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02.11.2015

11:33 Uhr

Billigflieger wächst rasant

Hoch, höher, Ryanair

VonCarsten Herz

Ryanair glänzt mit blendenden Zahlen und kontert damit das Gewinnplus der Lufthansa. Das günstige Kerosin lässt Europas größten Billigflieger in neue Höhen schweben. Auch der Strategieschwenk scheint zu gelingen.

Der Manager hat allen Grund zur guten Laune. AFP

Ryanair-Chef Michael O'Leary

Der Manager hat allen Grund zur guten Laune.

LondonMichael O‘ Leary ist für seine lauten Sprüche berüchtigt. Doch an diesem Montag gibt sich der Vorstandschef des größten europäischen Billigfliegers Ryanair vergleichsweise handzahm. Der 54-jährige Ire kann sich die Zurückhaltung allerdings erlauben. Denn die Ziffern, die O‘ Leary in der nebelverhangenen 13. Etage eines Büroturms in der Londoner City für das dritte Quartal der aggressiv wachsenden Fluggesellschaft vorlegt, sprechen für sich.

Nach einem starken Sommergeschäft blicken die Iren noch zuversichtlicher als bisher nach vorne. Im laufenden Geschäftsjahr bis Ende März soll der Überschuss mit etwa 1,225 Milliarden Euro nun das obere Ende der erst im September angehobenen Spanne erreichen, wie O‘ Leary in London verkündete. Der Sondereffekt aus dem Verkauf der Beteiligung an der irischen Fluglinie Aer Lingus an die British-Airways-Mutter IAG ist dabei noch nicht berücksichtigt.

Ryanair im Höhenflug: O'Leary kündigt neuen Preiskampf an

Ryanair im Höhenflug

O'Leary kündigt neuen Preiskampf an

In diesem Jahr werden wohl 105 Millionen Passagiere in die Maschinen von Ryanair steigen. Das lässt die Gewinne des Billigfliegers sprudeln. Und Konzernchef Michael O'Leary beschwört eine neue Runde im Preiskampf herauf.

Groß, größer, Ryanair: Im wichtigen Sommerquartal bis Ende September verdiente Europas größte Billigflug-Airline unter dem Strich 843 Millionen Euro und damit 41 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Dank einer reißenden Nachfrage erwartet O'Leary im gesamten Geschäftsjahr nun 105 Millionen Fluggäste, eine Million mehr als im September vorausgesagt. Europas Nummer Eins unter den Low-Cost-Fliegern, die bereits heute bei den Passagierzahlen jeden Konkurrenten abhängt, folgt damit der deutschen Lufthansa auf eine höhere Umlaufbahn.

Die größte deutsche Fluggesellschaft hatte Ende vergangener Woche für das letzte Quartal ein überraschend kräftiges Gewinnplus vorgelegt. Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hob daraufhin die Prognose für den bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern – ohne weitere Streikkosten – auf 1,75 bis 1,95 Milliarden Euro an. Bisher hatte die Kranich-Linie lediglich ein Ergebnis von mindestens 1,5 Milliarden Euro angepeilt.

Es ist ein wachsender Optimismus, den Spohr ausnahmsweise mit seinen Widersachern teilt. Denn auch die British-Airways-Mutter IAG gibt sich nach einem unerwartet guten dritten Quartal optimistischer als bisher und hob Ende vergangener Woche die Prognose für den operativen Gewinn im Gesamtjahr leicht auf 2,25 bis 2,3 Milliarden Euro an. Erst im September hatte Ryanair angesichts des blendenden Sommergeschäfts seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2016 angehoben und einen Überschuss von bis zu 1,23 Milliarden Euro vorausgesagt. Wegen starker Nachfrage nach Strandurlauben hatte kurz zuvor auch der britische Rivale Easyjet eine höhere Gewinnprognose vorgelegt.

Das sind die beliebtesten Billigflieger Deutschlands

10. Aer Lingus

Starts pro Woche: 69 (Veränderung zum Vorjahr: -2,8 Prozent)

Sitze: 11.616 (-6,0 Prozent)

Strecken: 7 (-12,5 Prozent)

9. Flybe

Starts: 74 (-3,9 Prozent)

Sitze: 6.210 (-3,5 Prozent)

Strecken: 8 (0,0 Prozent)

8. Norwegian

Starts: 89 (-2,2 Prozent)

Sitze: 16.516 (+ 0,5 Prozent)

Strecken: 27 (0,0 Prozent)

7. Intersky

Starts: 112 (+36,6 Prozent)

Sitze: 7.272 (+37,9 Prozent)

Strecken: 17 (+30,8 Prozent)

6. Vueling

Starts: 121 (+3,4 Prozent)

Sitze: 21.524 (+3,6 Prozent)

Strecken: 22 (+10,0 Prozent)

5. Wizz

Starts: 146 (+52,1 Prozent)

Sitze: 26.280 (+52,1 Prozent)

Strecken: 45 (80,0 Prozent)

4. Easyjet

Starts: 483 (+12,3 Prozent)

Sitze: 78.276 (+12,7 Prozent)

Strecken: 82 (+20,6 Prozent)

3. Ryanair

Starts: 630 (+12,1 Prozent)

Sitze: 119.070 (+12,2 Prozent)

Strecken: 169 (0,0 Prozent)

2. Germanwings

Starts: 2.174 (+11,6 Prozent)

Sitze: 290.356 (+16,0 Prozent)

Strecken: 310 (+7,3 Prozent)

1. Air Berlin

Starts: 2.212 (-2,2 Prozent)

Sitze: 329.606 (-5,6 Prozent)

Strecken: 134 (-2,9 Prozent)

Zahlen für Juli 2015. Quelle: DLR Low Cost Monitor 2/2015

Der Höhenflug der Billigflieger gewinnt damit weiter an Dynamik. Es sind dabei vor allem niedrige Treibstoffpreise und ein unerwartet gutes Sommergeschäft, das Europas Luftverkehrskonzerne beflügelt. Noch im Mai hatte Ryanair nur mit einem Gewinn zwischen 940 und 970 Millionen Euro gerechnet. Doch das Geschäft an Europas Himmel läuft unerwartet gut. Im Juli hatte Ryanair nach eigenen Angaben als erste Fluggesellschaft überhaupt mehr als zehn Millionen Passagiere in einem Monat auf Auslandsflügen befördert. Es ist ein aggressiver Wachstumskurs, den O‘ Leary noch verschärfen will.

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