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10.09.2015

17:34 Uhr

Brandkatastrophe in Pakistan

Streit über Kik-Zahlungen eskaliert

VonFlorian Kolf

Vertreter der Angehörigen der Opfer des Fabrikbrandes in Pakistan greifen Kik massiv an und werfen dem Unternehmen eine Hinhaltetaktik vor. Der Textildiscounter wehrt sich und spricht von „Unwahrheiten“.

Unternehmenszentrale im westfälischen Bönen. dpa

Kik

Unternehmenszentrale im westfälischen Bönen.

DüsseldorfVor drei Jahren wurden bei einem Fabrikbrand in Pakistan 254 Menschen getötet und 55 verletzt. Und seit dieser Zeit verhandeln Vertreter der Opfer über Entschädigungszahlungen mit dem Textildiscounter Kik, der in dieser Fabrik Kleidung fertigen ließ. Lange Zeit fanden diese Gespräche hinter verschlossenen Türen statt. Doch nun tragen die Beteiligten den Streit in die Öffentlichkeit – und der Ton wird zunehmend ruppiger.

„Wir verlieren langsam die Geduld mit Kik, da es seine Versprechen offensichtlich nicht einhält und versucht, die Verhandlungen über Entschädigungszahlungen zu blockieren“, schimpft Jyrki Raina, Generalsekretär des internationalen Gewerkschaftsverbands IndustriALL, der die Opfer vertritt. Er nennt es eine „Beleidigung, dass die Überlebenden und die Hinterbliebenen der Todesopfer auch drei Jahre nach der Katastrophe noch darauf warten, dass KiK sich bewegt“. Philip Jennings, Generalsekretär der Gewerkschaft UNI fragt: „Glaubt Kik tatsächlich, die Leben dieser Arbeiter seien weniger wert als die der deutschen Textilarbeiter?“

Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo / Ernsting's Family
Die Unternehmen aus Hamburg und Coesfeld teilen sich den zehnten Platz mit einem Umsatz von 1,01 Milliarden Euro. Damit schlugen sie 2014 aber etablierte Modefilialisten wie Esprit, Inditex oder den Onlinehändler Zalando.

Quelle: „Textilwirtschaft“

Rang 9

Aldi-Gruppe
Die beiden Discounter (Aldi Nord/Aldi Süd) erzielten 2013 einen geschätzten Textilumsatz von 1,04 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damit kann Aldi Rang neun verteidigen.

Rang 8

Lidl
Die Neckarsulmer liegen mit einem Textilumsatz von rund 1,08 Milliarden Euro auf Rang acht.

Rang 7

Tengelmann
Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2014 einen geschätzten Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro, ein leichtes Plus zum Vorjahr.

Rang 6

Peek & Cloppenburg
Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 1,34 Milliarden Euro Platz sechs.

Rang 5

Karstadt
Deutlich geschrumpft ist erneut der Umsatz bei Karstadt - nach „Textilwirtschaft“-Schätzung um mehr als 300 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro. Dennoch wird Platz fünf verteidigt.

Platz 4

Metro
Die Düsseldorfer Metro-Group schafft mit Textilien im Jahr 2014 geschätzte 2,25 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 3

C&A
Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland. Allerdings sind die Einnahmen seit Jahren rückläufig.

Platz 2

H&M
Die schwedische Modekette H&M steigert den Umsatz 2014 deutlich. Die Erlöse belaufen sich in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto
Der größte Textileinzelhändler in Deutschland bleibt der Hamburger Versandhändler Otto Group mit einem Textil-Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Der Textildiscounter weist diese Vorwürfe vehement zurück, spricht von „Unwahrheiten“ und von „falschen und widerlegten Behauptungen“. Kik habe sich von Anfang an bereiterklärt, aus Gründen des menschlichen Mitgefühls die erforderliche Hilfe zu leisten und bereits eine Million Euro vorab gezahlt. Das Unternehmen besteht auch darauf, dass es sich nicht um Schadensersatz handele, weil es sich rechtlich nicht in der Schuld sieht.

Der Streit geht im Kern um die Modalitäten der Entschädigung. Kik lehnt weitere pauschale Zahlungen ab und fordert eine Einzelfallprüfung. Der Textildiscounter schlug die Anwendung der Konvention 121 der internationalen Arbeitsorganisation vor, wie es auch im Falle des Unglückes von Rana Plaza in Bangladesch geschehen ist. Dies habe die Gegenseite abgelehnt. Die Gewerkschaften dagegen werfen Kik vor, die Betroffenen immer wieder hingehalten zu haben, „um die Zahlung von langfristigen Entschädigungen für Einkommensverlust, Arztkosten sowie Schmerzen und Leid zu umgehen“.

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