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28.10.2015

14:48 Uhr

Bosch zerrt Dyson vor Gericht

Staubsauger-Affäre eskaliert

Dyson wirft BSH vor, Elektronik in Staubsaugern zu manipulieren, um in Messverfahren zu tricksen. Nun bläst die Bosch-Hausgerätetochter zum Gegenangriff – und leitet rechtliche Schritte ein.

Bosch war bereits im Zusammenhang mit dem VW-Abgasskandal in die Schlagzeilen geraten. dpa

Dyson vs. Bosch

Bosch war bereits im Zusammenhang mit dem VW-Abgasskandal in die Schlagzeilen geraten.

München/LondonIm Streit um eine angebliche Irreführung von Verbrauchern bläst der Hausgeräte-Hersteller BSH zum Gegenangriff auf seinen britischen Konkurrenten Dyson. In Großbritannien würden rechtliche Schritte gegen den Staubsaugerhersteller eingeleitet, teilte das Bosch-Tochterunternehmen am Mittwoch in München mit. Zu Details wollte sich ein Unternehmenssprecher nicht äußern. Dyson hatte BSH vorgeworfen, falsche Angaben zum Stromverbrauch von Staubsaugern zu machen, was der Hausgeräte-Hersteller erneut zurückwies.

Konkret hatte Dyson auf zwei Staubsauger-Modelle von BSH verwiesen, die in unabhängigen Tests deutlich mehr Strom verbraucht hätten als angegeben. Der britische Staubsaugerhersteller wirft BSH deshalb eine Irreführung von Kunden vor und hat beim Landgericht Berlin eine einstweilige Verfügung gegen BSH und gegen die Siemens Elektrogeräte GmbH beantragt. Am 1. Dezember sei dazu eine Anhörung anberaumt, sagte ein Dyson-Sprecher.

BSH-Chef Karsten Ottenberg warf Dyson-Gründer James Dyson vor, „sehr aggressiv“ gegen seine Mitbewerber vorzugehen. „Mit den völlig haltlosen Betrugsvorwürfen der vergangenen Woche hat er nun eine Grenze überschritten.“

James Dyson und Dyson Ltd. auf einen Blick

Der Gründer: James Dyson

* 2. Mai1947. Schon als Kind ärgerte sich Dyson über den ineffizienten, aber umso fieser fiependen Staubsauger seiner Mutter. Er studiert Möbeldesign und Innenarchitektur am Royal College of Art. End der 70er Jahre entwirft er die ersten Skizzen für einen beutellosen Staubsauger. Sein Modell "G force" wird 1990 von einer japanischen Firma lizenziert. Mit den Lizenzeinahmen gründet Dyson seine eigene Firma in Malmesbury, 40 Autominuten nordöstlich von Bristol, und bringt verbesserte Nachfolgemodelle selbst auf den Markt.

Vom Ingenieur zum Ritter

2007 erhebt Queen Elizabeth II James Dyson in den Rang eines Knight Bachelor. Dyson wird damit für seine Verdienste als einer der größten britischen Erfinder geehrt. Das Unternehmen engagiert sich mit der James Dyson Stiftung für den akademischen Nachwuchs und fördert Studenten und Lehrer durch Stipendien, Ausbildungsprogramme und Unterrichtsmaterial

Die größten Erfindungen

Die Erfindung des beutellosen Staubsaugers machte Dyson berühmt. Es folgten Ventilatoren ohne Rotorblätter und Handtrockner mit Luftdüsen, die das Wasser vom Handrücken abstreifen, statt sie mit heißer Luft zu trocknen.
Zu seinen ersten Erfindungen zählte in den 70er Jahren eine Schubkarre mit Ball statt eines Rades (ballbarrow) sowie das wheelboat, ein Fahrzeug, das an Land und auf dem Wasser fahren konnte.
Seine Waschmaschine mit zwei gegenläufigen rotierenden Trommeln funktionierte zwar, war aber zu teuer. Das Gerät floppte am Markt, die Produktion wurde eingestellt.

Schräges Hobby

2002 arbeitete Dyson mit seinem Kollegen Derek Philipps an der dreidimensionalen Umsetzung von Werken des niederländischen Künstlers M.C. Escher, der optische Täuschungen wie aufwärtslaufendes Wasser zu Papier brachte. Die beiden kreierten eine Installation aus Plexiglas und Wasserpumpen.

Die Dyson Ltd.

Dyson verkauft seine Produkte in 65 Länder weltweit. Von den 4500 Mitarbeitern sind über 1000 Ingenieure. Stammsitz ist Malmesbury in England, dort befindet sich das Forschungs- und Entwicklungszentrum. Produziert werden die Geräte seit 2002 in Malaysia.

Umsatz und Gewinn

Das Unternehmen weist offiziell keinen Zahlen aus. 2013 soll es rund zwei Milliarden britische Pfund umgesetzt und 600 Millionen Pfund Gewinn gemacht haben. Ein Drittel des operativen Gewinns wird jährlich in Forschung und Entwicklung investiert.

Dyson in Deutschland

In Deutschland liegt Dyson im Staubsaugersegment mit einem Umsatz von rund 75 Millionen Euro und einem Marktanteil von 18,4 Prozent vor dem Konkurrenten Miele auf Platz eins.

Ottenberg dreht den Spieß um: Nicht die Münchner seien die Bösewichte, sondern Dyson. „Zuletzt konnte die BSH Dyson im Herbst 2014 nachweisen, bei seinen Geräten falsche Werte auf dem Energielabel ausgelobt zu haben. Diese Falschangaben wurden gerichtlich in Deutschland verboten und Dyson hat die Werte europaweit geändert“, teilte die Bosch-Tochter mit.

Alle BSH-Staubsauger, die auch unter dem Namen Siemens vertrieben werden, würden im Einklang mit den Anforderungen der EU-Energielabel- und Ökodesignverordnung geprüft und erfüllten diese vollständig, hieß es. BSH verwies auf eine Überprüfung der Stiftung Warentest, bei dem zuletzt die Bosch-Geräte ohne Beutel besser abgeschnitten hätten als die von Dyson.

Die EU-Kommission hatte zuvor erklärt, ihr lägen keine Belege vor, dass Staubsauger-Hersteller betrügerische Mechanismen nutzten, um Tests zur Einstufung in eine EU-Effizienzklasse zu umgehen. Derzeit gebe es keine verlässliche Methode zu Tests von Staubsaugern mit teils gefüllten, sondern nur für Geräte mit leeren Beuteln. Auch bei der Stiftung Warentest heißt es, BSH bewege sich im rechtlichen Rahmen, doch zeige sich einmal mehr, dass Prüfungen für das Energielabel „häufig lebensfern“ seien.

BSH verwies auf einen Test der Stiftung Warentest, bei dem zuletzt die Bosch-Geräte ohne Beutel besser abgeschnitten hätten als die von Dyson. Sowohl bei den Beutelstaubsaugern als auch bei den beutellosen Staubsaugern, der Kernkompetenz von Dyson, wurden Geräte der BSH zu Testsiegern gekürt. Der britische Wettbewerber hat im gleichen Test für sein Gerät nur ein „ausreichend“ erhalten. Dyson hatte allerdings als erstes Unternehmen in den 90er Jahren beutellose Staubsauger auf den Markt gebracht und ist Marktführer im hochpreisigen Segment über 300 Euro.

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