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22.10.2011

14:36 Uhr

Börsengang

Groupon muss die Zweifel der Anleger zerstreuen

Das Börsenumfeld ist nervös - trotzdem wagt das US-Schnäppchenportal Groupon den Sprung an die Börse. Investoren müssen mit einer guten Perspektive gelockt werden. Denn Gewinn hat das Unternehmen noch nie gemacht.

Groupon wagt den Börsengang. dapd

Groupon wagt den Börsengang.

New York/San FranciscoDie vielgerühmte Verkaufskunst des Schnäppchenportals Groupon wird ab dieser Woche auf eine harte Probe gestellt. Das gerade einmal drei Jahre alte Internet-Phänomen aus Chicago muss nämlich nicht wie gewohnt die Werbetrommel für Restaurant-Rabatte und andere Produkte rühren, sondern für sich selbst. Denn wenn der mit Spannung erwartete Börsengang ein Erfolg werden soll, muss Groupon Finanzprofis von dem Kauf von Firmenanteilen überzeugen. Angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten dürfte diese Aufgabe alles andere als leicht werden - Groupon hat noch nie einen Gewinn gemacht. 

Die Talfahrt an den Aktienmärkten hat Groupon bereits dazu gezwungen, das IPO-Volumen zu stutzen und die ursprüngliche Bewertung des Firmenwertes auf rund zehn Milliarden Dollar zu halbieren. Nach Ansicht von Branchenexperten reicht dies jedoch noch immer nicht aus, um den Sprung aufs Parkett zu garantieren - viele halten den Preis weiter für zu hoch und stellen zudem das Geschäftsmodell in Frage. 

Das Groupon-Konzept ist simpel und kann sehr lukrativ sein: Die Firma verkauft Gutscheine für Waren und Dienstleistungen und streicht dafür eine Kommission ein. Das Problem ist jedoch, dass mittlerweile hunderte Rivalen ähnliche Modelle anbieten - darunter steinreiche Unternehmen wie Google und Amazon . „Wir haben noch immer ernsthafte Zweifel an dem langfristigen Geschäftsmodell“, warnt etwa der Fondsmanager Michael Cuggino von Permanent Portfolio Fonds, der ein Vermögen von rund 15 Milliarden Dollar verwaltet. Er selbst will deshalb die Groupon-Werbeshow für Investoren gar nicht erst besuchen. 

Andere Anleger sind zumindest neugierig genug, um dem Groupon-Management zuzuhören. Bedenken über den angepeilten Preis je Aktie von 16 bis 18 Dollar sind jedoch weit verbreitet. „Sie haben zwar ein beeindruckendes Geschäft, aber das wird auch zu einem ziemlich hohen Preis angeboten“, sagt etwa Fondsmanager Ryan Jacob vom Jacob Internet Fund. „Sogar der neue Preis erscheint uns zu hoch. Es gibt zwar ein starkes Wachstumspotenzial, aber auch jede Menge Risiken.“ Die Investoren hat aber auch der Börsengang des Online-Radios Pandora im Juni aus ihren süßen Internet-Träumen vom Jahresanfang gerissen, als astronomische Summen für Start-Ups die Runde machten und von einer neuen Dotcom-Blase die Rede war. Die Talfahrt der Aktie nach dem fulminanten Debüt hat vielerorts für Ernüchterung gesorgt: Sie kostet jetzt weniger als ihr Ausgabekurs. Andere Börsenaspiranten wie das Spieleportal Zynga oder das soziale Netzwerk Facebook werden das Schicksal von Groupon genau im Auge behalten - und ihre Lehren daraus ziehen müssen. 

Groupon will 30 Millionen Aktien verkaufen. Dies sind jedoch nur fünf Prozent an der gesamten Firma. Insgesamt könnte der Börsengang Groupon damit 540 Millionen Dollar in die Kasse spülen. Ein Preis pro Aktie von 17 Dollar würde einem Unternehmenswert von 10,8 Milliarden Dollar entsprechen. Das ist zwar viel weniger als die ursprünglich erwarteten 20 Milliarden Dollar, aber noch immer deutlich mehr als die sechs Milliarden Dollar, die Google vor einem Jahr für Groupon geboten hatte. Auch wenn bei Groupon ein Gewinn noch immer auf sich warten lässt, zumindest der Verlust hat zuletzt deutlich abgenommen. Im dritten Quartal belief sich der Betriebsverlust nur noch auf zwei Millionen Dollar nach 62 Millionen Dollar im Vorquartal.

Von

rtr

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