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27.07.2014

15:49 Uhr

Braufactum-Braumeister Rauschmann

„Wir wollten unbedingt die ersten sein“

VonLukas Bay

Radeberger ist die größte deutsche Braugruppe - und die erste, die Craftbeer nach Deutschland gebracht hat. Brauer Marc Rauschmann erklärt, wie ein Bier am besten schmeckt und wo er seine Ideen findet.

Braufactum-Brauer Marc Rauschmann: „ Wenn etwas klein ist, ist es deshalb nicht automatisch gut.“

Braufactum-Brauer Marc Rauschmann: „Wenn etwas klein ist, ist es deshalb nicht automatisch gut.“

Über die „Hobbythek“ ist Marc Rauschmann zum Brauen gekommen. Seine Leidenschaft hat er zum Beruf gemacht. Mittlerweile ist er promovierter Braumeister und leitet die Geschicke der Internationalen Brau-Manufactur, einer Tochter des Radeberger-Konzerns.

Im Interview mit Handelsblatt Online spricht er über die Anfänge des Craftbeer-Trends in Deutschland, und die größten Schwierigkeiten beim Brauen von ausgefallenen Bieren.

Handelsblatt: Vor fünf Jahren haben Sie mit der Radeberger Gruppe als erster großer Brauer in Deutschland eigenes Craftbeer gebraut. Was machen Sie mit Braufactum anders?

Rauschmann: Wir haben uns auf allen Stufen angeschaut, was man sinnvollerweise anders machen kann, um Bierkultur in all ihren Facetten für den Konsumenten zugänglich zu machen. Wir wollten etwas Neues reinbringen, überraschen, durchaus auch mal etwas Verrücktes probieren.

Beispielsweise haben wir eine Sorte, bei der  wir den Hopfen am Tag der Ernte einsetzen. Wir lagern einige Biere in Holzfässern. Unsere Gläser sind besonders. Und alleine unsere Kühlkette findet man derzeit bei keinem anderen Brauer in Deutschland.

Gerade im Craftbeer-Markt gibt es eine unwahrscheinliche Vielfalt an Bieren. Wie grenzt man sich da ab? Woher holen Sie ihre Inspirationen?

Wir sind zunächst einfach mal in die Länder gefahren, in denen gutes Craftbeer produziert wird – USA, Belgien, Italien. Da haben wir uns sehr viel Inspiration geholt. Wir waren damals sehr überrascht, dass trotz der mittlerweile globalisierten Welt niemand in Deutschland auf die Idee gekommen war, beispielsweise mal ein India Pale Ale (IPA) zu brauen. Als wir angefangen haben, gab es nur ein paar Importeure. Wir wollten darum unbedingt die ersten sein, die so etwas in Deutschland anbieten.

Die größten Craftbeer-Brauer in den USA

Platz 10

Stone Brewing Company (Escondido, Kalifornien)

Nein, wirklich freundlich haben die Kalifornier ihre Biere nicht getauft. Sorten wie „Stone Arrogant Bastard Ale“ und „Stone Lucky Bastard“ werden unter einem Teufelslogo verkauft. Doch das böse Image schadet den Verkäufen nicht. Besonders das Stone Pale Ale macht die Brauerei zur größten in Südkalifornien.

Platz 9

Brooklyn Brewery (Brooklyn, New York)

In Deutschland werden die Biere der New Yorker ebenfalls in den Kühlschränken von Braufactum verkauft. In den USA hat sie bereits ihren Siegeszug hinter sich. Seit ihrer Gründung im Jahr 1996 sind ausgefallene Sorten wie ein Black Chocolate Stout oder ein Kürbisbier entstanden.

Platz 8

Duvel Moortgat (Kansas City, Missouri/Cooperstown, New York)

Eigentlich gehören die Belgier mit ihren Trappisten-Bieren zu den ganz alten Brauereien Europas. Dass sie auch in der vergleichsweise jungen US-Craftbeer-Szene mitmischen, haben sie einer Übernahme aus dem Jahr 2013 zu verdanken. Damals übernahmen Sie die Mehrheit an der Boulevard Brewing Company aus Kansas City.

Platz 7

Bell's Brewery (Galesburg, Michigan)

Einst rührte Unternehmensgründer Larry Bell sein Bier noch persönlich in Suppenkesseln an und deckte diese mit Plastikfolie zum Fermentieren ab. Mittlerweile ist seine Brauerei einer der größten des Landes. Eine der vielen Erfolgsgeschichte der Craftbeer-Branche.

Platz 6

Deschutes Brewery (Bend, Oregon)

Als Gary Fish im Jahr 1988 seine kleinen Braukneipe „Deschutes River“ in Bend eröffnete, hätte er sich wohl selbst nicht träumen lassen, dass daraus die zwölfgrößte Brauerei in den USA werden könnte. Zum Portfolio gehören besondere India Pale Ales wie das Chainbreaker White oder das Twilight Summer Ale.

Platz 5

Lagunitas Brewing (Petaluma, Kalifornien)

Die Flaschenbeschriftungen der Kalifornier sind so ausschweifend, dass sie mittlerweile schon zur Legende geworden sind. Der Name kommt vom Gründungsort Lagunitas. Doch weil seine Brauerei seit 1993 so massiv gewachsen ist, musste sie nach Petaluma umziehen.

Platz 4

Gambrinus (San Antonio, Texas)

Benannt ist die texanische Craftbeer-Riese nach dem niederländischen König, der angeblich das Bier erfunden haben soll. Anfangs verdiente Gründer Carlos Alvarez sein Geld aber vor allem mit dem Import mexikanischer Biere wie Corona. Mittlerweile verkaufen sich auch die eigenen Sorten blendend.

Platz 3

New Belgium Brewing (Fort Collins, Colorado)

Die Gründungsgeschichte der Brauerei New Belgium ist legendär. Gründer Jeff Lebesch soll persönlich durch Belgien gereist sein, um das perfekte Rezept für sein eigenes Bier zu finden. Daher rührt auch der heutige Name des Bestsellers „Fat Tire“. Seit 1991 ist er nun im Geschäft und heute der achtgrößte Brauer in den USA.

Platz 2

Sierra Nevada Brewing Company (Chico, Kalifornien)

Neben dem Pale Ale, das sich am besten verkauft, brauen die Kalifornier tatsächlich auch ein traditionelles, bayrisches Hefeweizen. Gegründet wurde durch Ken Grossman and Paul Camusi, die ihr Bier anfangs noch Zu Hause für den privaten Gebrauch brauten.

Platz 1

Boston Beer Company (Boston, Massachusetts)

Unglaublich, aber wahr: Seit der Übernahme von Anheuser-Busch durch Inbev ist die Boston Beer Company der größte Bierbrauer mit amerikanischen Besitzern. Die Marke Samuel Adams wird weltweit besser verkauft als jedes andere Craft Beer. Der Name stammt von einem Anführer der Boston Tea Party. Ihren Hopfen kaufen die Amerikaner auch in Deutschland ein. Von August bis Oktober brauen sie traditionell ein Bier namens „Octoberfest“.

Mittlerweile hat der Craftbeer-Trend auch Deutschland erfasst. Kommt Ihnen das entgegen?

Das ist in Deutschland eine Entwicklung der letzten zwei Jahre. Wenn heute jemand ein IPA auf den Markt bringt, dann gibt es schon Kunden, die das kennen. Als wir vor fünf Jahren anfingen, kannte noch keiner Craft Bier oder einen Stil wie das IPA.

Damit ist es erst einmal einfacher, im Markt wahrgenommen zu werden, aber natürlich auch schwieriger, da man zunächst alleine diese Kategorie aufbauen muss. Insgesamt ist diese neue Vielfalt gut für die ganze Branche. Da wollen wir treibende Kraft bleiben.

Mit Braufactum sind Sie Teil des Radeberger-Konzerns. Schränkt die Größe Ihres Mutterkonzerns Ihre Kreativität irgendwie ein?

Im Gegenteil: Wir sind zwar groß, aber kein Konzern sondern ein Familienunternehmen. Es ist ja unser großer Vorteil als Start up zu agieren,  weit weg von Konzernstrukturen zu sein. Die Internationale Brau-Manufacturen GmbH, mit der wir alle Biere brauen, die unter dem Namen Braufactum verkauft werden, ist eine völlig eigenständige Gesellschaft. Wir sind autark im Markt unterwegs.

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