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26.08.2011

18:24 Uhr

Boomende Geschäftsidee

Wie Mandy Klein an der Frankenstärke verdient

VonHolger Alich

Seit der Schweizer Franken gegenüber dem Euro zum Höhenflug angesetzt hat, brummt das Geschäft von Mandy Klein. Die Unternehmerin bietet den Schweizern ihre grenznahe Wohnung in Konstanz als Lieferadresse an.

Der Höhenflug des Schweizer Franken bringt neue Geschäftsideen mit sich dpa

Der Höhenflug des Schweizer Franken bringt neue Geschäftsideen mit sich

Die Kartons im Flur verwandeln den Treppenaufstieg in einen Hindernislauf. Hinter der Eingangstür der Wohnung von Mandy Klein im ersten Stock baut sich dann ein wahres Gebirge aus Kartons auf. Selbst das Ankleidezimmer wird als Lagerraum genutzt. Die Kleinunternehmerin verabschiedet gerade einen jungen Mann, der sich eine Büchersendung abgeholt hat, da klingelt schon das Telefon. „Und so geht das tagein, tagaus“, stöhnt sie.

Seitdem der Schweizer Franken gegenüber dem Euro zum Höhenflug angesetzt hat, brummt das Geschäft von Mandy Klein. Ihre Idee: Sie bietet Schweizer Bürgern ihre grenznahe Wohnung in Konstanz als Lieferadresse an, damit diese bei deutschen Versand- und Onlinehändlern shoppen und so vom günstigen Wechselkurs profitieren können. Denn viele Versandhändler wie Otto liefern gar nicht in die Schweiz – oder es werden happige Porto- und Zollabfertigungskosten fällig. Bei der Schweizer Post kostet die Standardverzollung zum Beispiel 30 Franken (rund 26 Euro).

Mit Mandy Kleins Hilfe lassen sich diese Zusatzkosten umgehen. Schweizer Kunden registrieren sich dazu bei ihr auf der Webseite (lieferadresse-konstanz.de) und bestellen unter ihrem eigenen Namen c/o Mandy Klein in Konstanz ihre Waren. Trifft das Paket ein, benachrichtigt Klein ihre Kunden per Mail oder Telefon. Diese holen dann ihre Sendung ab und bringen sie anschließend selbst durch den Zoll. Für ihren Service verlangt Klein für ein normales Paket fünf Euro.

Ihre Umsätze verrät sie nicht. „Ich habe hier in der Wohnung aber bestimmt so an die 100 Pakete liegen“, sagt sie und zieht hektisch an ihrer Zigarette. „Mit solch einem Erfolg hätte ich nie gerechnet.“ Weil ihre 180 Quadratmeter große Wohnung langsam zu klein wird, will Klein nun expandieren und ein Ladenlokal im selben Haus anmieten.

Kleins Paketboom ist eine Art Sumpfblüte der Frankenstärke. Denn die meisten Schweizer haben nicht viel von der Aufwertung ihrer Währung. In der Schweiz bleibt das Preisniveau erstaunlich hoch. Selbst im Onlinehandel, wo Vergleiche leicht sind, kosten Produkte auf den Schweizer Webseiten deutlich mehr als im deutschen E-Shop.

Bei der Kleidermarke Esprit zum Beispiel: Schweizer Besucher des deutschen Onlineshops werden sofort belehrt, dass aus Deutschland keine Lieferungen in die Schweiz möglich sind. Und im Schweizer E-Shop langt Esprit dann zu. So kostet etwa ein „Blazer, feiner Hahnentritt, Mischgewebe“ in Euro umgerechnet stattliche 63 Prozent mehr als im deutschen Online-Shop.

Esprit wollte auf Anfrage nichts dazu sagen, wie sich diese Differenz erklärt. In Sachen Auslandsversand arbeite das Unternehmen dagegen an einer Lösung, hieß es.

Schweizer, die nicht länger die Milchkuh der europäischen Konsumgüterindustrie sein wollen, fahren daher entweder zum Einkaufen über die Grenze – oder sie bestellen über das Internet mit Hilfe von Mandy Klein.

„Die Idee dazu kam mir, als ein Freund eines Freundes aus der Schweiz mich bat, für ihn ein Paket in Empfang zu nehmen“, erzählt die drahtige Frau mit den hellen, kurzen Haaren. Das war im Jahr 2009. „Am Anfang hatte ich mit ein paar Paketen pro Monat gerechnet“, erinnert sie sich, „doch als der Franken bei 1,08 je Euro war, gab es kein Halten mehr.“ Die Schweizer bestellen alles, vor allem Kleidung, Elektroartikel und Autoteile. Auch ein ganzes Auto, einen Alfa-Romeo, hat Klein schon in Empfang genommen.

Mandy Klein ist nicht allein auf diesem Markt. Die Firma Lotto Burg in Weil am Rhein ist mit ihrem Lieferadressservice schon seit Jahren aktiv (www.serviceadresse.com). Und unter „deutsche-lieferadresse.com“ bietet seit zwei Jahren der Unternehmer Gerald Kibelkstis seine Dienste an. Dank größerer Depots kann er sogar ganze Paletten annehmen.

Kommentare (2)

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26.08.2011, 21:40 Uhr

tja, die Weichwährung namens Euro eröffnet den deutschen völlig neue Geschäftsfelder.
Da kann es ja nur aufwärts gehen

Hans

27.08.2011, 14:54 Uhr

Schöne Idee...

www.germanshoppingservice.com

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