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03.02.2014

11:52 Uhr

Billigflieger

Passagier-Offensive drückt Ryanair ins Minus

Mit Kampfpreisen hat Ryanair im Herbst versucht, der Konkurrenz Fluggäste abzujagen. Die niedrigeren Ticketpreise und die Ausweitung des Angebots drücken den Billigflieger jetzt aber in die roten Zahlen.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Im dritten Quartal ist der Billigflieger ins Minus gerutscht, die Prognose für das Geschäftsjahr bleibt davon aber unberührt. Reuters

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Im dritten Quartal ist der Billigflieger ins Minus gerutscht, die Prognose für das Geschäftsjahr bleibt davon aber unberührt.

DublinEuropas größter Billigflieger Ryanair sieht trotz des höchsten Verlustes im dritten Quartal seit 2008 Licht am Ende des Tunnels. Der intensive Preiskampf unter den europäischen Fluggesellschaften schwäche sich ab, teilte der irische Konzern am Montag mit. Zugleich zahle sich die Image-Kampagne langsam aus. Jüngst sei die Nachfrage wieder gestiegen.

Diese Aussagen weckten bei Anlegern Hoffnungen auf eine Trendwende bei Ryanair, der im vergangenen Jahr immer stärker von seinen eigenen Waffen geschlagen und vom Konkurrenten Easyjet unter Druck gesetzt wurde. Daraufhin verschreckte der Günstiganbieter Investoren mit gleich zwei Gewinnwarnungen. Die Aktie stieg in Dublin trotz des Fehlbetrages in Höhe von 35 Millionen Euro im dritten Quartal um rund sechs Prozent.

Analysten überraschte der eingeflogene Verlust von Oktober bis Dezember nicht. Diese drei Herbst- und Winter-Monate fallen für die Flugbranche traditionell eher schwach aus. Die Experten begrüßten stattdessen, dass Ryanair trotzdem an seiner Jahresprognose festhält und mit einem Gewinn zwischen 500 und 520 Millionen Euro rechnet. Ryanair blicke recht positiv auf das laufende Geschäft, sagte Branchenkenner Donal O'Neill von der Investmentfirma Goodbody Stockbrokers.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

"Die Preise bleiben schwach, aber fallen nicht länger", sagte der umstrittene Ryanair-Chef Michael O'Leary, der mit derben Sprüchen gegen Kunden und Rivalen bekanntgeworden ist. Vor einigen Monaten kündigte O'Leary dann einen Imagewechsel und eine Abkehr von der "brüsken Kultur" an. Zuvor waren die Iren zur schlechtesten unter 100 Marken auf dem britischen Markt gewählt worden. Zur Service-Offensive gehört die Einführung von Umbuchungsmöglichkeiten sowie die Senkung der Gepäck- und Kartengebühren. Zudem weist Ryanair den Fluggästen nun auch Sitzplätze zu, um das Chaos in den Maschinen beim Einsteigen zu beenden. Diese Neuerungen will der Konzern mit einer Verdreifachung seiner Marketingausgaben in diesem Jahr groß bewerben.

Die Änderungen scheinen Wirkung zu zeigen. Von Oktober bis Dezember transportierte Ryanair bereits sechs Prozent mehr Passagiere. Der Umsatz stagnierte angesichts der niedrigeren Ticketpreise bei 964 Millionen Euro. Vize-Chef Michael Cawley machte einen Anstieg bei den Vorbuchungen aus. Zum Vergleich: Easyjet steigerte seine Erlöse jüngst um knapp acht Prozent während die Zahl der Passagiere nur um rund vier Prozent zulegte

Von

rtr

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