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11.07.2017

12:00 Uhr

Bizarrer Streit unter Billig-Fliegern

Wizz Air schlägt Ryanair mit den eigenen Waffen

VonJens Koenen

Ryanair streicht überraschend die Ukraine aus dem Flugplan und wird prompt mit einer Aktion gekontert, die eigentlich eine Spezialität der Iren ist: Rivale Wizz Air bietet gestrandeten Passagieren „Rettungsflüge“ an.

Die Billig-Airline aus Ungarn rührt in Osteuropa die Werbetrommel – und sticht den irischen Konkurrenten Ryaniar in der Ukraine aus. Reuters

Wizz Air

Die Billig-Airline aus Ungarn rührt in Osteuropa die Werbetrommel – und sticht den irischen Konkurrenten Ryaniar in der Ukraine aus.

FrankfurtWer wissen will, wie beinhart der Wettbewerb im europäischen Luftverkehrsgeschäft ist, der hat seit heute ein neues, plakatives Beispiel. Die beiden Billig-Airlines Ryanair und Wizz Air liefern sich zurzeit einen Marketing-Wettkampf um die Ukraine, der teils bizarre Züge annimmt. Der eine, Ryanair, hatte am Montagabend recht überraschend die für den Winterflugplan gekündigten Verbindungen in die Ukraine wieder abgesagt. Die Begründung lässt aufhorchen und deutet an, mit welch harten Bandagen der Billig-Anbieter mit den Airports um optimale Bedingungen kämpft. Der Flughafen Kiew halte sich „nicht an Absprachen“, wettert die Airline. Der Airport schütze vor allem die „hochpreisigen Fluggesellschaften wie Ukraine International Airlines“, heißt es in der schriftlichen Erklärung des Unternehmen. Was genau Ryanair dem Airport-Management in Kiew vorwirft, dazu schweigt man in Dublin.

Nur wenige Stunden später dann der Konter vom Rivalen. Wizz Air, eine der führenden Billig-Fluggesellschaft in Osteuropa, kündigte in einer Marketingaktion „Rettungsflüge“ für jene Passagiere an, die bereits Tickets für die geplante Ryanair-Verbindung von Lviv (Lemberg) nach Berlin gebucht haben. Auch auf anderen Strecken sollen solche Angebote platziert werden, für einen „Rettungs-Tarif“ ab 25 Euro, wie es weiter heißt. „Wir unterstreichen damit unser Bekenntnis zur Ukraine“, lässt sich George Michalopoulos, Chief Operating Officer von Wizz Air, zitieren.

Wizz Air wählt damit ausgerechnet jenes Instrument, das bisher vor allem von Ryanair genutzt wurde. Die irische Airline hat in der Vergangenheit mehrfach mit speziellen Rettungsaktionen geworben, wenn konkurrierende Fluggesellschaften Probleme hatten, sei es durch Streiks oder andere Auslöser.

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Ryanair dürfte die Aktion des Rivalen allerdings relativ kalt lassen. Das Management hat bereits einen Plan B für die Flugzeuge, die eigentlich für die Ukraine vorgesehen waren. Und der heißt vor allem: Deutschland. Hier will der irische Anbieter erklärtermaßen massiv wachsen und seinen Marktanteil von zuletzt weniger als fünf auf 20 Prozent steigern. Ursprünglich wollte Ryanair Kiew in dem ab Ende Oktober geltenden Winterflugplan von London-Stansted, Stockholm, Manchester und Eindhoven anfliegen. Lviv war im Flugplan mit Verbindungen nach Berlin-Schönefeld und Memmingen eingeplant gewesen. Doch das ist Vergangenheit, bevor es überhaupt Realität wurde. Der Flughafen Kiew habe gezeigt , dass die „Ukraine kein entsprechend entwickelter oder zuverlässiger Standort“ sei, in den Ryanair wertvolle Flugzeugkapazität investieren könne, so Ryanairs Chief Commercial Officer David O`Brien

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