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23.07.2012

10:27 Uhr

Börsenbetreiber

Handelsplattform Bats wagt zweiten Anlauf

VonUdo Rettberg

Der Börsenbetreiber Bats Chi-X will seine Plattform Bats Global Markets an die Börse bringen. Im Mai waren sie damit noch gescheitert. Schon jetzt ist Bats Chi-X für sie eine ernsthafte Konkurrenz.

Im Mai scheiterte der Börsengang aufgrund von Fehlern im eigenen Handelssystem. Diese sollen nun korrigiert worden sein. Reuters

Im Mai scheiterte der Börsengang aufgrund von Fehlern im eigenen Handelssystem. Diese sollen nun korrigiert worden sein.

FrankfurtAller guten Dinge sind zwei. Nach diesem Motto will die alternative Börsenplattform Bats Chi-X schon bald einen zweiten Versuch für einen Börsengang der Handelsplattform Bats Global Markets starten. In der letzten Maiwoche war das Debüt gescheitert. Beim geplanten Listing auf der eigenen Plattform musste der vor sechs Jahren gegründete Börsenbetreiber böse Erfahrungen machen. Fehler in den eigenen Handels- und Abwicklungssystemen zwangen dazu, den Versuch aufzugeben. Diese Schlappe will man allerdings nicht auf sich sitzen lassen.

"Wir werden voraussichtlich noch in den kommenden zwölf Monaten das IPO durchführen", sagt Mark Hemsley, Vorstandschef der im November 2011 aus der Fusion von Bats Global Markets und Chi-X hervorgegangenen Gesellschaft, im Handelsblattgespräch. Man sei jetzt wesentlich besser vorbereitet und habe die Schwachstellen abgestellt. Bats-Chi X ist im Aktienhandel bereits eine ernsthafte Bedrohung für etablierte Börsenbetreiber wie die Deutsche Börse und die London Stock Exchange geworden.

Der Börsengang würde es den Gründungsgesellschaftern - das sind vor allem Banken und Broker wie Deutsche Bank, Citigroup, Credit Suisse, Goldman Sachs, Nomura und UBS - ermöglichen, sich von ihren Anteilen zu trennen. Aus Bankenkreisen hieß es, einige Gründungsaktionäre hätten das Management wiederholt zu einem Börsengang gedrängt. Wegen der angespannten Liquidität können die Aktionäre das Geld wohl gut brauchen.

Doch Hemsley hat mehr vor. "Wir wollen über den Börsengang auch unsere Kriegskasse für etwaige Akquisitionen füllen", sagt er. Sollten sich Kaufchancen auftun, kämen als Kaufkandidaten Börsen, alternative Handelsplattformen (MTF), Clearinghäuser oder auch Wertpapier-Dienstleister infrage.

Bats Chi-X kann das über den geplanten Börsengang in die Kassen kommende frische Eigenkapital zudem für neue Angriffe auf die Konkurrenz gebrauchen. "Ja, wir denken weiterhin über den Einstieg ins Derivategeschäft nach, sowohl in den USA als auch in Europa", bestätigt Hemsley Informationen des Handelsblatts. Der Sprung ins Derivate-Zeitalter soll noch in diesem Jahr erfolgen. Dabei biete es sich an, dass die bisher allein auf den Handel mit Aktien fokussierte Börse zuerst mit Optionen auf einzelne Aktien starte.

Derzeit beherrschen die Deutsche Börse und NYSE Euronext noch den lukrativen Derivatehandel. Darüber hinaus plant Bats Chi-X sowohl in Europa als auch in den USA eine Ausweitung des Geschäfts auf Zinsprodukte und auf Devisen.

"Hier befinden wir uns aufgrund unserer Kundenstruktur in einer exzellenten Ausgangsposition", sagt Hemsley. Bekanntlich haben die großen Banken als Aktionäre in den vergangenen Jahren einen großen Teil ihres Geschäfts über diese in ihrem Eigentum befindliche Handelsplattform abgewickelt. Ein wesentlicher Grund lag darin, dass alternative Börsen wesentlich günstigere Gebühren berechnen.

Im Aktienhandel hat Bats Chi-X die Deutsche Börse und die London Stock Exchange bereits überholt. Im vergangenen Monat liefen 24,5 Prozent des europäischen Aktiengeschäfts über Bats Chi-X. Die Deutsche Börse AG brachte es gerade einmal auf 11,7 Prozent und die London Stock Exchange auf 21,3 Prozent.

Da Bats Chi-X als börsennotierte Aktiengesellschaft künftig die Umsatz- und Ertragslage stärker im Blickpunkt haben muss, sind Maßnahmen zur Steigerung der Erlöse absehbar. Kostenlose Marktdaten etwa soll es nicht mehr geben. "Die von uns künftig berechneten Gebühren werden allerdings noch nicht einmal 10 Prozent jener Kosten ausmachen, die die konkurrierenden traditionellen Börsen berechnen", sagt er.

Anm. d. Redaktion: Im zweiten Absatz hatte es einen Übertragungsfehler gegeben und das Zitat von Herrn Helmsley ist nachträglich korrigiert worden. Der Börsengang ist in den kommenden zwölf Monaten geplant - nicht im laufenden Jahr noch.

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