Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.02.2012

16:33 Uhr

Börsensteuer

Europas Pläne können Nyse-Chef nicht schocken

VonRolf Benders

Die Planungen für eine Finanztransaktionssteuer in Europa können die Nyse Euronext nicht schocken. Nyse-Chef Niederauer bleibt gelassen. Gegenüber der Frankfurter Börse geht er dagegen zum Angriff über.

Händler auf dem Parkett der New Yorker Börse. dapd

Händler auf dem Parkett der New Yorker Börse.

New YorkAn der Wall Street betrachtet man die europäische Diskussion um die Einführung einer Finanztransaktionssteuer mit wachsender Gelassenheit. „Es wird immer unwahrscheinlicher, dass es eine europaweite Steuer geben wird, die unser Geschäft wirklich trifft“, sagte Duncan Niederauer, Chef der New York Stock Exchange (Nyse) am Freitag bei Vorstellung der Quartalszahlen. So gebe es in diversen europäischen Ländern sehr unterschiedliche Vorstellungen von der Steuer.

„Den Politikern wird immer klarer, dass eine vernünftige Implementierung der Steuer – vorsichtig ausgedrückt – eine Herausforderung darstellt. Sie begreifen, dass Kapital heute einfach über Grenzen fließen kann“, sagte Niederauer. Daher seien die jetzt diskutierten Modelle weitaus weniger drakonisch als noch vor einem Jahr. „Das Thema wird ein Medienthema bleiben, aber auf unser Geschäft dürfte es am Ende einen sehr eingeschränkten Einfluss haben“, fügte er hinzu.

Die in Frankreich nun geplante Steuer betreffe einen so kleinen Teil des Marktes, dass die Wirkung für Kunden überschaubar sei. Derzeit plant Paris die Einführung einer Börsensteuer, die nur das Geschäft mit großen französischen Firmen umfasst. Auch in Deutschland wird ein Alleingang bei der Steuer weiterhin diskutiert.

Niederauer bedauerte erneut, dass die geplante Fusion mit der Deutschen Börse am Widerstand der Europäischen Kommission gescheitert ist. Er versprach seinen Aktionären, durch neue Partnerschaften, neue Produkte, Kostensenkungen und den Verkauf nicht mehr zum Geschäft passender Beteiligungen den Wert der Firma weiter zu steigern. Dabei ist er offenbar auch geneigt, den Fusionspartner in Frankfurt direkt anzugreifen. „Die Fusion ist tot und liegt nun hinter uns. Damit das klar ist“, sagte Niederauer. Am 2. April will die Nyse einen detaillierten Plan für neues Wachstum vorlegen.

Nach Fusionsabsage : Nyse verbucht klares Gewinnplus

Nach Fusionsabsage

Nyse verbucht klares Gewinnplus

Dabei wurden die Erwartungen von Branchenexperten knapp übertroffen.

Bei den Quartalszahlen hat die Nyse Euronext die Erwartungen der Branchenexperten heute knapp übertroffen: Kurz nach der Absage der Fusion mit der Deutschen Börse ist der Gewinn der transatlantischen Börse um 13 Prozent gestiegen. Nyse Euronext verdiente im vierten Quartal nach Angaben vom Freitag 212 Millionen Dollar. Der Umsatz belief sich auf 628 Millionen Dollar. Der Nettogewinn, bereinigt um die Fusionskosten, belief sich auf 128 Millionen Dollar, während Analysten hier von gut 126 Millionen ausgegangen waren.

Dabei wurden die Erwartungen von Branchenexperten knapp übertroffen.

Nyse Euronext zufolge fielen im Zusammenhang mit dem Fusionsvorhaben im vierten Quartal Kosten von 38 Millionen Dollar an, weitere 25 Millionen Dollar entstanden durch eine Steuerbelastung im Zusammenhang mit der CO2-Börse Bluenext, einem Gemeinschaftsunternehmen mit der französischen Caisse des Depots.

Die europäischen Kartellbehörden hatten die Deutsche Börse in der vergangenen Woche dazu gezwungen, ihre Milliarden-Übernahme der Nyse Euronext abzublasen. Die EU-Kommission hatte Bedenken, dass das neue Unternehmen eine zu große Marktmacht im Derivatehandel entfalten würde. „Wir sind extrem enttäuscht von dieser Entscheidung“, sagte Nyse-Euronext-Chef Niederauer am Freitag. Offenbar gebe es auf Seiten der Kommission ein völlig anderes Verständnis von der Wettbewerbsdynamik der globalen Märkte. Für das Gesamtjahr wies der Börsenbetreiber einen Gewinnanstieg von 577 auf 619 Millionen Dollar aus. Der Umsatz verbesserte sich von 2,5 Milliarden auf 2,7 Milliarden Dollar.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

observer

10.02.2012, 15:30 Uhr

Wenn unsere FEINDE so sprechen, muss es ja gut sein.


EU - Cameron gegen Merkel: Börsensteuer-Pläne „Wahnsinn“
dpa / Jean-Christophe Bott Der britische Premier David Cameron nennt die deutsch-französische Börsensteuer-Pläne „Wahnsinn“.


Der britische Premier David Cameron hat vor dem EU-Gipfel den deutsch-französischen Plan für eine europaweite Börsensteuer als „Wahnsinn“ kritisiert. Zugleich warf er beim Weltwirtschaftsforum in Davos Kanzlerin Merkel indirekt Führungsschwäche in der Euro-Schuldenkrise vor.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×