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07.06.2012

11:11 Uhr

Billy mal sieben

Ikea wird auf Nachhaltigkeit getrimmt

Zuletzt geriet die Schweden nur mit negativen Meldungen in die Schlagzeilen. Das muss sich dringend ändern. Darum versucht Ikea es nun mit der Nachhaltigkeits-Botschaft. Dabei sollen die Kunden auch noch sparen.

Eine Papiertüte mit dem Logo des Unternehmens. dapd

Eine Papiertüte mit dem Logo des Unternehmens.

Hofheim-WallauDer internationale Möbelkonzern Ikea will nachhaltiger werden. „Langfristiges Ziel ist, dass alle unsere Produkte verwertet, wiederverwendet oder recycelt werden“, sagte der für Nachhaltigkeit zuständige Ikea-Vorstand Steve Howard der Nachrichtenagentur dpa. „Das Holz von Regalen oder Tischen könnte man sechs- bis siebenmal recyceln“, erläuterte er bei dem Gespräch in der deutschen Ikea-Zentrale in Hofheim-Wallau bei Frankfurt. Recyceltes Holz habe in der Möbelproduktion den Vorteil, dass es trockener als Frischholz sei.

Kann der Kunde sein abgenutztes Billy-Regal dann bald wieder bei Ikea zurückgeben? Noch hält Howard das für weit hergeholt. „Bei dieser umgekehrten Lieferkette gibt es viele Fragen.“ Ikea erprobe aber in einigen Ländern, Plastikwaren oder Gartenmöbel zurückzunehmen. „Wir arbeiten an Geschäftsmodellen“, die bräuchten allerdings noch mehrere Jahre Entwicklung.

„Wir müssen Nachhaltigkeit erschwinglich machen“, sagte der promovierte Ökologe Howard (46). Er arbeitete in Umweltgruppen und leitete die Klimaschutz-Beratung Climate Group, bevor er Anfang 2011 zu Ikea wechselte. Dort ist der Brite einer der ersten Topmanager, die nicht innerhalb des Möbelriesen Karriere gemacht haben.

Die Geschichte von Ikea

1943 - Gründung

Ingvar Kamprad gründet im zarten Alter von 17 Jahren seine eigene Firma. Als Startkapital nutzt er eine Belohnung, die ihm sein Vater für den bestandenen Schulabschluss schenkte. Der Name Ikea setzt sich zusammen aus den Initialen des Gründers (I. K.), sowie dem Bauernhof, Elmtaryd (E), und dem Dorf Agunnaryd (A), in dem er aufwuchs. Anfangs verkaufte Kamprad Stifte, Portemonnaies, Bilderrahmen, Tischläufer, Uhren, Schmuck und Nylonstrumpfhosen.

1948 - Möbel im Sortiment

Möbel werden ins Sortiment aufgenommen. Die Möbel werden von lokalen Herstellern in den Wäldern in der Nähe von Ingvar Kamprads Wohnort produziert.

1951 - Der erste Katalog

Kamprad verkauft seine Möbel auch per Katalog - und steigert so die Verkaufszahlen. Der erste Ikea-Katalog unterscheidet sich allerdings noch deutlich von heutigen Ausgaben.

1956 - Möbel zum Selbstbauen

Ikea beginnt eigene Möbel zu entwerfen, nachdem ein Mitbewerber die Lieferanten von einem Ikea-Boykott überzeugen möchte. Erstmals verpacken die Schweden ihre Möbel als Paket. Die Entdeckung der Selbstmontage ist ein Zufall: Ein Ikea-Mitarbeiter schraubte die Beine seines Tisches ab, damit der in sein Auto passte.

1958 - Das erste Einrichtungshaus

Das erste Ikea-Einrichtungshaus eröffnet in Älmhult, Schweden. Mit 6.700 Quadratmeter war es das zum damaligen Zeitpunkt größte Möbelgeschäft in Skandinavien.

1963 - Ikea expandiert ins Ausland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus außerhalb Schwedens wird in Oslo, Norwegen, eröffnet.

1968 - Ikea verwendet erstmals Spanplatten

Für das Sofa „Privat“ setzt Ikea erstmals gepresste Holzplatten aus Spänen ein. Mit weißer Lackierung und braune Cretonne-Bezüge wird das Sofa zum Verkaufsschlager.

1974 - Ikea kommt nach Deutschland

Das erste Ikea-Einrichtungshaus in Deutschland wird am 17. Oktober in Eching bei München eröffnet. Nach der Schweiz und Dänemark ist Deutschland damit der vierte Auslandsmarkt für Ikea - und der größte.

1979/1 - Die Erfindung des Billy-Regals

Das Billy Bücherregal wird in das Sortiment aufgenommen – und entwickelt sich zum Klassiker. Mittlerweile haben die Schweden auch nach Australien, Österreich, Kanada und in die Niederlande expandiert.

1979/2 - Klippan feiert Premiere

Mit dem Klippan-Sofa gelingt den Schweden im selben Jahr ein weiterer Klassiker. Der Bau des Billigsofas ist umstritten - es soll teilweise von DDR-Zwangsarbeitern gebaut worden sein.

1984 - Ikea Family wird gegründet

Mit Ikea Family wird der erste Kundenklub gegründet.. Heute besitzen rund 15 Millionen Menschen eine Ikea-Kundenkarte.

1985 - Ikea erreicht die USA

Das erste Einrichtungshaus in den USA wird in Philadelphia eröffnet. Mittlerweile hat Ikea auch Filialen in Frankreich und Belgien. Die Schweden haben nun 10.000 Mitarbeiter über 60 Einrichtungshäuser.

1986 - Kamprad gibt die Konzernleitung ab

Ikea-Gründer Ingvar Kamprad zieht sich von der Konzernleitung zurück und wird Berater. Anders Moberg wird Konzernchef.

1991 - Ikea nutzt die Wende

Schon kurz nach der Wende eröffnet Ikea mehrere Einrichtungshäuser in Polen, Ungarn und Tschechien.

1998 - Ikea expandiert nach China

Der Möbelriese erkennt früh die Potentiale des chinesischen Wirtschaftswachstums. Das erste IKEA Einrichtungshaus in China wird in Shanghai eröffnet.

1999 - Anders löst Anders ab

Der IKEA Konzern beschäftigt nun 50.000 Mitarbeiter und hat 158 Einrichtungshäuser in 29 Ländern. Anders Dahlvig löst Anders Moberg ab und wird Konzernchef.

2000 - Ikea startet Online-hop

Zuerst darf nur Schweden und Dänemark online bei Ikea eingekauft werden. Nach und nach schließen sich andere Märkte an.

2006 - Ikea hat 100.000 Mitarbeiter

Der IKEA Konzern hat nun mehr als 100.000 Mitarbeiter und ist in 44 Ländern tätig. Kamprad gilt als reichster Mann der Welt.

2012 - Entschuldigung für dunkles DDR-Kapitel

Ikea beschäftigte in der DDR Zwangsarbeiter. Im Jahr 2012 legte das Unternehmen dazu eine eigene Studie vor. Demnach wusste die Führung bereits seit 1981 davon, reagierte aber nicht. Ikea entschuldigte sich für den Einsatz von DDR-Zwangsarbeitern.

2014 - Ikea feiert 40-jähriges Jubiläum in Deutschland

Am 17. Oktober feiert Ikea sein 40-jähriges Bestehen in Deutschland.

Ikea setzte im Geschäftsjahr 2011 (bis 31. August) weltweit 24,7 Milliarden Euro um und erzielte einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro. Deutschland ist der größte Einzelmarkt für das Möbelhaus mit schwedischen Wurzeln, das heute von einer Stiftung in den Niederlanden gesteuert wird.

Kommentare (2)

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nachhaltige_Nachhaltigkeit

07.06.2012, 12:39 Uhr

Menschen, die das nachhaltige Wort Nachhaltigkeit inflationär benutzen, nur wiel es heute zum guten Ton gehört damit man pc spricht, werden von mir nicht mehr ernst genommen. Genauso wie Menschen, die Erneuerbare Energien in ihrem Sprachgebrauch verwenden. Aus Prinzip kaufe ich keine Produkte aus "ökologischem und nachhaltigen Anbau". Für mich bedeutet diese Art von Konsumglaube nichts weiter als Unterwerfung und Bereitschaft sich von den Machthabern umerziehen zu lassen. Die Dummen lassen sich mit diesen Werbeslogan das Geld aus der Tasche ziehen. Zumal alle wissen, dass Werbung lügt. Diese ganze nachhaltige Nachhaltigkeit ist ein riesiger Betrug. Die Bekloppten fallen darauf rein und lassen sich in immer kleinere Autos zum immer größeren Preis quetschen, sie fragen gezielt beim Kauf nach, ob auch alles schön nachhaltig ist. "Sind die Bäume aus denen von polnischen und chinesischen Produktionssklaven Möbel gemacht werden auch nachhaltig abgesägt worden?" "Sind die Baumwollpflanzen für die T-Shirts, die Kinder in Bangladesh nähen und im verseuchten Flusswasser färben auch nachhaltig gepflückt worden?" "Werden die Kaffeepflanzen, deren Bohnen von Kindern geerntet und in 50kg schweren Kiepen auf dem Rücken ins Tal getragen werden, auch nachhaltig und bodenschonend gepflanzt?" Diese nachhaltige Scheinwelt mit ihrer nachhaltigen Verlogenheit ist doch kaum noch zu ertragen. Alles nur um den Konsumenten mit Nachhaltigkeit ein ruhiges Gewissen einzutrichtern, damit der Kaufrausch reuelos vonstatten gehen kann.

MichaelLandrupp

03.07.2012, 00:36 Uhr

Ich möchte in diesem Zusammenhang gerne das Augenmerk auf Hornbach lenken, die vom WWF getestet wurden und nicht zu Unrecht als Testsieger in Sachen Nachhaltigkeit bei Möbekn hervorgegangen sind.
Nachzulesen auf http://www.baumarkt-experten.de/Test/hornbach-baumarkt/

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