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09.01.2013

15:45 Uhr

Brandschutz und Co.

Die lange Mängelliste des Berliner Flughafens

VonMartin Dowideit

Seit 2006 wird am Großprojekt Flughafen Berlin-Brandenburg gebaut. Die Liste der Mängel ist lang – und scheint immer weiter anzuschwellen, umso genauer die Öffentlichkeit hinschaut.

Rohre in der Technikzentrale der Entrauchungsanlage im Terminal des Flughafens Berlin-Brandenburg Willy Brandt (BER). dapd

Rohre in der Technikzentrale der Entrauchungsanlage im Terminal des Flughafens Berlin-Brandenburg Willy Brandt (BER).

DüsseldorfEs gibt an der Baustelle des Flughafens Berlin-Brandenburg nicht nur eine technische Tragödie. Eine Übersicht des Landesamts für Arbeitsschutz des Landes Brandenburgs liest sich grausam. Bereits vier Arbeiter haben ihren Einsatz für das im September 2006 begonnene Großprojekt mit dem Leben bezahlt. Einer geriet unter eine Walze, ein anderer wurde von einer herabstürzenden Baggerschaufel erschlagen, zwei Arbeiter stürzten in den Tod.

In der langen Mängelliste rund um den Flughafen wird daran nur selten erinnert. Zu überwältigend sind die Fehler bei der Planung, dem Bau und der Aufsicht, die mittlerweile zur Verschiebung des Eröffnungstermins um mehrere Jahre geführt haben. Die gesamte Ausschreibung des Terminal-Baus hatte zweimal stattfinden müssen, da es bei der ersten Runde kein preislich akzeptables Angebot gegen hatte.

Zahlen und Fakten zum Hauptstadtflughafen BER

Gesamtkosten

voraussichtlich 4,3 Milliarden Euro (2012)

Gesamtmehrbelastung

1,2 Milliarden Euro

Verschiebungsbedingte Baumehrkosten

67 Millionen Euro

Bisherige Baumehrkosten

276 Millionen Euro

Mindereinnahmen durch Verschiebung der Eröffnung

230 Millionen Euro

Risikovorsorge

322 Millionen Euro

Lärmschutz

305 Millionen Euro

Startkapazität des neuen Flughafens

27 Millionen Passagiere

Fläche

1.470 Hektar (etwa 2.000 Fußballfelder)

Finanzierung

Bislang sind 3,36 Milliarden Euro gesichert, davon rund 2,4 Milliarden Euro aus Krediten, 430 Millionen Euro vom Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg, 531 Millionen Euro aus Eigenmitteln der Betreiber.

Beim Bau sind dann teils simple Dinge schief gegangen oder nicht genug kontrolliert worden. Der mittlerweile abgelöste Gesamtprojektleiter Joachim Korkhaus berichtete Berliner Abgeordneten nach der Terminverschiebung im Mai: „Es gibt Treppenhäuser, da ist das Treppengeländer zu 90 Prozent verlegt und plötzlich fehlen fünf Meter.“ Es war der Überblick verloren gegangen, welche Restarbeiten an diversen Aufträgen aus welchen Gründen nicht abgearbeitet wurden.

Und immer wieder tauchen angesichts der immensen öffentlichen Aufmerksamkeit Gerüchte über weitere Pannen auf. Auf Sand seien die neuen Terminals gebaut, was zum Wegsacken der Gebäude führte. Auch der Terminal sei betroffen. Beides wurde von der Flughafengesellschaft dementiert. Von Überflutungen der Start- und Landebahnen war die Rede, was von der Flughafengesellschaft ebenfalls zurückgewiesen wurde. Es sei „zu keiner Zeit zu Überflutungen“ gekommen.

Die Starttermine für den Flughafen BER

30. Oktober 2011

Dieser Termin wird 16 Monate zuvor gekippt. Begründung: Neue Sicherheitsvorschriften und die Pleite zweier Planungsfirmen. Tatsächlich ist der Bau schon ein Jahr im Rückstand.

3. Juni 2012

Nur vier Wochen vorher wird der Start abgeblasen. Begründung: Die Brandschutzanlage funktioniere nicht. Tatsächlich ist in dem Neubau noch viel mehr nicht fertig.

17. März 2013

Dieses neue Datum wird nach neuerlicher Verschiebung im Mai 2012 genannt und einen Monat später schon wieder in Zweifel gezogen. Anfang September wird klar: Auch dieser Termin wird nicht zu halten sein.

27. Oktober 2013

Nach einer Analyse des neuen Technikchefs Horst Amann legt der Aufsichtsrat diesen Termin am 7. September als neuen Eröffnungstag fest.

Frühestens 2014

Anfang Januar 2013 wurde bekannt, dass auch der Termin im Herbst des Jahres nicht zu halten sein wird. Frühestens 2014 wird das Großprojekt nun seiner Bestimmung übergeben werden können.

Dann gibt es die wirklich dokumentierten großen Schnitzer. Sie betreffen vor allem die Entrauchungsanlage, die im Brandfall Qualm und giftige Dämpfe absaugen und nach außen transportieren soll. Kotthaus sagte im Mai vergangenen Jahres: „Immer mehr kamen die Firmen und haben festgestellt, dass das Gebaute unter der Decke oder das, was sie noch bauen sollten, auf dem Plan anders dargestellt war. Das heißt, es musste nachgearbeitet werden, und es kam zu Verzögerungen.“

Zeitweise wurde davon geredet, Aushilfen einzustellen, die nicht automatisch schließende Brandschutztüren schließen sollten, um eine rasche Betriebsaufnahme zu gewährleisten.

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