazu unter anderem ein besseres Catering in der Business-Klasse, ein verbesserter Premium-Check-In an den großen Flughäfen in Frankfurt am Main und München und ein persönlicher Service an Bord. Insgesamt plane der Konzern eine groß angelegte Qualitätsoffensive.

Mehr Innovationen

In technischen Angelegenheiten und im Bereich der Digitalisierung will die Lufthansa ganz vorne dabei sein. Deshalb kündigte Spohr an, sich auf Vorstandsebene persönlich um das Thema Innovationen zu kümmern. Bis 2020 sollen insgesamt 500 Millionen Euro in die Zukunftsarbeit fließen. In Berlin will der Konzern außerdem eine „Innovation Hub“-GmbH gründen, „um näher an die Welt der Start-ups und an die digitale Technologieszene heranzurücken“, wie Spohr erklärte. Daneben solle es seinen „Innovationsfonds“ geben, um gute Ideen schneller voranzubringen.

Mehr Effizienz

Was 2012 im Umbauprogramm „Score“ begonnen wurde, soll künftig Alltagsgeschäft bei der Lufthansa werden: Die Idee, kontinuierlich die Profitabilität des Unternehmens zu verbessern, solle über das Ende von „Score“ hinaus „in einen Dauerprozess überführt“ werden, sagte der Lufthansa-Chef. Effizienter soll das Unternehmen den Plänen zufolge auch bei der Entscheidungsfindung werden. „Ich möchte mindestens eine Hierarchieebene herausnehmen“, kündigte Spohr Veränderungen im internen Konzernaufbau an. Ziel sei eine dynamischere und schlankere Organisation der Kranich-Airline.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr hatte am Mittwoch Pläne für eine neue Günstigmarke auf Langstreckenflügen vorgestellt. Diese solle entweder im Alleingang oder mit einem Partner aufgebaut werden. „Turkish Airlines ist ein potenzieller Partner und wir sind in sehr fortgeschrittenen Gesprächen“, sagte der Lufthansa-Chef. Eine Entscheidung soll im Herbst fallen.

Ein Name für die neue Marke stehe noch nicht fest. Starten sollten die Flieger dieser Billig-Langstrecken-Linie voraussichtlich von München oder Nordrhein-Westfalen aus. Sunexpress hatten Turkish Airlines und Lufthansa 1989 ins Leben gerufen. Im Jahr 2013 beförderte Sunexpress nach eigenen Angaben rund sieben Millionen Fluggäste. Zudem werde geprüft, inwiefern bis zu sieben A340-Langstrecken-Flieger zu niedrigeren Kosten auf neuen Strecken oder von der Streichung bedrohten Verbindungen eingesetzt werden können, sagte Spohr am Mittwoch. Die Maschinen sind im Vergleich zu neuen Jets spritdurstig.

„Die Idee halte ich für verwegen“, sagte Fondsmanager Michael Gierse von Union Investment. Das sei in Europa bislang noch keinem gelungen. „Selbst Ryanair-Chef Michael O'Leary redet seit Jahren von der Idee, doch lässt die Umsetzung auf sich warten.“ Interessant sei der Versuch von Norwegian – allerdings habe die Airline aus Oslo dafür Kerosin-sparende Boeing-Jets vom Typ 787 in der Flotte.

Kommentare (1)

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Herr Woldemar von Stechlin

10.07.2014, 12:19 Uhr

Die Türken haben es gar nicht nötig, sich mit LH zu verbändeln. Bald haben sie einen neuen geilen Riesenflughafen (mit Sicherheit noch vor der Eröffnung von BER) und dann rocken sie das Ding alleine.

Ich hätte auch keinen Bock auf eine Partnerschaft mit einer Luxus-Airline wie der LH, wo die Piloten 200k verdienen. Denn bei LH gibt es Luxus nur fürs Personal - nicht wie bei Emirates für die Passagiere!

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