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22.07.2013

16:06 Uhr

Bundesliga im TV

Kneipenwirte wettern gegen Sky

VonPatrick Schultz

Zum Bundesliga-Auftakt drohen in den Kneipen schwarze Bildschirme: Die Abogebühren für den Bezahlsender Sky steigen für manche Wirte auf mehr als das Doppelte. Die Wirte suchen Alternativen – in Griechenland.

Sky-Kameramann: Die Gebühren für Fernsehkneipen schnellen in die Höhe. dpa

Sky-Kameramann: Die Gebühren für Fernsehkneipen schnellen in die Höhe.

DüsseldorfDas Eröffnungs-Match gibt es gratis bei der ARD, danach gilt: Live-Bilder der Fußball-Bundesliga zeigt nur der Bezahlsender Sky. Das Sky-Abo wird für viele Gastwirte mit der neuen Saison allerdings deutlich teurer. Richtete sich der Preis früher nur nach der Größe der Kneipe, fließen jetzt auch Faktoren wie die lokale Kaufkraft und die „Sportaffinität der Bevölkerung“ in die Berechnung des Abo-Preises ein. Auf Facebook und in Lokalzeitungen klagen Gastronomen über Preissteigerungen im zweistelligen Prozentbereich.

Bernd Rodewald etwa hat sein Sky-Abo gekündigt: Der Kneipier aus Hannover soll ab August 463 Euro im Monat zahlen. Bislang schlug das Sky-Abo mit 223 Euro zu Buche. Der Preis hat sich also mehr als verdoppelt und sei damit für Rodewald „nicht zu wuppen“, wie er sagt. Er berichtet von 40 anderen Betreibern, die allein in Hannover ihr Sky-Abo gekündigt haben. „Völlig link“, sei das Geschäftsgebaren des Münchener Pay-TV-Anbieters, so Rodewald. Die Nachricht zur Preiserhöhung sei im bunten Werbeumschlag gekommen. Warum sein Abo auf einmal doppelt so viel kosten sollte wie vorher, war ihm nicht klar. „Die machen das nach dem Motto: Friss oder stirb“, sagt Rodewald.

Sky Deutschland

Lange Geschichte

Sky Deutschland hat einen vergleichsweise jungen Namen, dafür aber bereits eine lange Geschichte. Seit dem Start des einstigen Senders Premiere 1991 hat der von Medienmogul Leo Kirch aus der Taufe gehobene Kanal fast nur rote Zahlen geschrieben. Diese Verluste waren ein Grund für den Zusammenbruch der Kirch Gruppe 2002, den Premiere nur knapp überlebte.

Murdoch wieder dabei

Nach einem früheren Engagement stieg 2008 erneut der Medienmilliardär Rupert Murdoch ein. Der Name wurde in Sky Deutschland geändert, die Mannschaft neu aufgestellt. Seit 2010 führt Brian Sullivan das Unternehmen.

Rote Zahlen

Sky und dem Vorgänger Premiere gelang fast nie, schwarze Zahlen zu schreiben. 2013 soll der Konzern zumindest vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen Geld verdienen. Was für den Erfolg spricht: Die Firma kann die Abonnentenzahlen steigern.

Schwieriger Markt

Pay-TV hat sich in Deutschland deutlich schlechter entwickelt als anderswo – nicht zuletzt wegen des umfangreichen Gratisangebotes im Fernsehen. Immerhin verzeichnet die Branche seit 2010 deutliche Zuwächse. 2012 machte sie nach Angaben des Privatfernsehen-Verbandes VPRT 1,8 Milliarden Euro Umsatz in Deutschland, die Zahl der Abonnenten stieg auf 6,1 Millionen.

Immer mehr Sender

Das Wachstum der Branche hat auch mit dem großen Angebot zu tun. 89 Bezahlprogramme gibt es nach Zahlen des VPRT inzwischen, 57 Kanäle strahlen Bilder in HD-Auflösung aus.

Kronschatz Fußball

Die Übertragungsrechte der Fußballbundesliga sind so etwas wie der Kronschatz von Sky Deutschland. Für den Bezahlsender ist Fußball ein wichtiges Verkaufsargument – und dafür ist der seit Jahren in den roten Zahlen steckende Konzern auch bereit, tief in die Tasche zu greifen. 2012 sicherte sich Sender-Chef Brian Sullivan bis 2017 die Rechte für knapp 2 Milliarden Euro.

Handball-WM

Sky zeigt die wichtigsten der 88-WM-Spiele verschlüsselt für seine knapp vier Millionen Kunden, darunter die deutschen Partien. Es ist das erste Mal, dass in Deutschland Handball-Spiele solcher Bedeutung ausschließlich im Bezahlfernsehen übertragen werden.

Handball-Zuschauer

Den Einzug der deutschen Handballer in Viertelfinale schauten 370.000 Zuschauer. Das sei „ein sehr, sehr guter Wert für einen Nachmittag“, sagte Sky-Sprecher Dirk Grosse.

Die Vorgehensweise von Sky sei nicht „nicht akzeptabel“, findet man auch beim Gaststättenverband Dehoga. „Da spielt ein Monopolist seine Marktmacht aus“, urteilt Dehoga-Geschäftsführer Stephan Büttner. Sein Verband prüfe rechtliche Schritte gegen Sky: „Da wird in ein laufendes Vertragsverhältnis eingegriffen“, Preiserhöhungen von bis zu 150 Prozent seien nicht vertretbar.

Noch vor dem Bundesliga-Start will Gastro-Vertreter Büttner sich mit der Sky-Geschäftsführung zum Krisengipfel treffen. Er fordert vom Pay-TV-Anbieter vor allem Transparenz: Sky müsse darlegen, wie viele Abokunden von Preiserhöhungen betroffen sind. Die Wirte müssten erkennen, wie der neue Preis berechnet würde. Denn der Abopreis wird mit Hilfe eines neuen Rechenmodells aus dem Hause Sky für jede Gaststätte einzeln berechnet: Richtete sich die Abo-Rechnung bislang nur nach der Fläche, fließen nun auch Faktoren wie Kaufkraft, Besiedlungsdichte und „Sportaffinität“ der Kneipen-Nachbarschaft ein. Der Gaststättenverband hat einen Musterrechner eingerichtet: „Lohnt sich Sky noch?

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

22.07.2013, 16:10 Uhr

Es wird niemand gezwungen sich den Mist anzuschauen.

Mein Tipp: Einfach mal zu kleineren regionalen Clubs gehen. Die können das Geld gebrauchen und die Stimmung ist super.

Account gelöscht!

22.07.2013, 16:29 Uhr

Interessante Berechnungsfaktoren zur Ermittlung der Abo-Gebühr. Bitte nicht den Nichtrauchermist vergessen, der dazu geführt hat, dass vielen Wirten die Stammkundschaft fehlt. Also noch weniger Einnahmen für den Wirt um lfde Kosten zu begleichen. Sky soll sich nicht wundern, wenn dieser Schuss zum Rohrkrepierer wird.
Im übrigen schließe ich mich der Meinung von Ottocuntz an. Regionale Spiele versprechen ebenso viel Spaß. Ein Bierchen dazu, und rauchen darf man, was das Zeug hält. Spaßfaktor garantiert.

Skyfall

22.07.2013, 17:13 Uhr

Wenn der Fußball nun komplett privatisiert wird, sollte auch aus den Steuertöpfen nichts mehr in die Infrastruktur oder die Polizeiaufgebote fließen. Soll Sky, die Fans und die Vereine diese Kosten doch für dieses Privatvergnügen selber zahlen. Solch verdeckte Subventionierung von Privatunternehmen durch den Steuerzahler gehört abgeschafft, Internalisierung der Kosten ist angesagt.
Wie in Bayreuth, wo mit Steuergeldern die Festspielkarten für Superreiche und Prominenz finanziert werden, werden hier marktwirtschaftliche Prinzipien ad absurdum geführt.

Wenn die kulturelle Landschaft in Deutschland vom Staat gewünscht und gefördert wird, hat er auch die Teilhabe in angemessenem Rahmen einzufordern. Kulturelle Events, die immer mehr nur noch einer Elite oder gewissen Gehaltsklasse zugänglich sind, sollten sich dann auch durch diese Klientel selber tragen!

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