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31.01.2014

13:38 Uhr

Billigflugtochter

Germanwings will alles können

VonTobias Döring

Seit Sommer werden viele Lufthansa-Flüge innerhalb Europas auf Germanwings umgestellt. Im März ist es in Düsseldorf soweit. Der Billigflieger soll die Passagiersparte der Lufthansa stützen – und ist zum Erfolg verdammt.

Germanwings-Maschine: Die Billigflugtochter ist Kernstück der neuen Lufthansa-Strategie. dpa

Germanwings-Maschine: Die Billigflugtochter ist Kernstück der neuen Lufthansa-Strategie.

BerlinEinen Ersatz für Vorstandschef Christoph Franz hat die Lufthansa immer noch nicht gefunden. Doch wer immer es auch wird, eins ist klar: Wenn der neue Vorstandschef die Fluggesellschaft im Mai übernimmt, wird er ein stark verändertes Unternehmen vorfinden. Das Sparprogramm „Score“ und der damit einhergehende Umbau des Europaverkehrs der Airline haben einen neuen starken Spieler im Konzern geschaffen: Germanwings.

Die Stärkung der Billigflugtochter, die seit dem Sommer Stück für Stück alle innerdeutschen und Kontinental-Verbindungen der Lufthansa außerhalb der Drehkreuze Frankfurt und München übernimmt, ist Franz‘ größte Tat. Der Noch-Lufthansa-Chef ist überzeugt vom Erfolg der Germanwings. „Es nützt uns doch nichts, wenn wir mit einem Produkt von sehr hoher Qualität an den Markt gehen, das aber der Kunde nicht mehr bezahlen will“, sagte Franz zuletzt der „Welt am Sonntag“. Der Billigflieger punkte bei den Fluggästen. Aus Umfragen gehe hervor, „dass Germanwings bei den Kunden gut angenommen wird, als faires Angebot“, sagte Franz.

Das gilt offenbar nicht nur für Urlauber, die mal schnell in den Süden fliegen wollen. Auch die deutschen Geschäftsreisenden haben sich auf Germanwings eingestellt. In Vielflieger-Foren sind die Töne nach anfänglicher Aufregung gemäßigter geworden. Zwar nennen die meisten der Frequent Traveller, Senatoren und HONs die Germanwings schlicht nur „4U“, doch damit beziehen sie sich nicht etwa auf den oft belächelten internen Arbeitstitel der Lufthansa für das Projekt - „Direct4U“ -, sondern auf das Kürzel „4U“. Das benutzt die Airline seit Jahren als internationalen Codenamen für ihre Flüge.

Die größten Märkte für Billigflieger

Platz 10

Portugal – 951 Starts

Mit 166.723 Sitzplätze und 142 Strecken landet Portugal erneut in den Top Ten.

Platz 9

Schweiz – 1020 Starts

Von den drei Schweizer Flughäfen Basel, Genf und Zürich gehen 152 Strecken ab. Die Flugrouten bieten eine Kapazität für 153.047 Passagiere.

Platz 8

Niederlande – 1147 Starts

Mit der französisch-niederländischen Billig-Airline Transavia haben es die Niederlande in die Top Ten geschafft. Sie bedienen 212 Strecken mit 188.917 Sitzplätzen.

Platz 7

Norwegen – 1599 Starts

Die Billigflieger bieten 281.616 Sitzplätze auf 286 Strecken in und von Norwegen. Die meisten gehen mit Norwegian in die skandinavischen Nachbarländer.

Platz 6

Irland - 1865 Starts

Nur auf Platz sechs landet Irland, obwohl mit Ryanair die größte Billigfluglinie Europas auf der Grünen Insel sitzt und auch die einstige Staatslinie Aer Lingus nun als Low-Cost-Gesellschaft firmiert. 213 Strecken bedienen sie zusammen mit der Konkurrenz. Das macht 300.425 Sitzplätze.

Platz 5

Frankreich – 2913 Starts

Die Top Fünf setzen sich mit der Streckenanzahl deutlich von den Verfolgern ab: 551 Strecken gehen ab Frankreich – fast viermal so viel wie vom zehntplatzierten Portugal. 488.567 Sitzplätze bieten die Billigflieger an.

Platz 4

Deutschland – 5119 Starts

Das geografische Zentrum Europas kommt mit eigenen Billigairlines wie Germanwings auf 658 Strecken mit 792.192 Sitzplätzen.

Platz 3

Italien – 6425 Starts

Italien bleibt auf Rang drei: 1,05 Millionen Sitzplätze auf 1001 Strecken. Die italienischen Anbieter wie Meridiana tragen aber nur wenig zur Sitzanzahl bei.

Platz 2

Spanien – 7594 Starts

Für Billigflieger sind vor allem die Sandstrände im Süden ein beliebtes Ziel. 1,37 Millionen Sitzplätze bringen Spanien auf Platz zwei. Von den 1060 Strecken bietet einige die spanischen Airline Vueling an.

Platz 1

Großbritannien – 10.127 Starts

Mit Abstand die Nummer eins der Liste: 1221 Strecken, das sind rund 160 Strecken mehr als beim zweitplatzierten Spanien. Mit 1,42 Millionen Sitzplätzen liegt Großbritannien ebenfalls vor Spanien.

Methodik

Zweimal im Jahr gibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seine Marktanalyse der europäischen Billigflieger heraus. Die Daten beziehen sich auf einer Woche im Sommerflugplan 2013. Als Strecke gelten Hin- und Rückflug einer Verbindung. Sitzplätze sind die verfügbaren Kontingente, nicht die tatsächlichen Passagierzahlen.

Nur wenige Vielflieger geben sich unbelehrbar und unterstellen Franz hämisch, der Lufthansa mit Germanwings schaden zu wollen: „Ihre emiratischen Auftragsgeber dürfen zu Recht stolz auf sie sein“, schreibt zum Beispiel ein Nutzer im Forum „Vielfliegertreff“.

Thomas Winkelmann sieht derartige Diskussionen äußerst gelassen. Der Germanwings-Chef hat die Umstellung bislang ohne größere Reibungsverluste über die Bühne gebracht. „Wir bieten Geschäftsreisenden ein hochattraktives Produkt. Unter anderem haben wir den größten Sitzabstand in Europa – das spricht sich rum“, sagt Winkelmann zu Handelsblatt Online.

Die Passagierzahlen belegen, dass es durch Germanwings bei der Lufthansa aufwärts geht. Die Fluggäste von Lufthansa und Germanwings werden noch gemeinsam ausgewiesen. 2013 wurden insgesamt 104,6 Millionen gezählt – im Jahr zuvor waren es 103 Millionen. Auf den Billigflieger und die Mutter entfielen dabei 76,3 Millionen, ein überdurchschnittliches Plus von 1,4 Prozent im Vergleich zu den Töchtern Swiss und Austrian. Auch die Auslastung der Maschinen stieg. Germanwings kann im vergangenen Jahr 16 Millionen Fluggäste ausweisen, allerdings inklusive der noch von der Lufthansa zu übertragenen Verbindungen.

Ende März ist auch am Flughafen Düsseldorf soweit. Ob nach Nürnberg oder Barcelona – statt Lufthansa fliegt dann nur noch Germanwings. 26 Flugzeuge werden am drittgrößten Airport Deutschlands stationiert, die Airline wird mit dann 155 Strecken der größte Anbieter in ganz Nordrhein-Westfalen.

Kommentare (1)

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vonstein

31.01.2014, 14:51 Uhr

Das Produkt Flugzeug bei Germanwings ist in der Tat in Ordnung, aber nicht das technische "drumherum" und auch nicht die Art und Weise der Umstellung. Zunächst wollte man zB. die FTL (Frequent Traveler) aus den Lounges aussperren, nach heftigen Protesten wurde hier immerhin zurück gerudert! Ebenso stimmt es nicht, dass LH-Tickets teurer als 4U sind! Das Gegenteil ist zumindest für Geschäftsreisende der Fall! Nach der Umstellung in Hamburg stieg der durchschnittliche Flugpreis um 80 € für einen Hin- und Rückflug bei deutlich weniger "Zusatzleistungen" und schlechterem Service! Codeshare-Flüge also Germanwings-Flugzeug aber Flugnummer einer Kooperations-Airline: Eine einige Katastrophe! Online check-in funktioniert in keinem Fall. Fluggäste verpassen deswegen Flüge, da die Fluggäste sehr oft nicht durchgecheckt werden können sondern ihr Gepäck am Umsteigeflughafen selbst am Band abholen und neu einchecken müssen sowie neu einchecken müssen, damit sie überhaupt eine Bordkarte erhalten! Das nenne ich absolut nicht ausgereift und völlig untragbar!
Sebastian von Stein

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