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02.10.2017

10:58 Uhr

Britische Fluggesellschaft Monarch

Dritte Airline in der Insolvenz

VonJens Koenen

Mit Monarch muss die dritte europäische Airline in diesem Jahr aufgeben. Der jahrelange Preiswettbewerb stellt die britische Fluggesellschaft vor existenzielle Probleme. 110.000 Passagiere sitzen nun im Ausland fest.

Größte Rückhol-Aktion

Plötzliches Monarch-Aus: 110.000 Passagiere im Ausland gestrandet

Größte Rückhol-Aktion : Plötzliches Monarch-Aus: 110.000 Passagiere im Ausland gestrandet

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Frankfurt/LondonDie Aufforderung ist glasklar. „Wenn Sie planen, heute oder in Zukunft mit Monarch von einem britischen Flughafen zu starten, gehen Sie nicht zum Flughafen, denn Ihr Flug wird nicht stattfinden“, heißt es auf der Website der Fluggesellschaft. Erneut muss eine europäische Airline aufgeben. Nach Alitalia und Air Berlin ist die britische Billig- und Ferienfluggesellschaft Monarch am Ende. Am Montagmorgen meldete das Management Insolvenz an.

Zwar ist die Fluggesellschaft eher klein, betreibt 34 Flugzeuge, mit denen es zu europäischen Zielen geht. Damit ist das Unternehmen die fünftgrößte Airline des Landes. Doch die Pleite hat deutlich größere Auswirkungen als die von Air Berlin. Denn da kein Überbrückungskredit etwa von der britischen Regierung gestellt wird, hat die britische Flugaufsicht CAA den Flugbetrieb anders als im Fall Air Berlin umgehend unterbunden. Über 110.000 Passagiere sitzen deshalb nun im europäischen Ausland fest.

Die britische Regierung hat die CAA gebeten, die Rückholung der gestrandeten Kunden zu organisieren. Hilfe hat bereits Qatar Airways aus Doha am Persischen Golf angeboten. Die Airline ist mit 20 Prozent an der britisch-spanischen IAG beteiligt, zu der auch British Airways (BA) gehört. Zwei an die BA verleaste A320 sowie acht weitere, die in Doha stehen, will Qatar zur „Bergung“ der Passagiere zur Verfügung stellen.

Wirklich überraschend ist das Aus nicht. Vor fast genau einem Jahr hatte Monarch schon einmal vor der Pleite gestanden. Nur eine Finanzspritze von umgerechnet gut 190 Millionen Euro durch den Eigentümer Greybull Capital verhinderte, dass die Aufsicht CAA den Daumen senkte. Greybull war 2014 bei der 1968 zunächst als Charterfluggesellschaft gegründeten Airline eingestiegen. Zwischenzeitlich gab es angeblich Gespräche mit der britischen Billigfluggesellschaft Easyjet über einen Einstieg. Beide Airlines sitzen in London-Luton. Doch aus dem Einstieg wurde dann nichts.

In den zurückliegenden Wochen waren dann etwa über den Kommunikationsdienst Twitter erneut Gerüchte bezüglich einer finanziellen Schieflage aufgetaucht. Befeuert wurden sie noch durch Michael O’Leary, den Chef der irischen Billigairline Ryanair. Er hatte vor wenigen Wochen öffentlich gesagt, dass weder Monarch noch der norwegische Billiganbieter Norwegian dieses Jahr überstehen würden.

Daraufhin sah sich das Management von Monarch dazu genötigt gegenzusteuern. Man fliege nach Plan, erklärte die Monarch-Spitze noch Ende September. Trotz der Folgen des Brexits, der ständigen Terrorgefahr und des schwachen Kurses des britischen Pfunds werde man im laufenden Geschäftsjahr einen Gewinn von etwa 40 Millionen Pfund erwirtschaften.
Doch so ganz entsprach das wohl nicht der Wahrheit.

Kommentare (1)

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Herr Max Nolte

02.10.2017, 11:27 Uhr


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