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09.01.2013

11:26 Uhr

Boeing 787

Pannenserie hält Dreamliner am Boden

Gleich zwei Pannen hat Japan Airlines mit Boeings Flaggschiff 787 in dieser Woche erlitten. Auch Konkurrent All Nippon Airways meldet nun einen Defekt. Dennoch halten die Fluggesellschaften an ihren Bestellungen fest.

Die japanische All Nippon Airways (ANA) sagt wegen technischer Probleme den Flug einer Boeing 787 ab. Reuters

Die japanische All Nippon Airways (ANA) sagt wegen technischer Probleme den Flug einer Boeing 787 ab.

Boston/TokioDie Pannenserie beim Boeing-Prestigemodell 787 („Dreamliner“) hält an. Nun meldet auch die japanische All Nippon Airways (ANA) Probleme. Sie strich am Mittwoch einen geplanten Flug eines Dreamliners. Als Grund nannte die Fluggesellschaft Probleme mit den Bremsen der Boeing-Maschine. Der Flug sollte von Yamaguchi im Westen Japans nach Tokio gehen. Allerdings hält ANA, der Erstkunde für die 787, an seinen Bestellungen fest. Von 66 georderten Maschinen sind bei ANA bereits 17 im Einsatz.

Zuvor hatten zwei der Flugzeuge der Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) in dieser Woche Probleme. Am Dienstag hatte in Boston eine JAL-Dreamliner-Maschine für Aufsehen gesorgt. Das Flugzeug musste den Start abbrechen. Als Grund nannte ein Feuerwehrsprecher ein Leck am Treibstofftank, bei dem rund 150 Liter ausgetreten seien. Ein Feuer sei nicht ausgebrochen, niemand sei verletzt worden. Eine Sprecherin von Japan Airlines sagte, Ursache sei ein mechanisches Problem gewesen. Die Details seien noch nicht bestätigt. Boeing war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Pannenserie des Boeing Dreamliner

Produktionsprobleme

Vor allem die anspruchsvolle Konstruktion der 787, die aus vielen Karbonteilen besteht, hatte zu langen Verzögerungen bis zur ersten Auslieferung geführt. Ein Jungfernflug war ursprünglich für August 2007 vorgesehen, er fand schließlich am 15. Dezember 2009 statt.

Ermahnungen wegen Triebwerken

Im September 2012 hatte die amerikanische Transportsicherheitsbehörde vor Problemen mit bestimmten Dreamliner-Triebwerken des Lieferanten General Electric (GE) gewarnt. Die Flugaufsichtsbehörde wurde zu Kontrollen ermahnt. Der Konzern änderte die Beschichtung von Triebwerkteilen, um dem Problem Herr zu werden.

Explosion eines Triebwerks

Noch vor der Inbetriebnahme einer neuen Boeing 787 hatte im Juli 2012 ein Triebwerk einer für Air India vorgesehenen Maschine bei einem Rolltest in den USA Probleme bereitet. Ein Bauteil brach und führte zu einer Explosion des Antriebsaggregats.

Bauchschmerzen bei Air India

In den ersten Monaten nach der Inbetriebnahme von drei Dreamlinern für Air India im Jahr 2012 gab es immer wieder Probleme – etwa mit dem Kühlungssystem der Maschinen. Indische Medien berichteten, dass eigentlich immer ein Flugzeug aus dem Trio wegen Problemen am Boden bleiben musste.

Probleme mit der Elektronik

Im Dezember 2012 war eine 787 von United Airlines zu einer Notlandung gezwungen, nachdem einer von sechs Stromgeneratoren an Bord den Dienst versagte, eine zweite Maschine hatte ähnliche Probleme.

Explodierte Batterie

Anfang Januar 2013 löste eine Explosion an Bord eines Boeing Dreamliner einen Brand an Bord einer Japan-Airlines-Maschine am Flughafen von Boston aus. Die Probleme erweisen sich als folgenschwer: Mehrere Wochen werden sämtliche 787 weltweit von den Aufsichtsbehörden am Boden gehalten.

Treibstoffleck

Ebenfalls ein Japan-Airlines-Jet war im Januar 2013 von einem Treibstoffverlust betroffen, der zu einem Abbruch eines Starts – ebenfalls in Boston – führte. Bereits im Dezember hatten alle Boeing-Flugzeuge des Typs 787 am Boden bleiben müssen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hatte eine Überprüfung der Maschinen angeordnet, nachdem bei zwei der Flugzeuge Treibstoff ausgelaufen war.

Bremsprobleme

Wegen Problemen mit den Bremsen einer Maschine strich die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) einen Inlandsflug nach Tokio. Als Grund nannte eine ANA-Sprecherin eine Störung des Computers, der das Bremssystem steuert. Der Computer sollte ausgetauscht werden.

Notlandung

Nach einem im Cockpit angezeigten Batteriedefekt und einem ungewöhnlichen Geruch an Bord, macht ein ANA-Dreamliner in Japan Mitte Januar 2013 einen Notlandung. Zunächst wird die gesamte Flotte von 17 Maschinen des Typs außer Dienst genommen – der Konkurrent Japan Airlines folgt dem Beispiel.

Peilsender fängt Feuer

Im Juli 2013 fängt ein Notfall-Peilsender einer abgestellten Boeing 787 auf einem Londoner Flughafen Feuer – auch hier soll ein Akku Grund für den Brand gewesen sein.

Toilette defekt

Wegen einer Störung in der Toilettenanlage ist ein Boeing 787 Dreamliner der Japan Airlines (JAL) umgekehrt, nachdem er bereits fünf Stunden auf dem Weg von Moskau nach Tokio unterwegs war. An Bord seien 141 Passagiere gewesen, sagte ein JAL-Sprecher. Als Ursache werde ein technischer Defekt vermutet.

Am Montag hatte bereits eine andere 787, ebenfalls in Boston, Feuer gefangen. Offenbar war eine Batterie explodiert, die Geräte an Bord mit Strom versorgt. Die US-Transportbehörde NTSB erklärte, das Feuer habe einen schwerwiegenden Schaden im Flugzeug angerichtet.

JAL hält sechs von sieben Boeing 787 planmäßig in Betrieb. Die siebte Maschine steht am Flughafen von Boston. Ein Sprecher sagte der Nachrichtenagentur Reuters zudem, dass es trotz der Pannen keine Pläne gäbe, die Bestellung von 38 weiteren Dreamlinern zu ändern.

Die Boeing-Aktie gab im Handel am Dienstag 2,6 Prozent nach und notierte zum Handelsschluss in New York bei 74,13 Dollar.

Ein Mitarbeiter der amerikanischen Transportsicherheitsbehörde NTSB untersucht die betroffene Japan Airlines Maschine (Quelle: NTSB). Reuters

Ein Mitarbeiter der amerikanischen Transportsicherheitsbehörde NTSB untersucht die betroffene Japan Airlines Maschine (Quelle: NTSB).

Laut einem Medienbericht hat auch United Airlines Schwierigkeiten mit einem seiner Dreamliner. Es handele sich um das Kabelproblem, dass auch an Bord der Japan-Airlines-Maschine am Montag für Probleme gesorgt habe, berichte das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf eine nicht näher genannte Person. United habe seine Maschinen kontrolliert, nachdem Japan Airlines seinen Dreamliner aus dem Verkehr gezogen habe.

Der Dreamliner gilt als Prestigeprojekt des Airbus-Konkurrenten Boeing, der das neue Modell erst mit jahrelanger Verspätung ausliefern konnte und zuletzt auch mit Triebwerksproblemen zu kämpfen hatte.

Boeings Dreamliner: Bestseller mit Verspätung

Erzrivale liefert 2013 aus

Der lang erwartete „Dreamliner“ von Boeing soll das Reisen über den Wolken revolutionieren: Mit mehr als drei Jahren Verspätung liefert der US-Flugzeugbauer die erste 787 aus. Die japanische All Nippon Airways (ANA) übernahm 2011 den ersten der Langstreckenjets. Damit soll eine neue Ära in der Luftfahrt beginnen. Erzrivale Airbus wird sein Konkurrenzmodell A350 voraussichtlich erst ab Ende 2013 ausliefern.

Gute Luft und wenig Sprit

Der „Dreamliner“ wartet nach Boeing-Angaben mit größeren Fenstern, einer angenehmeren Luft und einem geringeren Spritverbrauch auf als bisherige Typen. Möglich macht das die großflächige Verwendung der leichten und stabilen Karbonfasern statt des üblichen Aluminiums.

Ärger mit der Technik

Das neue Kunststoff-Material bescherte den Amerikanern jedoch auch jede Menge Ärger, weil die Ingenieure die Technik erst erlernen mussten. Es kam zu wiederholten Verzögerungen und jeder Menge Misstönen. Eigentlich hätte der erste „Dreamliner“ schon im Mai 2008 ausgeliefert werden sollen. Von der Bestellungen her ist die 787 aber schon ein Bestseller.

Air Berlin wird deutscher Erstkunde

Boeing liegen insgesamt 799 Orders (Stand: Januar 2012) vor. Deutscher Erstkunde soll 2014 Air Berlin werden. „Jetzt, da das Flugzeug fertig zur Auslieferung ist, kann das ganze Team feiern“, sagte „Dreamliner“-Programmchef Scott Fancher nach der Unterzeichnung der Verträge mit All Nippon Airways.

Mehrkosten in Milliardenhöhe

Die Verzögerungen kosteten die Mitarbeiter nicht nur Nerven und die Kunden viel Geduld. Es entstanden auch milliardenschwere Mehrkosten. Noch ist unklar, ab welcher Stückzahl der Airbus-Rivale mit dem Flugzeug überhaupt Geld verdient.

Bis zu 290 Passagiere

Da der „Dreamliner“ laut Hersteller 20 Prozent weniger Sprit als bisherige Typen verbraucht, lohnt es sich, bislang uninteressante Langstrecken-Routen direkt zu fliegen. In der kleineren Variante des „Dreamliner“, der 787-8, finden 210 bis 250 Passagiere Platz, in der verlängerten 787-9 bis zu 290.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

09.01.2013, 10:58 Uhr


Flugzeuge werden dem Kunden mittlerweile wie Bananen verkauft; auch Bananen reifen erst nachdem der Kunde diese erworben hat.

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