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21.07.2016

16:22 Uhr

Birkenstock trennt sich von Amazon

Kult-Schlappen gehen eigene Wege

VonGeorg Weishaupt

Birkenstock hat mit der berühmten Kork-Latex-Sandale den Geschmack zahlreicher Kunden getroffen. Die Kollektionen sind regelmäßig ausverkauft. Warum die Schuhe in den USA künftig nicht mehr über Amazon erhältlich sind.

Das Topmodel hat eine eigene Birkenstock-Kollektion entworfen. Getty Images Entertainment/Getty

Heidi Klum

Das Topmodel hat eine eigene Birkenstock-Kollektion entworfen.

DüsseldorfTopmodels wie Heidi Klum und Kate Upton tragen sie: Sandalen des deutschen Herstellers Birkenstock. Die bequemen Schlappen gelten als Statussymbol – auch in gebrauchtem Zustand. So wechselten etwa die arg ramponierten Exemplare des verstorbenen Apple-Gründers Steve Jobs bei einer Versteigerung für knapp 3.000 Dollar den Besitzer.

Die Sandalen mit dem ausgeprägten Fußbett sind begehrt wie lange nicht mehr. Das ist gut für das Unternehmen aus Neustadt/Wied. Denn der Umsatz wächst schnell. Der Erfolg hat eine Kehrseite: Er lockt viele Raubkopierer.

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Deutsche mögen es zwar bequem, doch Adiletten und Birkenstocks haftet das Öko- und Waldorflehrer-Image an. Im Ausland ist das anders, dort steht man aufs deutsche Design. Warum eigentlich?

Birkenstock zieht nun Konsequenzen: Ab dem ersten Januar kommenden Jahres wird das Familienunternehmen keine Sandalen mehr über den Onlinehändler Amazon in den USA verkaufen. „Der Amazon Marktplatz, der als offener Markt betrieben wird, schafft ein Umfeld, wo wir unakzeptable Geschäftspraktiken erleben“, teilt David Kahan, US-Chef von Birkenstock, in einer Mitteilung an seine Einzelhandelspartner mit.

Er befürchtet, wie der US-Fernsehsender CNBC aus dem Schreiben zitiert, dass diese Praktiken „das Image der Marke beschädigen“. Ein Sprecher von Birkenstock in Deutschland bestätigte dem Handelsblatt diese Informationen.

Um den Wildwuchs bei kopierten Produkten und Vertrieb in den Griff zu bekommen, stoppt Birkenstock deshalb den Verkauf über Amazon in den USA. Das Problem des deutschen Unternehmens ist, dass das Geschäft schneller wächst als seine Produktionskapazitäten. „Wir sind – seit wir uns 2013 neu aufgestellt haben – jedes Jahr ausverkauft“, sagt der Firmensprecher. Und das, obwohl Birkenstock in der Zeit seine Produktionskapazität verdoppelt hat. Die übergroße Nachfrage nutzen andere Anbieter offensichtlich, um mit preiswerten Kopien vom Boom zu profitieren. Diese locken Anbieter mit zum Teil deutlich niedrigeren Preisen als das Original.

Die deutsche Schuhindustrie in Zahlen

Ausgaben für Schuhe

Pro Jahr geben die Deutschen über zwölf Milliarden Euro für Schuhe aus.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Marken-Stars

Nike und Adidas sind hierzulande die am weitesten verbreiteten Schuhmarken.

Beliebtester Händler

Deichmann ist sowohl nach Umsatz als auch nach Filialzahl der größte Schuhhändler Deutschlands.

Umsatz

Insgesamt setzt der stationäre Fachhandel über sieben Milliarden Euro netto um.

Importe

Im Jahr 2015 wurden Schuhe im Wert von 2,5 Milliarden Euro aus China importiert.

Die mehr als 240 Jahre alte Traditionsmarke wächst nach eigenen Angaben nicht nur auf ihrem Heimatmarkt Deutschland, sondern auch in Asien und in den USA. „Wir haben im vergangenen Jahr einen hohen mittleren dreistelligen Millionen-Umsatz erreicht“, sagte der Firmensprecher. Das Geschäft wachse jedes Jahr im „hohen zweistelligen Bereich“ . Sein Hauptprodukt, die berühmte Kork-Latex-Sandale, fertigt Birkenstock nach wie vor nur in Deutschland.

Birkenstock könnte das Problem mit Amazon nach Angaben des US-Chefs lösen, wenn es seine ganze Kollektion über die Online-Plattform verkaufen würde. Das gehört zur Amazon-Strategie, die einzige Verkaufsstelle für alle Produkte zu werden. Doch das ist keine Option für Kahan. Er will die Kontrolle über den Vertrieb der Sandalen in den USA behalten und kündigt deshalb für Anfang 2017 den Rückzug an.

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