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06.02.2017

14:34 Uhr

Bio-Lebensmittel

Naturkosthandel behauptet sich

Ob Müsli, Nussnougatcreme oder Gemüse - die Biovarianten vieler Lebensmittel finden sich immer häufiger auch in den Regalen von Supermärkten. Die Umsätze des Naturkostfachhandels leiden darunter aber bisher kaum.

Obwohl Konsumenten auch in Supermärkten Bioprodukte kaufen können, leiden die Umsätze von Bioläden darunter nicht. dpa

Lebensmittel biologischer Herkunft

Obwohl Konsumenten auch in Supermärkten Bioprodukte kaufen können, leiden die Umsätze von Bioläden darunter nicht.

NürnbergOb klassischer Müsli-Laden oder moderner Biomarkt - der Naturkostfachhandel hat trotz wachsenden Bioangebots in Supermärkten seinen Marktanteil am Geschäft mit Naturkost erfolgreich verteidigt. Weiter fließe ein gutes Drittel der damit erwirtschafteten Umsätze in die Kassen der rund 2500 Fachläden in Deutschland, sagte die Geschäftsführerin des Bundesverbandes Naturkost Naturwaren (BNN), Elke Röder, am Montag im Vorfeld der Naturkostmesse Biofach der Deutschen Presse-Agentur.

Im vergangenen Jahr erzielte der Naturkostfachhandel, der ausschließlich Bioprodukte im Regal hat, einen Umsatz von 3,21 Milliarden Euro. Mit 5,6 Prozent fiel der Zuwachs indes nicht mehr so hoch aus wie im Jahr davor. 2015 hatte der Umsatz der Branche doppelt so stark zugelegt. „Genau kennen wir die Gründe dafür auch nicht. Vermutlich hängt es auch mit dem zunehmenden Angebot an Bioprodukten in Supermärkten und bei Discountern zusammen“, schätzt Röder.

2016 haben die Bundesbürger nach BNN-Angaben rund neun Milliarden Euro für Naturkost und Naturwaren ausgegeben. Zwei Drittel davon wandern in die Kassen des konventionellen Lebensmittelhandels, der Discounter oder der Drogeriemärkte. Diese haben sich häufig mit eigenen Bio-Abteilungen auf die wachsende Kundennachfrage nach Naturkost eingestellt.

Was wirklich hinter den Siegeln steckt

Bio

Das Bio-Siegel der EU wurde im Juli 2010 eingeführt. Ein Produkt, das dieses Label trägt, darf höchsten 0,9 Prozent gentechnisch verändertes Material enthalten und muss zu mindestens 95 Prozent aus ökologischer Landwirtschaft kommen. Vielen Bio-Herstellern sind die Kriterien an das Bio-Siegel nicht scharf genug, deswegen haben sie eigene Siegel wie Demeter oder Naturland, die höhere Anforderungen erfüllen müssen.

Fairtrade

Das Label steht für weltweit gültige Standards, die Kleinbauern stabile und auskömmliche Preise und möglichst direkte Handelsbeziehungen sichern. Dazu gehören auch die Vorfinanzierung der Produktion und ein garantierter Mindestpreis. Bei einem Produkt, das dieses Siegel trägt, müssen alle Zutaten, die unter Fairtrade-Bedingungen erhältlich sind, zu 100 Prozent Fairtrade-zertifiziert sein.

FSC

Die Non-Profit-Organisation Forest Stewardship Council vergibt dieses Siegel, um nachhaltige Forstwirtschaft zu zertifizieren. Die Produzenten müssen dafür zehn Kriterien erfüllen, die die ökonomischen, ökologischen und sozialen Standards bei den Forstbetrieben verbessern sollen. Umweltverbände kritisieren aber immer wieder, das Siegel würde zu leichtfertig vergeben.

MSC

Die private Organisation Marine Stewardship Council, die das Label für nachhaltigen Fischfang vergibt, wurde vom Konzern Unilever und der Naturschutzorganisation WWF gegründet. Betriebe die das Label bekommen, müssen unter anderem Überfischung vermeiden und das Ökosystem schützen. Auch hier gibt es Kritik an der Vergabe, beispielsweise rügt Greenpeace, dass nur 60 bis 80 Prozent der Standards erfüllt sein müssten, damit eine Fischerei das Gütesiegel erhält.

PEFC

Auch dieses Siegel soll die nachhaltige Waldbewirtschaftung sicherstellen. Im Gegensatz zum FSC, das Betriebe zertifiziert, vergibt PEFC das Siegel an Regionen. Die Nachhaltigkeit der Waldbewirtschaftung wird dann auf regionaler Ebene kontrolliert. Die Einhaltung der Standards wird regelmäßig stichprobenartig überprüft. Während das FSC-Siegel meist für Tropenholz verwendet wird, zertifiziert PEFC in der Regel europäische Wälder.

UTZ

Mit dem Label werden nachhaltig angebaute Agrarprodukte gekennzeichnet, speziell Kaffee, Tee und Kakao. Die Produzenten müssen soziale Kriterien festlegen, Anforderungen an die Umweltverträglichkeit erfüllen und eine effiziente Bewirtschaftung sicherstellen. Ein Label für fairen Handel ist UTZ jedoch nicht.

V

Das V-Siegel, das vom Vegetarierbund Deutschland (VEBU) vergeben wird, kennzeichnet vegetarische Lebensmittel. Produzenten müssen für die Zertifizierung ihre Zutatenliste offenlegen und ihre Produktion vor Ort überprüfen lassen. Sie müssen auf jegliche Tierkörperbestandteile, also auch etwa auf Gelatine, verzichten. Es wird inzwischen von über 250 Lizenzpartnern verwendet, zum Beispiel von Alpro, Frosta, Katjes, Valensina und Voelkel.

Viele Kunden schätzten das regionale Angebot und das konsequente Bio-Sortiment der Naturkostläden, sagte Verbandschefin Röder. Eine Rolle spielt nach ihrer Einschätzung auch der Einsatz des Naturkostfachhandels etwa für das Tierwohl und eine Verbesserung von Bioprodukten, wie petrochemie-freie Reinigungsmittel. Das sei ebenfalls vielen Kunden wichtig. „Unser Anliegen muss sein, solche Themen künftig besser zu verkaufen.“

Bei der Entscheidung der Verbraucher für Bioprodukte hofft der Verband nun auf mehr staatliche Unterstützung. So sollte die Bundesregierung die Mehrwertsteuer auf Bioprodukte von derzeit 19 auf 7 Prozent, in bestimmten Fällen sogar auf nur 3 Prozent zu senken, fordert der Verband vor der Naturkostmesse Biofach, die vom 15. bis 18. Februar in Nürnberg stattfindet. Schließlich trügen Käufer von Biowaren zur Erhaltung der Lebensgrundlagen bei.

Von

dpa

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