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07.11.2015

17:55 Uhr

brandnooz, gofeminin, TestLabor

Ehrliche Kundenstimmen per Mausklick

VonElena Brenk-Lücke

Mundpropaganda ist lukrativ. Immer mehr Start-ups machen damit ein Geschäft. Im Internet testen und bewerten Kunden Markenprodukte – einige zahlen sogar dafür. Sie lösen allerdings auch schon mal einen Milchreis-Skandal aus.

„Sieht aus wie Milchreis, schmeckt nach nichts“, solch ein bösartiger Kommentar löste einen Skandal im Netz aus. Imago

Milchreis

„Sieht aus wie Milchreis, schmeckt nach nichts“, solch ein bösartiger Kommentar löste einen Skandal im Netz aus.

DüsseldorfAm Anfang war es ein Desaster: Als die Tester der ersten „brandnooz“ Abo-Box im Mai 2012 ihre Urteile veröffentlichten, war der sogenannte „Milchreis-Skandal“ nicht mehr aufzuhalten. „Sieht aus wie Milchreis, schmeckt nach nichts“ lauteten einige der Kommentare. Andere nannten das Produkt von „reis-fit“: „muffig“, „pappig“ oder gar „abartig“.

Den Start ihrer Abo-Box hatten sich Daniele Fontaniello und Johannes Nielsen sicherlich anders vorgestellt. Die Box sollte ein Zusatzangebot von „brandnooz“ sein. Die 2009 gegründete „Word-of-Mouth“-Plattform dient dazu, Hersteller mit potenziellen Kunden zusammenzubringen, um Produkte testen zu lassen und sie mittels Empfehlungen bekannt zu machen. Bis dato war das umsonst. Die Box änderte das: Jetzt konnten Konsumenten dafür bezahlen, neue Produkte von ausgewählten Nahrungsmittelherstellern zu testen und zu bewerten.

Da kann Kritik manchmal genauso wertvoll sein wie Lob. Jonah Berger, Marketing-Professor an der Wharton School der University of Pennsylvania: „Auch ein negativer Effekt ist ein Effekt.“ So auch im Falle reis-fit: Der „Milchreis-Skandal“ führte dazu, dass das Unternehmen besonders schnell reagieren und den Reis recht kurz nach dessen Markteinführung verbessern konnte.

Auch für „brandnooz“ entstand kein Imageschaden. Ganz im Gegenteil: Das Unternehmen ist stetig gewachsen und hat inzwischen über 150.000 registrierte Nutzer. Auch die Zahl der zahlenden Box-Abonnenten ist nach eigenen Angaben von 3.200 auf 13.000 gestiegen. „brandnooz“ bietet mittlerweile verschiedene Themen-Boxen an. Kosten: Zwischen 13 und 20 Euro. Das zeigt eindrücklich: Der Markt für „Word-of-Mouth“-Marketing ist lukrativ.

Marketing-Experte Berger weiß: „Mundpropaganda ist zehnmal so wirkungsvoll wie Werbung. Wir trauen Werbung nicht, weil wir wissen, dass uns die Unternehmen etwas verkaufen wollen.“

Obwohl bisher nur sieben Prozent der Mundpropaganda in den sozialen Netzwerken stattfindet, haben sie die klassischen Rollen zwischen Hersteller und Kunde verändert. Plötzlich hat der Kunde eine Stimme: In Communities, Bewertungsportalen oder in Foren und Blogs diskutiert er öffentlich über Erlebnisse mit Produkten und Unternehmen.

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