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07.09.2014

17:49 Uhr

Bord-Knigge

Der Kampf um die Kniefreiheit

VonLaura Waßermann

Erstmal im Flugzeug eingecheckt, heißt es: zurücklehnen oder nicht? In den USA gab es wegen dieser Frage Ausschreitungen an Bord mit dramatischen Folgen. Grund genug für einen Flugzeug-Knigge.

Zu eng im Flugzeug: Unser Bord-Knigge verrät, wie Sie sich trotzdem anständig benehmen können. Getty Images

Zu eng im Flugzeug: Unser Bord-Knigge verrät, wie Sie sich trotzdem anständig benehmen können.

DüsseldorfNotlandung wegen der Rückenlehne: Gleich zwei Mal ist es in den USA  in der vergangenen Woche zu Ausschreitungen im Flugzeug gekommen. Auslöser dafür: die Kniefreiheit eines Passagiers.

Wer schon länger in Flugzeugen gesessen hat, weiß, wie nervig es sein kann, wenn der Vordermann seinen Sitz nach hinten klappt. Ein 48-jähriger Mann schien für dieses Problem auf dem Flug von Newark nach Denver die optimale Lösung gefunden zu haben: den sogenannten „Knee Defender“ (zu deutsch in etwa: Knie-Verteidiger). Das Gerät ist 80 Gramm schwer und kostet 22 Dollar. Seine Funktion: Den Vordermann am Zurücklehnen hindern.

Kneedefender.com

Optimal ist der Knee Defender nämlich nur für den, der es anbringt. Man befestigt das Plastikteil so an dem Sitz des Vordermanns, dass dieser sich anschließend nicht mehr zurücklehnen kann – keinen einzigen Zentimeter.

Auf seiner Webseite www.kneedefender.com preist der Hersteller sein Produkt besonders für Vielflieger an. Es sei ein „Reiseaccessoire“, das den Reisenden erleichtern soll, auf dem Flug zu arbeiten beziehungsweise den Komfort der Beinfreiheit zu genießen.

Doch arbeiten konnte der 48-Jährige aus den USA nur solange bis ihm die Passagierin, die vor ihm saß, Wasser ins Gesicht kippte. Laut einem Bericht der britischen Tageszeitung „The Guardian“ hatte sie, ebenfalls 48 Jahre alt, den Unruhestifter gebeten, den Knee Defender zu entfernen. Als er nicht reagierte, griff die Frau zum Glas. Am Ende musste das Flugzeuge wegen der beiden Streithähne sogar notlanden.

Nur vier Tage später gab es einen ähnlichen Vorfall: Ein 61-jähriger Franzose wollte mit der Fluggesellschaft American Airlines von Miami nach Paris fliegen. Angekommen ist er lediglich in Boston – genauso wie alle anderen Passagiere in dem Flugzeug.

Das sind die größten Airlines der Welt

Platz 10

Air China ist die zweitgrößte Fluggesellschaft der Volksrepublik – und die einzige zivile Linie, der es erlaubt ist, die chinesische Nationalflagge auf ihren Flugzeugen anzubringen.
Passagiere 2014: 54,58 Millionen

Platz 9

Die Lufthansa ist die größte deutsche Fluggesellschaft und befördert den Großteil ihrer Passagiere auf internationalen Flügen.
Passagiere 2014: 59,85 Millionen

Platz 8

Easyjet aus Großbritannien ist nach Ryanair die zweitgrößte Billigfluggesellschaft der Welt.
Passagiere 2014: 62,31 Millionen

Platz 7

China Eastern Airlines hat seine Basis in Shanghai, fliegt trotz des Namens nicht nur Ziele im Osten des Landes an, sondern ist sowohl in ganz China als auch internationale unterwegs.
Passagiere 2014: 66,17 Millionen

Platz 6

Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair liegt im weltweiten Ranking auf Platz 6, in Europa ist aber keine Airline größer als das Unternehmen aus Dublin. Interessant: Ryanair bietet ausschließlich internationale Flüge an.
Passagiere 2014: 86,37 Millionen

Platz 5

American Airlines mit Sitz in Texas ist eine der ältesten Fluglinien der Welt, sie wurde bereits 1930 gegründet.
Passagiere 2014: 87,83 Millionen

Platz 4

Noch ein wenig älter ist United Airlines, ebenfalls aus den USA. Die Unternehmensgeschichte geht bis ins Jahr 1926 zurück.
Passagiere 2014: 90,44 Millionen

Platz 3

China Southern Airlines ist die größte Fluggesellschaft Asiens. Den Großteil ihrer Passagiere befördert die Airline auf Flügen innerhalb Chinas.
Passagiere 2014: 100,68 Millionen

Platz 2

Southwest Airlines aus den USA ist eine Billigfluggesellschaft mit Sitz in Dallas. 1967 gegründet, ist das Unternehmen Pionier des Billigflugsegments. Sie bietet fast ausschließlich Flüge innerhalb der USA an.
Passagiere 2014: 129,09 Millionen

Platz 1

Delta Air Lines gehört zu den drei verbliebenen traditionsreichen Linienfluggesellschaften in den USA. Ganz knapp verweist das Unternehmen die Southwest Airlines auf Rang zwei.
Passagiere 2014: 129,43 Millionen

Quelle: IATA

Der Grund: Die Frau vor dem 61-Jährigen. Als die Passagierin ihren Sitz zurückklappte, wurde der Pariser binnen kürzester Zeit so wütend, dass er nicht nur seine Mitreisenden störte; er griff sogar ein Mitglied des Bordpersonals an.

Um den Konflikt zu lösen, sah die Fluggesellschaft keine andere Möglichkeit als den Mann in Handschellen zu legen und mit dem Flieger in Boston zwischenzulanden. Ein Stopp,  für den der Franzose im Bostoner Gefängnis landete.  Nun muss er sich wegen Behinderung des Flugzeugpersonals im Dezember vor Gericht verantworten.

Kommentare (5)

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Herr Marcel Europaeer

08.09.2014, 09:27 Uhr

Kneedefender ... also manchmal kann man wirklich nur mit dem Kopf darüber schütteln, was manche Mitmenschen als ihr gutes Recht empfinden.
Warum Wasser verschwenden? Ein Hinweis an Steward oder Stewardess hätte genügt und der "Knieschutz" wäre entfernt worden.

Herr Matthias Moser

08.09.2014, 12:37 Uhr

Die Fluggesellschaften dürften m.E. nur Sitze einbauen, die so konstruiert sind, daß der Hintermann die Lehnen des Vordermanns eben nicht bis an die Nasenspitze bekommen kann.
Es ist schon frech und ich habe es selbst schon erlebt, daß mein Vordermann als erstes nach dem Hinsetzen die Lehne gaaaanz nach hinten gestellt hat. Die Flugbegleiter kümmert so ein asoziales Verhalten leider wenig.

Herr Peter Insam

08.09.2014, 13:53 Uhr

Meine Erfahrungen zum Thema "Schlechtes Benehmen" mache ich auf jedem Flug und immer wieder. Grundsätzlich scheinen die Anweisungen des Flugpersonals einigen Passagieren völlig egal zu sein:
- telefonieren und mailen im Flieger, bis man schon zu Startbahn gerollt ist (man ist ja soooo wichtig)
- Telefon wieder einschalten und wieder mailen und labern noch bevor das Flugzeug die Parkposition erreicht hat (hier mal der Durchsage der Flugbegleiterin zuhören)
- abschnallen noch bevor der Flieger in der Parkposition steht und die Anschnallzeichen erlöschen
- Gedränge im Gang, weil jeder zuerst aus dem Flieger will
- dichtes Gedränge am Gepäckband statt mit etwas Abstand zu warten, bis der eigenen Koffer dann tatsächlich kommt

Einfache Regeln, deren Nicht-Einhaltung leider zum Sport geworden ist. Disziplin scheint es nicht mehr zu geben. Vielmehr hat man auf Reisen das Gefühl von immer mehr Egoisten umgeben zu sein. Da kommt der Knee-Defender ja gerade richtig.

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