Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.04.2006

18:42 Uhr

Brasilien

Orangenkartell bedrängt Safthersteller

VonAlexander Busch und Ingo Reich

Orangensaft wird in Deutschland voraussichtlich bald teurer, weil ein Kartell aus vier brasilianischen Produzenten von Orangensaftkonzentrat seine deutschen Abnehmer massiv unter Druck setzt.

SAO PAULO | DÜSSELDORF. „Statt 1100 bis 1400 Euro pro Tonne Konzentrat, wie vertraglich abgemacht, verlangen die Brasilianer jetzt 1800 Euro und mehr“, berichtet Wilfried Mocken, Inhaber der Valensina GmbH. Andernfalls drohten die Konzentrathersteller damit, die Lieferungen einzustellen.

Die Vertragstreue der Geschäftspartner Cutrale, Citrosuki, Citro Vita und Coinbra, die die Mehrheit des Marktes mit Orangensaftkonzentraten kontrollieren, sei vor brasilianischen Gerichten kaum einzuklagen, berichtet Mocken. Andererseits stünden aber keine anderen Lieferländer als Alternative zur Verfügung. Deshalb müssten jetzt alle deutschen Safthersteller ihrerseits von ihren Handelspartnern einen Aufschlag von 16 Cent pro Liter Orangensaft verlangen, um nicht in naher Zukunft schon in ernste Schwierigkeiten zu geraten. Der Handel könne den Aufpreis den Verbrauchern berechnen, meinen die Produzenten.

„Es geht um unsere Existenz“, beschreibt auch Werner Gerdes, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der zur Riha-Gruppe gehörenden Wesergold Getränke GmbH, die sich für die deutschen Saftproduzenten dramatisch zuspitzende Situation. Denn eigentlich können deren deutsche Handelspartner auf Erfüllung der Verträge - und damit stabile Saftpreise - pochen. Doch hofft Valensina-Chef Mocken auf Verständnis beim deutschen Handel für diesen einzigartigen „Brasil-Zuschlag“, der schon ab Mai gezahlt werden soll, damit es weder zu Lieferengpässen noch zu ersten Insolvenzen in der deutschen Saftbranche mit ihren rund 400 überwiegend mittelständischen Unternehmen kommt.

Die Metro-Gruppe bestätigte als größtes deutsches Handelsunternehmen entsprechende Gespräche mit ihren Lieferanten, wollte aber gestern noch keinen Hinweis auf den möglichen Ausgang der Gespräche machen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×