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02.01.2004

09:05 Uhr

Bundesamt für Güterverkehr beklagt mangelnde Harmonisierung in der EU – Standorte im Osten werden attraktiver

Deutsche Spediteure massiv benachteiligt

Die deutschen Transportunternehmen im Straßengüterverkehr stehen 2004 angesichts der EU-Osterweiterung und des Debakels um die Einführung der LKW-Maut vor der größten wirtschaftlichen Herausforderung seit der Liberalisierung des Güterverkehrsmarktes in den 90er-Jahren. So lautet das Fazit des neuesten Marktberichts des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) aus Köln.

agr DÜSSELDORF. Die Behörde beklagt eine wachsende Benachteiligung deutscher Spediteure gegenüber der ausländischen Billigkonkurrenz. So habe das Hin und Her um die LKW-Maut die Kosten- und Preiskalkulation der Unternehmen beträchtlich erschwert. Zusammen mit der ausgebliebenen Harmonisierung im Bereich des Straßengüterverkehrs in der EU sei dies für die „von hoher Unsicherheit und existenziellen Ängsten“ geprägte Lage der deutschen Spediteure verantwortlich, moniert das BAG. Branchenkenner werten den Bericht daher als heftige Schelte an der Verkehrspolitik. Dabei ist das BAG als dem Bundesverkehrsministerium unterstellte Behörde zur Neutralität verpflichtet.

Viele Transportunternehmen befänden sich in einer kritischen Situation, stellt das BAG fest. Dies sei vor allem auf den stetig wachsenden Wettbewerbs- und Preisdruck durch in- und ausländische Wettbewerber zurückzuführen. Die Mehrzahl der Unternehmen habe im ersten Halbjahr 2003 keine Preiserhöhungen als Ausgleich für Kostensteigerungen durchsetzen können.

In fast allen Fällen seien die Unternehmen von ihren Auftraggebern auf die bevorstehenden Preisverhandlungen kurz vor Einführung der Maut vertröstet worden. Bei den bisher ausgehandelten Vereinbarungen zur Übernahme der Maut beobachtete das BAG, dass zwar die Mautkosten für die Beförderungsaufträge übernommen werden, aber nicht für die damit verbundenen Leerkilometer. Auftraggeber aus dem Lebensmitteleinzelhandel und der Bauwirtschaft seien noch nicht einmal bereit, die vollen Mautkosten der Lastkilometer zu erstatten.

Dabei drohen die deutschen Unternehmen besonders in Wachstumsmärkten ins Hintertreffen zu geraten. So wachse die Verkehrsleistung im Fernbereich deutlich schneller als im Nahbereich, stellt das BAG fest. Der Markt mit den höchsten Wachstumsraten sei der grenzüberschreitende Verkehr. Davon profitierten aber vor allem ausländische Unternehmen. So liegt der deutsche Anteil am Straßengüterverkehr mit den EU-Beitrittskandidaten bei nur 11 %. Zum 1. Mai 2004 wird die EU auf 25 Länder erweitert. Zu den Beitrittsländern gehören unter anderem Polen, Tschechien und Ungarn.

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