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06.08.2012

12:35 Uhr

Billigflieger

Ryanair ist das Lachen vergangen

VonLukas Bay

Nach Jahren des Wachstums kämpft nun auch der Billigflieger Ryanair mit einem Gewinneinbruch. Die Iren um Michael O'Leary sind Opfer ihrer Ambitionen - und müssen nun um die Vorherrschaft zittern.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Opfer der eigenen Ambitionen.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: Opfer der eigenen Ambitionen.

DüsseldorfSo pessimistisch hatte man Ryanair-Chef Michael O'Leary selten erlebt. Normalerweise ist der Ryanairchef für seine klamaukigen Auftritte und angriffslustigen Sprüche bekannt. Bei der Präsentation von Rekordzahlen im Mai übte er sich in Bescheidenheit. Auch Ryanair lasse die Krise nicht kalt: „Rezession, Sparmaßnahmen, Währungssorgen und niedrigere Flugpreise“ belasten die Bilanz des erfolgsverwöhnten Billigfliegers. Im gesamten Geschäftsjahr 2012/13 erwarte er daher einen Gewinneinbruch von 20 Prozent.

Der pessimistische Ausblick des Iren hatte gute Gründe. Im zweiten Quartal haben sich die düsteren Aussichten von Ryanair bestätigt: Der Nettogewinn ist um 29 Prozent eingebrochen und beträgt noch 99 Millionen Euro. Der größte Billigflieger Europas ist Opfer der eigenen Ambitionen geworden. Nach einer langen Zeit des Wachstum mit jährlichen Zuwachsraten von 15 bis 20 Prozent stagniert der Markt für Billigflieger: In Europa ist ihr Marktanteil nach Angaben des "Low Cost Monitors 2012" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt im Jahresvergleich um zwei Prozentpunkte auf 24 Prozent geschrumpft. Nur noch in Nord- und Osteuropa wachsen die Billiganbieter.

In Deutschland fällt der Rückgang nach der Einführung der Luftverkehrssteuer besonders drastisch aus - hier schrumpfte das Angebot der Billigflieger um satte 14 Prozent. Vor allem die hohen Kerosinpreise zwingen die Airlines zum Sparen, wenn sie nicht ihr wichtigstes Werbeargument antasten wollen - den Preis.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Der Spielraum wird enger. Im vergangenen Jahr hatten die Iren ihre Ticketpreise bereits um vier Prozent angehoben, um die geringe Auslastung und den hohen Kerosinpreis auszugleichen. Doch höhere Preise, gibt O'Leary zu, seien nun keine Option mehr. Die Kosten könnten nicht ohne weiteres an die Kunden weitergereicht werden. Um weiter günstiger zu sein als die Konkurrenz, muss nun am Angebot gespart werden. Allein in Deutschland wurden 40 Prozent der angebotenen Flüge zusammengestrichen. Zur Wintersaison denkt Ryanair darüber nach, 80 der 270 Flugzeuge in der Flotte stillzulegen.

Am Komfort an Bord kann nicht mehr gespart werden, denn hier hat Ryanair ohnehin nahezu alle Optionen ausgeschöpft. Den Iren gehen die Ideen aus, wie weiter gespart werden kann. Darum schreckte der Ryanair-Chef zuletzt nicht davor zurück, seinen Stewardessen eine Diät zu empfehlen, um Gewicht und damit Treibstoff zu sparen. Auch die Politik ging er hart an, wetterte öffentlich gegen die Bürokraten in Brüssel, die seiner Airline das Leben schwer machen würden.

"Die Sparprogramme schlagen voll durch. Es ist einfach weniger Geld da", schiebt Ryanair-Finanzchef Howard Millar den Regierungen die Schuld für die schlechten Zahlen zu. Doch ganz so einfach ist es nicht.

Kommentare (9)

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oops

06.08.2012, 12:50 Uhr

Vorherrschaft?
Worüber denn?
Über ausgediente Militärpisten?

Torp

06.08.2012, 12:54 Uhr

Wird Zeit, daß dieser Idiot aus Irland in seine Schranken gewiesen wird. Das ist eben alles Schneeballsystem, aber irgendwann kommt überall Tauwetter.

purzel

06.08.2012, 13:32 Uhr

Abfliegen und Ankommen im Nirgendwo.
Wenn der Transfer mehr kostet als der Flug selbst stellt sich mir die Sinnfrage. Besser gesagt, ich frage mich ob die Nutzer Rechnen in der Grundschule abgewählt hatten.
Ansonsten ein klassiches Dilemma die Liniengesellschaften drücken ihre Kosten und damit die Preisdifferenz, die Billigheimer können ihre Preise nicht erhöhen.
Billig war noch nie preiswert! Siehe auch öffentliche Bauprojekte, da manipulieren die Auftraggeber die Ausschreibungen, der Billigste bekommt den Zuschlag, hinterher kostet alles das Doppelte!

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