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29.01.2013

13:51 Uhr

Brandschutzabkommen

Kik und C&A sollen endlich handeln

Schon wieder sind bei einem Brand in einer Textilfabrik Menschen ums Leben gekommen. Nun fordert eine Organisation: Die Textilketten Kik und C&A sollen dem Brandschutzabkommen beitreten.

Kleiderständer des Textildiscounters Kik. dapd

Kleiderständer des Textildiscounters Kik.

BerlinNach dem erneuten Tod von Näherinnen in Bangladesch bei einem Brand in einer Textilfabrik hat die Kampagne für Saubere Kleidung den Textildiscounter KiK und die Modekette C&A zur Unterzeichnung des Brandschutzabkommens aufgefordert.

"Wie viele Menschen müssen noch sterben, bis endlich europäische Modemarken und Einkäufer handeln und für umfassende Sicherheit und Arbeitsschutz bei ihren Lieferanten Sorge tragen?", kritisierte Gisela Burckhardt von der Organisation. An der Brandstelle vom Samstag sei neben französischen und spanischen Mode-Labeln auch das von KiK gefunden worden.

Wege zum sauberen Textilimport

Direkteinkauf

Textilriesen kaufen Kleidung meist über Importeure. Die Dienstleister im Dunkeln knabbern zwar an den Margen – ihnen können sie aber bei Skandalen die Verantwortung aufladen. Wer das vermeiden will, muss die Lieferkette in Eigenregie kontrollieren.

Mehr Transparenz

Lieferanten in Ländern wie Bangladesch wickeln ihre Bestellungen oft über Partnerfirmen ab, die in bedeutend schlechterem Zustand sind als die Vorzeigefabriken. Wer seine Verantwortung ernst nimmt, muss in diese Subfabriken Kontrolleure schicken und Kunden deren Namen nennen können.

Lokale Präsenz

Echten Einblick in die Arbeitsbedingungen bekommen nur eigene Mitarbeiter der Modeunternehmen, die ständig vor Ort sind. Jedes Label sollte daher ein Team aus entsandten und lokalen Einkäufern, Beratern und Kontrolleuren im Lieferland aufbauen.

Beratung für Lieferanten

Der Glücksfall ist die Arbeit mit Lieferanten, die ihren Hauptkunden als Partner verstehen – und sich mit dessen Hilfe weiterentwickeln wollen. Das erfordert Vertrauen auf beiden Seiten und viel Zeit. Hilft ein Modekonzern seinen Lieferanten, die Produktivität zu verbessern, steigt auch dessen Bereitschaft zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Lobbying vor Ort

Labels wie H&M, C&A, Kik oder Tommy Hilfiger importieren solche Mengen aus Bangladesch, dass sie über gewaltigen Einfluss verfügen – theoretisch. Praktisch arbeitet jeder für sich, statt gemeinsam am runden Tisch mit der Regierung nach besseren Gesetzen zu verlangen. Auch politischer Druck ist rar, obwohl gerade Deutschland in Entwicklungsländern viel Respekt genießt.

Das Brandschutzabkommen sieht eine Verbesserung des Arbeitsschutzes vor und würde erstmals Gewerkschaften und Organisationen aus den Produzentenländern erlauben, Textilfabriken zu kontrollieren. Von europäischer Seite wurde es bislang nur von Tschibo unterzeichnet. Die Kampagne für Saubere Kleidung fordert seit Monaten, dass weitere Unternehmen dem Abkommen beitreten, damit es in Kraft treten kann.

Am Samstag waren bei einem Brand in einer Textilfabrik in einem Vorort von Dhaka sieben Arbeiterinnen ums Leben gekommen und 15 weitere verletzt worden. Das Feuer brach während der Mittagspause aus, weshalb sich die meisten Näherinnen gerade nicht im Gebäude aufhielten.

Bei einem verheerenden Fabrik-Brand Ende November waren 111 Menschen gestorben. Die Tazreen-Fabrik hatte Kleidung für westliche Firmen produziert, unter anderem für die Bekleidungskette C&A.

Von

afp

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