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27.07.2014

15:48 Uhr

Bitburger-Technikchef Niewodniczanski

„Warum soll gutes Bier weniger kosten als Wein?“

VonLukas Bay

Unter dem Namen Craftwerk braut Bitburger besonders ausgefallene Biere. Im Interview erklärt Technikchef Jan Niewodniczanski das hauseigene Experimentierlabor und verrät, wie die Marke vom Craftbeer-Trend profitiert.

Bitburger-Technikchef Jan Niewodniczanski: „Wir machen aus unserer Herkunft kein Geheimnis“

Bitburger-Technikchef Jan Niewodniczanski: „Wir machen aus unserer Herkunft kein Geheimnis“

Jan Niewodniczanski ist Vertreter der Inhaberfamilie in der Führung von Bitburger und steuert heute das Ressort Technik. Im Gespräch mit Handelsblatt Online erklärt der Braumanager, warum auch Bitburger eigentlich schon seit Jahren Craftbeer produziert und warum es wichtig ist, in der Szene authentisch zu bleiben.

Was unterscheidet ein Craftbier eigentlich von anderen Bieren?

Die Grenze ist natürlich fließend. Die Amerikaner sagen, es sind Biere, die mit sehr viel Leidenschaft gebraut werden. Ich sage, wir haben unsere Biere schon immer mit sehr viel Leidenschaft gebraut. Wenn wir über Craftbeer sprechen, dann geht es meiner Meinung  nach in erster Linie um Vielfalt, Experimentierfreude und einen größeren Fokus auf Rohstoffe. Es geht also um ausgefallene Biertypen, die teilweise auch verloren  gegangen sind.

In den USA ist Craftbeer in kleinen Hausbrauereien groß geworden. Kann eine verhältnismäßig große Brauerei wie Bitburger überhaupt Craftbeer?

Für mich hat die Qualität auch nichts mit Größe zu tun. Es muss kein Brauer mit Vollbart und Tattoos am Braukessel stehen, um gutes Bier zu produzieren. Amerikanische Craftbeer-Brauer wie beispielsweise Samuel Adams oder Belgium Brewing sind mittlerweile keine kleinen Unternehmen mehr. Wichtig ist, dass man experimentierfreudig bleibt.

Mit Craftwerk haben Sie eine eigene Craftbeer-Marke aufgebaut. Wie kam es dazu?

Wir nutzen für Craftwerk eine Versuchsbrauerei von Bitburger, in der seit 1991 gebraut wird. Und dort haben wir eigentlich schon immer sehr viel experimentiert –  zum Beispiel für die Hochschulen. Wir haben unter anderem Braugerstenzüchtungen der Hochschule Berlin unterstützt. Wir haben für die Hopfenhändler neue Sorten getestet. Dabei sind sehr interessante Biere mit ausgefallenen Rohstoffen entstanden, die aber nicht auf den Markt gekommen sind. Jetzt haben wir uns überlegt: Warum sollten wir, wenn die Nachfrage nach solchen Produkten wächst, nicht eine eigene Marke entwickeln, um diese Produkte auch an den Konsumenten zu bringen.

Die größten Bierbrauer weltweit

Platz 10

BGI / Groupe Castel (Frankreich)

Das französische Traditionsunternehmen BGI / Groupe Castel verkauft nicht nur Bier, sondern auch Wein und Soft Drinks. Insbesondere in Afrika sind die Franzosen mit ihren Marken Castel und Flag gut aufgestellt.

Ausstoß (Mio. hl): 29,8

*Quelle: Barth-Haas Group/Statista, alle Zahlen für 2015

Platz 9

Kirin (Japan)

Die Japaner haben durchaus Sinn für ausgefallene Bierkreationen, entwarfen vor wenigen Jahren ein Frozen Beer. Obwohl die Brauerei, die zum Industriekonglomerat Mitsubishi gehört, ihre Vormachtstellung auf dem Heimatmarkt vor zehn Jahren an Asahi abtreten musste, ist sie global führend.

Ausstoß (Mio. hl): 43,1

Platz 8

Beijing Yanjing Beer Company (China)

Yanjing ist der Durchstarter in Asien. In rasantem Tempo hat sich das Kleinunternehmen zu einem mächtigen Konzern im asiatischen Raum entwickelt. Die Gründung der Brauerei liegt nur gut 30 Jahre zurück.

Ausstoß (Mio. hl): 48,3

Platz 7

Molson-Coors (USA/Kanada)

Die Erfinder des Dosenbiers sind auch international längst eine Größe. 2012 übernahm das Unternehmen die tschechische Brauereigruppe StarBev, zu der auch Staropramen gehört. Dadurch gehören die Amerikaner vor allem in Osteuropa zu den führenden Brauern.

Ausstoß (Mio. hl): 58,1

Platz 6

Tsingtao Brewery (China)

Die Chinesen haben ihren Einfluss in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Als einer der Hauptsponsoren der olympischen Spiele von 2008 in Peking hat sich Tsingtao fest etabliert. Bereits seit 1972 vertreibt die Firma ihre Produkte auch in den USA.

Ausstoß (Mio. hl): 70,5

Platz 5

China Resource Brewery (China)

Dieses Unternehmen setzt auf Kompetenz aus Europa: Das Joint Venture aus dem chinesischen Unternehmen CR Enterprise und SAB-Miller aus Großbritannien produziert die Marke „Snowbeer“ für den chinesischen Markt. Und das durchaus erfolgreich. Wächst die Marke weiter wie bisher, dürfte bald im Ranking aufsteigen.

Ausstoß (Mio. hl): 117,4

Platz 4

Carlsberg (Dänemark)

Die Dänen haben sich längst von einer regionalen Marke zum Global Player entwickelt. Zu Carlsberg gehören auch die deutsche Kultmarke Astra sowie Lübzer und Holsten.

Ausstoß (Mio. hl): 120,3

Platz 3

Heineken (Niederlande)

Die Welt trinkt Heineken, möchte man meinen. Die Marke hat sich international längst etabliert. Heineken ist auch an den deutschen Marken Kulmbacher und Paulaner beteiligt.

Ausstoß (Mio. hl): 188,3

Platz 2

SAB Miller (Vereinigtes Königreich)

Die britische Brauerei ist berühmt-berüchtigt für das „Miller“. Die ur-amerikanische Marke gehört seit 2002 zum SAB-Miller-Konzern und hat sich die australische Traditionssorte Foster's einverleibt.

Ausstoß (Mio. hl): 191,3

Platz 1

Anheuser-Busch Inbev NV/ SA (Belgien)

Der amerikanisch-belgisch-brasilianische Brauriese kann seinen Marktenteil sogar weiter steigern. Mittlerweile stammt jedes fünfte Bier, das weltweit verkauft wird, aus dem Konzern. Die bekannteste deutsche Marke im Portfolio ist Beck's.

Ausstoß (Mio. Hektoliter): 409,9

Ist Craftwerk für Bitburger mehr als ein Experimentierlabor? Wie groß kann dieser Trend werden?

Unser Ausstoß ist derzeit natürlich begrenzt. Wir arbeiten mit sehr, sehr kleinen Chargen. Die Versuchsbrauerei fasst etwa 20 Hektoliter. Wir wollen unseren Erfolg aber auch nicht in Volumina messen.

Gehen Sie auch gezielt in die Gastronomie?

Wir überlegen das und werden Craftwerk auch in Kürze auf einem Testmarkt im Frankfurter Raum in verschiedene Restaurants bringen. Dann werden wir die Reaktion der Verbraucher abfragen. Wichtig ist es, nah am Verbraucher dran zu sein. Unsere Produkte sind erklärungsbedürftig. Neben unserem Onlineauftritt sind wir darum auch auf sehr vielen Bierfestivals in Deutschland unterwegs.

Kommentare (2)

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Herr Wolfgang Trantow

28.07.2014, 09:56 Uhr

Die "richtige" Frage lautet: Warum muss gutes Bier so teuer sein? Nur, damit Manager nicht mehr schlafen können, weil Sie nicht wissen, wohin mit dem "abgezockten" Geld?? Mein Beispiel z.B. BIO ist fast 100x so teuer, obwahl man auf Chemie verzichtet, die ja kostet! Außer ist ist es eine Geschmacksfrage. Verfolgt man die Medien, sind sehr viele, zu viele BIO-Produkte nur Abzocke. Von Skandalen zu schweigen.

Frau Alkis Ikonomu

28.07.2014, 10:09 Uhr

Warum soll eine gute Flasche Bier weniger kosten als eine gute Flasche Wein?

Weil gute Trauben teurer sind als Hopfen und Malz. Gute Trauben brauchen viel Pflege und einen guten Standort. Sie sind daher nicht in größeren Mengen herstellbar.

Ich trinke lieber Bier als einen gewöhnlichen Wein, doch für einen guten wein lasse ich jedes Bier stehen. Wein ist einfach das edlere Produkt, wenn er sorgfältig und aus guten Trauben hergestellt wird. Die Vielfalt seiner Geschmacksnoten übertrifft jene des Bieres bei weitem. Das rechtfertigt den höheren Preis.

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