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01.12.2016

08:50 Uhr

Bonussysteme

Nicht ohne meine Kundenkarte

VonFlorian Kolf

Die Deutschen sind europaweit die größten Fans von Bonussystemen wie Payback oder der Deutschlandcard. Eine Studie zeigt, was sie sich davon versprechen. Nicht immer sind es nur finanzielle Vorteile.

Auch den Supermarktkassen von Rewe können Kunden Payback-Punkte sammeln. obs

Bonuskarten

Auch den Supermarktkassen von Rewe können Kunden Payback-Punkte sammeln.

DüsseldorfDie Frage ist an der Supermarktkasse schon fast Standard: „Haben Sie eine Payback-Karte?“ Jeder dritte Deutsche ist mittlerweile Mitglied beim Marktführer für Kundenkarten. Rund 28 Millionen Karten hat Payback hierzulande ausgegeben, mehr als 650 Unternehmen akzeptieren das Bonussystem. Und die Zahl steigt weiter.

Kein Wunder, sind die Deutschen doch europaweit führend bei ihrer Liebe zu Kundenkarten. Nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, nutzen 72 Prozent der Deutschen solche Treueprogramme oder Bonussysteme. Im europäischen Durchschnitt sind es nur 66 Prozent.

So soll der Datenschutz bei Kundenkarten funktionieren

Klare Regelung

Auf der Jagd nach Punkten und Rabatten haben Millionen Menschen in Deutschland ihre persönlichen Daten an einen Kundenkarten-Anbieter wie Payback oder Deutschlandcard herausgegeben. Was die Anbieter mit den Informationen machen dürfen, ist gesetzlich klar geregelt und wurde durch eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs 2008 präzisiert.

Aktive Einwilligung erforderlich

Damals urteilten die Richter, dass die Kunden aktiv einwilligen müssen, wenn sie der Nutzung ihrer Daten für Werbezwecke per Mail oder SMS zustimmen. Wer dies zulassen möchte, muss dies auf dem Anmeldeformular erklären, zum Beispiel ein Kästchen ankreuzen.

Kunde als Herr seiner Daten

Diese Einwilligungserklärung ist aus Sicht von Datenschützern entscheidend. „Sofern eine solche eingeholt wird, bestehen aus datenschutzrechtlicher Sicht gegen solche Systeme grundsätzlich keine Bedenken“, erklärte die Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit. Denn damit sei es dem Kunden selbst überlassen, eine Entscheidung über die Verwendung seiner Daten zu treffen. „Wer für die Werbewirtschaft interessante personenbezogene Informationen gegen die Gewährung von Rabatten preisgeben möchte, darf dies auch tun.“

„Spezifische Kundengruppen“ bei Payback

Ohne die Einwilligungserklärung dürfen die Herausgeber der Kundenkarten die Daten nur für eigene Zwecke nutzen. Payback erstellt nach eigenen Angaben auf anonymisierter Basis spezifische Kundengruppen, die sich durch ein ähnliches Einkaufsverhalten auszeichnen und dadurch an bestimmten Angeboten interessiert sein können. Individuelle Kundenprofile gebe es aber nicht.

Wo noch Daten landen

Am meisten Informationen hat nach Angaben von Payback das Unternehmen, bei dem die Kundenkarte ausgestellt wird. Also kennt zum Beispiel Galeria Kaufhof die Adresse der Kunden, die sich die Karte dort geholt haben. „Diese Unternehmen haben jeweils auch die Produktdaten der Einkäufe, die in ihrem Unternehmen getätigt werden. Die anderen Partner kennen die Adresse jedoch nicht und haben auch keine anderen Daten.“

Quelle: dpa

„Der deutsche Verbraucher ist ein Freund von Kundenbindungsprogrammen und Treueaktionen. Die treibende Kraft dahinter sind natürlich finanzielle Vorteile wie etwa Rabatte“, sagt Ingo Schier, Vorsitzender der Geschäftsführung Nielsen Deutschland. Entsprechend groß ist der Wettbewerbsvorteil, den ein solches Programm bringt. So geben 60 Prozent der Befragten an, dass sie lieber bei einem Supermarkt einkaufen, der ein solches Programm anbietet, sofern alle anderen Faktoren der Alternative vergleichbar sind.

Auch wenn viele Verbraucher darüber klagen, dass das viele Plastik das Portemonnaie ausbeult, hängt die Mehrzahl doch an der physischen Karte: 76 Prozent geben an, dass sie die Karte im Laden scannen, um sich als Mitglied ihres Kundenbindungsprogramms zu identifizieren. Gerade mal 12 Prozent nutzen dafür eine App.

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Haben Sie an der Kasse schon mal mit dem Smartphone bezahlt? Ich bis vor kurzem auch nicht, doch nun habe ich die neue Payback App getestet. Für das vermeintlich kostenlose Angebot zahlt der Kunde einen hohen Preis.

Die Payback-Karte ist in Deutschland nicht nur am weitesten verbreitet – vor der Deutschlandcard, die auf 20 Millionen Teilnehmer kommt. Sie ist bei den Verbrauchern auch das beliebteste Bonussystem. Nach einer Umfrage des Deutschen Instituts für Service-Qualität erreicht Payback mit dem Qualitätsurteil „gut“ die höchste Kundenzufriedenheit unter allen Kundenkarten. Den zweiten Rang nimmt die Esprit Friends Card mit einem ebenfalls guten Gesamturteil ein, gefolgt von der Hagebau Partner-Card. In die Auswertung der Online-Befragung flossen insgesamt 1508 Bewertungen von Verbrauchern ein, die in den letzten 12 Monaten eine Kundenkarte genutzt hatten; 29 Kartensysteme wurden bewertet.

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