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09.01.2016

17:49 Uhr

Bonaverde Berlin

Die Kaffee-Revolution – mit Filter

Auf der Technik-Messe CES in Las Vegas zelebrieren nicht nur Konzerne wie Samsung, Sony oder Volkswagen ihre Produkte. Auch Start-ups hoffen hier auf den Durchbruch. Eins kommt aus Berlin – und setzt auf Filterkaffee.

„Wir nehmen etliche Zwischenstufen im Kaffeehandel raus.“ dpa

Kaffeemaschine von Bonaverde Berlin

„Wir nehmen etliche Zwischenstufen im Kaffeehandel raus.“

Las VegasDer Berliner Start-up-Gründer Hans Stier hat sich 2013 auf einen geschäftlichen Marathonlauf eingelassen, bei dem viele andere Unternehmer wohl längst hingeschmissen hätten. Stier will mit seiner Firma Bonaverde nicht weniger, als den Vertrieb und den Konsum von Filterkaffee komplett erneuern. Doch sein hochgestecktes Ziel geriet zwischendurch fast außer Sichtweite.

Bei der Entwicklung einer neuartigen Kaffeemaschine, mit der grüne Kaffeebohnen in einem Rutsch geröstet, gemahlen und aufgebrüht werden, tauchten immer wieder massive Schwierigkeiten auf. So machte das Mahlwerk schon nach wenigen hundert Durchgängen schlapp und musste durch eine Neukonstruktion ausgetauscht werden. Auf der Technik-Messe CES 2016 in Las Vegas sieht sich Stier mit seinem kleinen Team nun aber auf der Zielgeraden.

Koffein-Schub: Filterkaffee läuft Kapseln wieder den Rang ab

Koffein-Schub

Filterkaffee läuft Kapseln wieder den Rang ab

Das Blatt im deutschen Kaffeemarkt wendet sich. Nicht nur Umweltschützer sind davon begeistert.

Auf dem ersten Modell der Kaffeemaschine „Bonaverde Berlin“ fehlen zwar noch die Stempel der internationalen Prüfinstitutionen - die sollen in wenigen Wochen alle vorliegen. Die Besucher der CES können sich aber nicht nur ein Bild von der großen Kaffeemaschine im strahlend weißen Kunststoffgehäuse machen, sondern auch frisch gerösteten Filterkaffee von Bonaverde probieren.

Die grünen Kaffeebohnen sollen ohne die im herkömmlichen Kaffeehandel zwischengeschalteten Großhändler, Großröstereien und Einzelhändler direkt von den Kaffeebauern in Lateinamerika bei den Bonaverde-Kunden landen. Die Verteilung an die Verbraucher übernehmen dezentral organisierte „Kaffee-Botschafter“ vor Ort. „Im konventionellen Handel wechselt der Kaffee bis zu 17 Mal seinen Besitzer, und alle wollen daran mitverdienen. Wir nehmen da etliche Zwischenstufen raus“, sagt Stier.

Welcher Kaffeetyp sind Sie?

Ländervergleich

6,4 Kilogramm Kaffee hat jeder Deutsche im Jahr 2010 verbraucht. Insgesamt gingen also 526.860 Tonnen Kaffeebohnen beziehungsweise gemahlener Kaffee über deutsche Ladentheken. Damit schaffen es deutsche Kaffeetrinker im internationalen Vergleich auf Platz drei hinter Brasilien und den USA. Grund genug für die Redaktion von brandeins Wissen, das Magazin "Kaffee in Zahlen" herauszugeben. Demnach gibt es verschiedene Kaffeetypen, wie beispielsweise den...

Puristen

Der Purist legt wenig wert auf die Kaffeemaschine an sich - oft hat er nicht einmal ein elektrisches Gerät sondern brüht per Hand. Er ist etwas älter und trinkt seinen Kaffee gern schwarz. Einmal am Tag Kaffee genügt dem Puristen. Er trinkt ihn meist morgens oder im Lauf des Vormittags. 16 Prozent der Deutschen gehören zu dieser Kategorie.

Pragmatiker

Der Pragmatiker

17 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland gehören zu den Pragmatikern: Ihnen hilft Kaffee vor allem dabei, morgens schnell wach zu werden. Abends trinken sie daher kaum Kaffee. Die Pragmatiker werden als mittelalt und eher weniger zufrieden mit ihrer Lebenssituation beschrieben.

Zucker und Milch

33 Prozent der Pragmatiker trinken ihren Kaffee am liebsten mit Zucker und Milch, nur 27 Prozent bestehen auf schwarzem Kaffee. Bei 24 Prozent kommt der aus dem Espresso-Vollautomaten. Wer so ein modernes Gerät hat, nutzt es zwar entsprechend häufig, spät abends greifen nur noch 28 Prozent der Pragmatiker zur Kaffeetasse.

Die Anspruchsvollen

Die Anspruchsvollen

Für 19 Prozent der Kaffeetrinker in Deutschland ist Kaffee ein Genussmittel und dementsprechend viel erwarten sie von der Qualität. Die Anspruchsvollen greifen zu jeder Uhrzeit zum schwarzen Wachmacher, etwas mehr als ein Drittel trinkt ihn gern weiß und süß. Spätabends greifen immer noch 50 Prozent der Anspruchsvollen zu Kaffee und 14 Prozent haben zuhause vier oder mehr verschiedene Versionen.

Vollautomaten

Die Anspruchsvollen sind auch die Gruppe, in der die meisten Menschen einen Kaffee-Vollautomaten besitzen. 24 Prozent haben ein solches Gerät statt herkömmlicher Kaffee- oder Padmaschinen. 86 Prozent gaben an, ihren Kaffeewunderautomaten regelmäßig zu benutzen.

Schlemmer

Schlemmer

17 Prozent der Kaffeetrinker mögen es weiß und süß, sie bevorzugen die Milchschaumvarianten wie Latte macchiato und Cappuccino gegenüber klassischem Filterkaffee. Diese sogenannten Schlemmer sind in der Regel junge Frauen. Viele von ihnen haben zuhause eine Pad- oder Kapselkaffeemaschine. 46 Prozent von ihnen schlürfen auch spät abends noch gern einen Milchkaffee.

Variationen

Kaffeevariationen mögen übrigens alle Gruppen gerne: Sowohl Cappuccino und Latte macchiato als auch Eiskaffees und süße Milchkaffees sind überall beliebt. Außer bei der Gruppe der Puristen und der Klassiker trinkt mehr als ein Drittel der unterschiedlichen Kaffeetypen gerne süß und mit Milch.

Klassiker

Klassiker

19 Prozent der Konsumenten gehören zu den Klassikern. Das heißt, sie wollen gute, qualitativ hochwertige Kaffeemaschinen und Kaffees. Variationen mit Macadamia-Aroma und Sojamilchschaum sind dagegen nichts für sie. Zu dieser Gruppe gehören viele ältere Menschen, die eher in kleineren Ortschaften als in den Metropolen leben. Kaffee trinken sie zu jeder Tageszeit, bevorzugt Filterkaffee.

Die Genügsamen

Die Genügsamen

Rund 12 Prozent der Kaffeetrinker zählen zur Gruppe der Genügsamen. Sie achten mehr auf den Preis als auf die Qualität, sie trinken aber auch deutlich weniger als die anderen Gruppen. Außer Haus trinken sie eher selten Kaffee. Zu den Genügsamen gehören überwiegend junge Männer.

Bonaverde zehrt derzeit noch von Vorschusslorbeeren aus dem Netz. Bei einer breit angelegten Crowdfunding-Aktion 2014 kamen insgesamt rund 2,5 Millionen Euro über die Plattformen Seedmatch, Kickstarter und Indiegogo zusammen. Mit der Finanzierungsmethode ging Bonaverde aber auch große Verpflichtungen ein, denn rund 5000 Unterstützer aus der „Crowd“ warten seitdem auf ihre Maschine. Die „Coffee-Changer“ (Kaffee-Veränderer) der ersten Stunde sollen nun ab August bedient werden.

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