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23.09.2011

11:58 Uhr

Boeings Dreamliner

Der teuerste Fehler der Luftfahrtgeschichte

VonClaas Tatje
Quelle:Zeit Online

Es sollte die Revolution im Flugzeugbau werden: ein Jet, der zur Hälfte aus Kunststoff besteht. Um die Entwicklung zu beschleunigen lagerte Boeing einen Großteil der Verantwortung an Zulieferer aus - mit fatalen Folgen.

Der Dreamliner wurde für Boeing zum Alptraum. Mit drei Jahren Verspätung läuft nun die Serienfertigung an. Reuters

Der Dreamliner wurde für Boeing zum Alptraum. Mit drei Jahren Verspätung läuft nun die Serienfertigung an.

Ein paar Mal in der Woche betet die Mutter von Patrick Shanahan für ihren Sohn. Sie versammelt sich mit anderen Mitgliedern im Kirchenschiff der St.-Bridget-Gemeinde in Laurelhurst, Seattle, und hofft auf Segen. „Für den Dreamliner und unseren Erfolg“, erzählt Sohn Patrick. Er ist einer der wichtigsten Manager von Boeing, dem größten Luft-, Rüstungs- und Raumfahrtkonzern der Welt. Ein rationaler Typ, der sich dennoch über göttlichen Beistand freut. Shanahan ist verantwortlich für den Dreamliner. Die Boeing 787. Mit geschätzten mehr als 20 Milliarden Dollar Entwicklungskosten das teuerste zivile Flugzeugprogramm aller Zeiten. Dreieinhalb Jahre verspätet liefert Boeing die erste Maschine am 26. September an die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways aus. Dass es nicht noch länger dauert, dafür hat Shanahan gesorgt.

Mit seinem blonden Seitenscheitel sieht er eine Spur zu brav aus für diesen Job. Man könnte ihn auch für einen Prediger in der Gemeinde seiner Mutter halten, aber Shanahan hat für Boeing lieber Raketenabwehrsysteme optimiert, ehe er ins zivile Geschäft wechselte. Der 49-Jährige ist so etwas wie die Allzweckwaffe des Konzerns. Immer dann, wenn es besonders aufreibend wird, wenn etwas nicht rund läuft in den Flugzeugprogrammen, ruft die Konzernführung nach Shanahan.

Beim Dreamliner, so viel hat er schnell gelernt, war mit irdischen Mitteln wenig zu retten. Die personellen und finanziellen Belastungen dieser Flugzeugentwicklung bedrohen heute zwar nicht den Konzern in seiner Existenz, dafür verdient Boeing noch zu viel mit Satelliten, Waffen und anderen Rüstungsgeschäften. Aber das 787-Programm bindet Milliarden Kapital und Tausende Arbeitsplätze an der falschen Stelle. Der Dreamliner – das steht schon vor dem ersten Linienflug fest – gefährdet Boeings Vormachtstellung in der zivilen Luftfahrt.

Die Entwicklung von Flugzeugen war immer eine große Wette auf die Zukunft. Zu klein sind die Serien und zu neu ist das Material. Es dauerte zwei Jahrzehnte, ehe Boeing mit dem Jumbojet Geld verdiente. Am Ende war es so viel, dass der Rivale Airbus sich zum Bau der noch größeren A380 gezwungen sah. Auch dieser Flieger kostet das Airbus-Management bis heute Nerven, weil die Serienproduktion nur schwer gelingen will. Das Geld für die A380-Entwicklung ist längst noch nicht zurückverdient.

Kommentare (3)

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OutsourcingNeinDanke

23.09.2011, 14:27 Uhr

Ich kann mich noch gut erinnern das Boeing vor ein paar jahren als airbus die Verzögerung beim A380 bekannt gab, dass sie ihren Dreamliner rechtzeitig liefern werden. Kunden sollen doch libber den Boeing dreamliner kaufen als den A380. jetzt haben sie selber den gleichen Salat und wohl noch her zusätzliche Problem als Airbus damals. Damit hat sich auch das Thema Outsourcing erledigt, eins der Themen Anfnag des Jahrtausends - Gled sparen und Zeit gewinnen durch Outsourcing. Das haben viele Firmen so wie Boing gemacht und viel sind daran gescheitert. Boeing hat es übertrieben und hat bereits wieder die reissleine gezogen. Kernkompetenzen sollte man eben nicht outsourcen, besonders wenn es komplexe techn. Tätigkeiten wie Entwicklung, etc. handelt. Da sollten sich einige firmen in Deutschlanfda auch mal ein Beispeile nehmen und nicht auf teufel kom raus in Indien, China ,etc. entwickeln und produzieren zu lassen auf Kosten der Qualität.....

Izmir.UEbuel

23.09.2011, 16:03 Uhr

Das kommt davon, wenn ausschließlich überbezahlte BWLer als "Kostenkiller" das alleinige Sagen haben, denn dann wird's am Ende noch viel teurer.

Nachwuchs

23.09.2011, 19:03 Uhr

Und? Werden die verantwortlichen Manager wenigstens zur Verantwortung gezogen oder noch mit Boni belohnt?

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