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04.01.2008

10:35 Uhr

Briefkunden abgeworben

Ex-Monopolist profitiert von Pin-Group-Krise

VonAxel Granzow

ExklusivTrotz erster Sanierungsschritte wechseln immer mehr Kunden des schwer angeschlagenen Briefdienstes Pin Group der Zeitungsverleger zur Deutschen Post. In den letzten zwei bis drei Monaten sind offenbar mehr als 50 Kunden zum Ex-Monopolisten zurück gekommen – und bescheren ihm nun zusätzliche Millionenumsätze.

Pin-Group-Sanierer Horst Piepenburg kämpft für die Rettung des Unternehmens als bundesweiten Zusteller. Foto: rtr

Pin-Group-Sanierer Horst Piepenburg kämpft für die Rettung des Unternehmens als bundesweiten Zusteller. Foto: rtr

DÜSSELDORF. In den vergangenen zwei bis drei Monaten seien über 50 Kunden von den Konkurrenten zur Post zurückgekommen, bestätigte ein Post-Sprecher dem Handelsblatt. Darunter seien hauptsächlich ehemalige Kunden der Pin Group, aber auch solche des zweiten großen Konkurrenten, der niederländischen TNT. Der Post-Sprecher widersprach damit Aussagen von Pin-Group-Sanierer Horst Piepenburg, der die Behauptung der Post "auch nach intensiver Prüfung" nicht nachvollziehen kann.

Die Pin Group war durch die Einführung des Mindestlohns für Briefträger und Managementprobleme in die Krise geraten, da Hauptaktionär Axel Springer Verlag der Pin Group den Geldhahn zugedreht hatte. Die Zusatzkosten durch den Mindestlohn ließen Pin auf Dauer keine Chance, dem früheren Monopolisten erfolgreich Konkurrenz zu machen, hatte Springer den Schritt erklärt.

Der Post-Sprecher begründete den Wechsel der Kunden vor allem aber mit „Qualitätsproblemen" der Konkurrenten. Die Post werde dadurch einen zusätzlichen Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe erzielen und mehrere Millionen zusätzlicher Sendungen am Tag abfertigen. Bei den zurückgekehrten Kunden handele es sich sowohl um Unternehmen, aber auch um öffentliche Auftraggeber wie Gerichte und Landratsämter aus dem Münchener Raum.

Piepenburg kämpft indessen weiterhin für die Rettung der Pin Group als bundesweites Zustellunternehmen. Er kündigte für die nächsten Tage eine Vertriebsoffensive an: Denn jetzt entscheide sich, ob es in Deutschland einen echten Wettbewerb im Postdienst mit fairen Preisen geben werde. „Sie können im Interesse aller Zustellkunden einen Beitrag dazu leisten, dass nicht der Monopolist allein die Konditionen bestimmen wird, sondern eine bundesweite Flächendeckung im freien Leistungs- und Preiswettbewerb als Alternative zur gelben Post bestehen bleiben kann", appellierte er in einem Schreiben an die Kunden der Pin. Am 1. Januar ist das Briefmonopol in Deutschland weggefallen. Mit mehr als 9 000 Mitarbeitern in 91 konsolidierten Gesellschaften, einem täglichen Volumen von 3,2 Millionen Sendungen (Post: 70 Millionen) und einem Umsatz in 2006 von 168,3 Mill. Euro gilt Pin als größter privater Briefdienstleister nach der Post.

Inzwischen haben aber zehn Gesellschaften der Pin Group Insolvenz wegen Zahlungsunfähigkeit angemeldet, sieben vor Weihnachten und drei (in Saarbrücken, Münster und Emsdetten) zwischen den Feiertagen. Betroffen sind 1 190 Mitarbeiter. Bis Mitte Januar sollen alle 81 weiteren Töchter tiefer durchleuchtet werden, sagte ein Pin-Sprecher. Ziel sei es, die Gruppe zusammenzuhalten.

In der Branche werden weitere Insolvenzen von Pin-Töchtern nicht ausgeschlossen. Piepenburg werde die Unternehmen eher rechtzeitig in Insolvenz schicken als zu spät, hieß es. Als falsch wies aber Hans Jürgen Barth, einer der Geschäftsführer der Direktexpress aus Ulm, Gerüchte über Probleme der Gruppe mit 13 Firmen zurück. „Direktexpress schreibe schwarze Zahlen und erwarte 2008 eine Umsatzsteigerung", sagte Barth dem Handelsblatt. Er räumte aber ein, gerade einen Großkunden an die Post verloren zu haben. Dies sei aber durch neue Kunden kompensiert worden. Pin Group ist mit einem Anteil von 51 Prozent Mehrheitsgesellschafter der Direktexpress Holding. Das Unternehmen ist Spezialist für Postzustellungsaufträge und Wertsendungen, sammelt daneben aber auch „normale" Briefe ein. Beschäftigt werden 1 800 Zusteller.

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