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06.09.2013

10:28 Uhr

Burger King

Betriebsrat als Beilage

VonTobias Döring

Bei Burger King haben es Arbeitnehmervertreter derzeit nicht leicht. Jedenfalls wenn sie in einer von rund 90 Filialen arbeiten, die im Mai den Besitzer wechselten. Es hagelt Klagen, die Gewerkschaft NGG ist aufgebracht.

Riesen-Krone auf einer Burger-King-Filiale in Köln: „Wenn wir wollen, finden wir immer einen Fehler!“ dpa

Riesen-Krone auf einer Burger-King-Filiale in Köln: „Wenn wir wollen, finden wir immer einen Fehler!“

Düsseldorf/BochumMit dem Werbeslogan „Geschmack ist King“ geht Burger King in Deutschland auf Kundenjagd. Doch in mehr als 90 deutschen Filialen scheint es nur einen „King“ zu geben: Ergün Yildiz, der die Burger King GmbH im Mai übernommen hat und seitdem sprichwörtlich die Krone auf hat. Bis dahin betrieb der amerikanische Burger-Bräter die bisher offenbar defizitären Filialen in Eigenregie.

Mit dem Verkauf wechselten auch die letzten konzerneigenen Läden in Deutschland an einen Franchise-Nehmer. Eine Strategie, die Unternehmenschef Daniel Schwartz Burger King auferlegt hat, um die Rendite zu steigern. Im zweiten Quartal sind die Erfolge der Neuaufstellung bereits sichtbar: Der Gewinn stieg um 30 Prozent auf 63 Millionen Dollar – was den Besitzer freut, den Finanzinvestor 3G Capital. Die Leidtragenden sind die Mitarbeiter.

Viele fühlen sich seit dem Verkauf wie die Rindfleischscheiben im Burger: Frisch gegrillt und eingequetscht zwischen Brötchenhälften und Käse. Den rund 3000 Beschäftigten der Burger King GmbH wird seit Mai einiges zugemutet, berichten Betroffene und die Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG).

Die zehn größten Gastronomiebetriebe Deutschlands

Platz 10

Aral

Die Tankstellenkette erzielte laut Deutschem Fachverlag im Jahr 2012 einen Umsatz von 175,8 Millionen Euro mit seinen „Petit Bistro“-Verkaufsstellen in 1084 Tankstellen. Damit gab es Stagnation im Vergleich zum Vorjahr.

Platz 9

Ikea

Vom Skandal um Pferdefleisch in den beliebten Hackfleischbällchen „Köttbullar“ war im vergangenen Jahr noch nicht die Rede. Die Restaurants in den 46 Ikea-Möbelhäusern konnten 1012 einen Umsatz von 179 Millionen Euro verbuchen, ein Plus von etwa 2,5 Prozent.

Platz 8

SSP Deutschland

Der Betreiber von Restaurants und Geschäften in Bahnhöfen und Flughäfen musste einen leichten Umsatzrückgang um drei Millionen auf 182 Millionen Euro verkraften.

Platz 7

Subway

Die Zahl der Filialen der Sandwich-Kette ging zwar leicht um 12 auf 600 zurück im Jahr 2012. Doch der Umsatz konnte geschätzt um zehn auf 185 Millionen Euro zulegen.

Platz 6

Yum Restaurants

In China kämpft der Yum-Konzern mit Umsatzrückgängen bei seiner Marke Kentucky Fried Chicken, nachdem Nachrichten über minderwertiges Hühnerfleisch die Runde gemacht hatten. Auch die Pizza-Hut-Kette und Taco Bells gehören zum Unternehmen. In Deutschland baute Yum die Zahl der Filialen im Jahr 2012 um 16 auf 157 aus und steigerte den Umsatz um mehr als zehn Prozent auf 199 Millionen Euro. Das reichte für Rang 6 statt Rang 7 im Vorjahr.

Platz 5

Nordsee

Unter den größten fünf Unternehmen gab es keine Veränderung. Die Nordsee-Fischrestaurants machten 291 Millionen Euro Umsatz im Jahr 2012 ein Rückgang um zehn Millionen Euro. Auch die Zahl der Filialen ging zurück auf 336 Restaurants (Vorjahr: 345).

Platz 4

Autobahn Tank & Rast

Insgesamt 392 Raststätten an Autobahnen betreibt das Unternehmen. Der Umsatz belief sich 2012 geschätzt auf 599 Millionen Euro. Damit gelang nur ein minimales Plus.

Platz 3

LSG Lufthansa Service

Der Caterer der Fluggesellschaft Lufthansa steigert den Umsatz um etwas mehr als zwei Prozent auf 730 Millionen Euro.

Platz 2

Burger King

Die Fast-Food-Kette hat 700 Restaurants (Vorjahr: 696) und legte 2012 geschätzt beim Umsatz um etwas mehr als fünf Prozent auf 833 Millionen Euro zu. Das reichte nicht, um sich näher an den Erzrivalen heranzupirschen …

Platz 1

McDonald’s

… der unangefochten auf Rang 1 liegt. Mit 1440 Restaurants setzt McDonald’s 3,25 Milliarden Euro um und wuchs prozentual zwar langsamer als Burger King. Doch absolut legte der Umsatz um 52 Millionen Euro zu. Allerdings sackte die Zahl der Gäste unter die 2011 noch geknackte Marke von eine Milliarde.

Geschäftsführer Yildiz hatte als erste Maßnahme alle Betriebsvereinbarungen gekündigt. Der geltende Tarifvertrag wurde offenbar mehrfach ignoriert, Mitarbeiter sollen teilweise nur noch 6,50 Euro pro Stunde statt des Tariflohns (Stufe 3) in Höhe von 8,55 Euro erhalten haben. Auch bei Mehrarbeitszuschlägen und dem Urlaubsgeld soll es Beschwerden gegeben haben. Yildiz wollte außerdem Umkleidezeiten nicht mehr als Arbeitszeit anerkennen. Nur nach großem Protest der Arbeitnehmervertreter nahm der Fast-Food-Unternehmer die Entscheidungen wieder zurück.

„Wir werden als Parasiten angesehen“, sagt ein Mitarbeiter einer Burger-King-Filiale im Ruhrgebiet zu Handelsblatt Online. Es herrsche ein Arbeitsklima der Angst. Dazu regiere die Unsicherheit, denn viele Beschäftigte stünden vor einer ungewissen Zukunft: Befristete Arbeitsverträge würden in den mehr als 90 Yildiz-Filialen generell nicht mehr verlängert, heißt es von Mitarbeitern. Stattdessen setze die Burger King GmbH auf Aushilfen, die oft nicht einmal deutsch sprächen. Ausländische Studenten, die in Deutschland eine Hochschule besuchen, würden bevorzugt eingestellt – sie können sich kaum wehren gegen schlechte Arbeitsbedingungen und eine Bezahlung unter Tarif.

Die Schnellrestaurantkette geht offenbar gezielt gegen unbequeme Arbeitskräfte vor. „Mir hat ein Bezirksleiter von Burger King vor ein paar Wochen offen gesagt: ,Wenn wir wollen, finden wir immer einen Fehler!‘“, sagt der Filialmitarbeiter aus dem Ruhrgebiet. Fehler führen zu Abmahnungen oder fristlosen Kündigungen.

Kommentare (10)

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Simplicissimus

06.09.2013, 10:37 Uhr

Da gibt es nur einen Weg: Diese Läden konsequent meiden...

Account gelöscht!

06.09.2013, 11:20 Uhr

Essen, wo Mitarbeiter anständig bezahlt werden.
Gehe nicht mehr zu Bürgerking.

Kelting

06.09.2013, 11:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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