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10.01.2014

17:08 Uhr

Buchhandel

Hugendubel nennt Weltbild-Pleite „überraschend“

VonChristian Wermke

ExklusivNina Hugendubel erwartet für ihre Buchkette keinen direkten Effekt aus der Pleite des Partners Weltbild. Hugendubel sei aber im Gespräch mit Banken. Verdi schimpft auf den Weltbild-Eigner, die katholische Kirche.

Nina Hugendubel, Gesellschafterin der Buchhandelskette in Familienbesitz: „Uns trifft die Nachricht nicht unvorbereitet.“ Thomas Einberger für Handelsblatt

Nina Hugendubel, Gesellschafterin der Buchhandelskette in Familienbesitz: „Uns trifft die Nachricht nicht unvorbereitet.“

DüsseldorfDer Buchhändler Hugendubel ist von der Pleite seines langjährigen Partners Weltbild überrascht worden. „Die Insolvenz der Verlagsgruppe Weltbild, mit der uns eine jahrzehntelange, erfolgreiche und konstruktive Zusammenarbeit verbindet, nehmen wir mit Bedauern zur Kenntnis“, sagten die geschäftsführenden Gesellschafter Nina und Maximilian Hugendubel am Freitag gegenüber Handelsblatt Online.

Weltbild und der Partner Hugendubel bilden eine gemeinsame Finanzholding, an der sie jeweils mit 50 Prozent beteiligt sind. Deutschlands zweitgrößter Buchhändler, der Weltbild-Verlag, musste am Freitag Insolvenz anmelden.

Die Pleite, die zunächst von Handelsblatt Online gemeldet worden war, kam für Hugendubel so überraschend, da das Fortbestehen von Weltbild „bis zuletzt gesichert schien“. Doch die Vertreter der katholischen Kirche, der Weltbild gehört, hatten sich in der Nacht auf Freitag nicht auf eine weitere Finanzierung des defizitären Unternehmens verständigen können.

Die größten deutschen Buchhändler

Deutscher Buchhandel

Der Online-Händler Amazon hat den Buchhandel auch in Deutschland durcheinandergewirbelt und unter Druck gesetzt. Laut Bundesverband der Versandbuchhändler hat Amazon etwa 1,6 Milliarden Euro Umsatz mit Büchern gemacht und damit drei Viertel Anteil am Online-Geschäft.
Insgesamt setzte der Buchhandel 9,6 Milliarden Euro (allen Zahlen für 2012) um, davon die Hälfte im stationären Handel.

Platz 6

Schweitzer Fachinformationen
28 Filialen
Die Angaben beziehen sich auf reine Buchhändler. Fachabteilungen von Kaufhäusern sind nicht gezählt. Quelle: Buchreport

Platz 5

Oslander
28 Filialen

Platz 4

Mayersche Buchhandlung
46 Filialen

Platz 3

Valora Retail (Bahnhofsbuchhandlungen)
178 Filialen

Platz 2

Thalia
293 Filialen

Platz 1

DBH (Weltbild, Hugendubel, u.a.)

420 Filialen

Die aktuelle Entwicklung sei nicht vorhersehbar gewesen, so die Geschwister Hugendubel: „Dennoch trifft uns die Nachricht nicht unvorbereitet.“ Hugendubel sei bereits in intensiven Gesprächen mit Geschäfts- und Finanzierungspartnern. Auf den Geschäftsbetrieb von Hugendubel habe die Insolvenz des Partners keine unmittelbaren Auswirkungen. „Wir sind mit unserer Geschäftsentwicklung – insbesondere mit dem abgelaufenen Weihnachtsgeschäft – sehr zufrieden und liegen im aktuellen Geschäftsjahr über Plan“, sagten sie.

„Widerlicher geht es eigentlich nicht“

Für den Weltbild-Verlag arbeiten rund 6.300 Mitarbeiter, unter anderem in 300 Filialen. Die Gewerkschaft Verdi hat den Weltbild-Insolvenzantrag als Tragödie bezeichnet und die Kirche scharf angegriffen. Der Verlag gehört unter anderem zwölf Bistümern. „Jahrelang fette Gewinne abschöpfen und sich so die Prunkbauten mitfinanzieren lassen und dann, wenn die Belegschaft Hilfe braucht, zugesagte Gelder wieder streichen. Widerlicher geht es eigentlich nicht“, sagte der zuständige Verdi-Sekretär in Augsburg, Thomas Gürlebeck. Die Kirche praktiziere Kapitalismus in Reinkultur. Verdi werde sich diese Politik nicht bieten lassen. Der Generalvikar des Erzbistums München, Peter Beer, ist zugleich Aufsichtsratschef bei Weltbild.

Zweitgrößter Buchhändler: Kirchen läuten Weltbilds letzte Stunde ein

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Die katholische Kirche weigert sich, weiter Geld in die Rettung ihres Buchhändlers Weltbild zu stecken. Nun muss der Buchhändler in die Insolvenz. 6300 Mitarbeiter sind betroffen.

„Wir werden es nicht zulassen, dass die Bischöfe sich so aus der Verantwortung stehlen“, sagte Gürlebeck. Betriebsratschef Peter Fitz sagte: „Unser Unternehmen ist zukunftsfähig, davon waren wir immer überzeugt und sind es immer noch“. Gemeinsam mit der Gewerkschaft werde man um die Arbeitsplätze im Unternehmen kämpfen.

Kommentare (6)

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Stefan

10.01.2014, 17:23 Uhr

ich finde Verdi widerlich. Nur noch bei Amazon kaufen, sich aber über die daraus resultierenden Schäden hinwegsetzen.
Verdi hat jahrelang die eigenen MA schlecht behandelt und kauft Bücher bei Amazon!
Es ist richtig, dass die Kirche keine Kirchensteuergelder rausschmeißt.

elmo

10.01.2014, 17:25 Uhr

Ist doch kein Wunder dass Weltbild pleite geht.
Wer in der Computerdatenbank der Filialen nicht einmal die eigenen Veröffentlichungen findet und stattdessen an die Konkurrenz verweist ist selber schuld.

Aufklaerix

10.01.2014, 19:05 Uhr

..die seit 2007 sinnlose Vergrößerung, in Kombination des
Vollstopfens der Sortimente mit Austauschbaren "Müll" koennen Andere nun wirklich besser. Augsburg wird sicher
günstig an Amazon verkauft, ein weitere interessanter Logistikstandort für J.Bezos. P.S Verdi hat noch nie einen einzelnen Arbeitsplatz geschaffen

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