Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.01.2015

01:23 Uhr

Caesars Entertainment

Letzte Ausfahrt Gläubigerschutz

VonAxel Postinett

18,6 Milliarden Dollar Schulden hat die Caesars Entertainment Corp und will mittels Insolvenzantrag einen Schuldenschnitt erzielen. Doch nicht alle Gläubiger wollen mitmachen. Unterdessen soll das Geschäft weiterlaufen.

Die Caesars Entertainment Corporation hat Insolvenz beantragt und hofft mit den Gläubigern einen Schuldenschnitt zu erzielen. Hier das Flaggschiff Caesars Palace in Las Vegas. ap

Die Caesars Entertainment Corporation hat Insolvenz beantragt und hofft mit den Gläubigern einen Schuldenschnitt zu erzielen. Hier das Flaggschiff Caesars Palace in Las Vegas.

San FranciscoDie Betreibergesellschaft für Kasinos der Caesars Entertainment Corp. hat Gläubigerschutz beantragt. Die überschuldete Caesars Entertainment Operations Co. betreibt und besitzt die meisten der 50 Kasinos der Gruppe weltweit. Das Flaggschiff ist das legendäre Caesars Palace am Las Vegas Boulevard. Einer der größten Private Equity-Deal aus der Zeit vor der Weltwirtschaftskrise steht auf der Kippe.

Caesars Vorstandschef Gary Loveman verspricht derweil business as usual: Alle Kasinos blieben geöffnet, betont er in einem Statement, alle Lieferanten würden bezahlt, alle betroffenen Mitarbeiter, rund 30.000, werden ihre Löhne und alle Boni ausgezahlt bekommen. Die Insolvenz ist Folge eines seit Monaten andauernden Streits mit Gläubigern aus der Zeit, als der Glücksspiel- und Kasinogigant 2008 – damals noch als Harrah’s bekannt - unter der Führung von Apollo Global Management LLC und TPG Capital LP in gewohntere Hedgefonds-Manier übernommen wurde. Sie setzten rund sechs Milliarden Dollar ihres eigenen Kapitals ein und türmten 24 Milliarden Dollar Schulden auf, die dann dem Unternehmen aufgebürdet wurden. Mit der Weltfinanzkrise brach diese Konstruktion zusammen. Caesars will jetzt mit den Gläubigern einen Schuldenschnitt vereinbaren. Die derzeit verbliebenen Schulden von 18,6 Milliarden Dollar sollen nun um zehn Milliarden Dollar auf 8,6 Milliarden Dollar zusammengedampft werden. Doch nicht alle Gläubiger wollen mitmachen. Nachrangig besicherte Geldgeber fühlen sich von den neuen Eigentümern übers Ohr gehauen. Sie sollen auf 90 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

Sie argumentieren, die vom Unternehmen geplante Aufspaltung in zwei Teile übervorteile die Gläubigerseite daneben auch noch. Caesars will in Zukunft die Immobilien in einer eigenen Gesellschaft halten, die dann von einer zweiten gemietet werden. 2014 hatte Ceasars zudem vier Kasinos an eine eigene, zweite Gesellschaft namens Caesars Growth Partners verkauft.

Am Montag hatten die renitenten Gläubiger dann die Geduld verloren und bei einem Konkursgericht in Delaware eine Insolvenz beantragt. Am Donnerstag ging Caesars seinerseits zum Konkursgericht in Chicago und beantragte eine eigene, freiwillige Insolvenz nach Chapter 11. Dieser Paragraph des US-Konkursrechts gewährt Schutz vor dem Zugriff von Gläubigern für die Zeit, in der Verhandlungen über eine Restrukturierung der Finanzen geführt werden. Loveman hofft, seinen Plan vor Gericht durchfechten zu können. Aber zuerst müssen die Gerichte entscheiden, ob sie den Antrag vom Montag in Delaware zu Gunsten des Antrags in Chicago auf Eis zu legen. Konkursrichter Benjamin Goldgar in Chicago winkte am Donnerstag zunächst einmal Routineanträge durch und erlaubte Caesars seine Angestellten und Lieferanten voll weiterzubezahlen.

Caesars kämpft allerdings, so wie alle Kasinobetreiber in den USA, nicht nur mit hausgemachten Problemen. Die Glücksspielerstadt Atlantic City bei New York steckt in einer tiefen Krise, weil die Besucher ausbleiben und auch Las Vegas hat sich noch nicht völlig von 2008 erholt. In der Folge der von Wall Street ausgehenden Weltfinanzkrise blieben die Besucher weg und mehrere Großprojekte in Milliardenhöhe gerieten in Schieflage. Noch heute zeugen gigantische Bauruinen am glitzernden Strip von der wirtschaftlichen Kernschmelze in der Wüstenstadt. Dazu kommt ein Trend zu immer mehr Online-Glücksspiel und ein Problem in China. 2014 war ein schlimmes Jahr für Macao, das chinesische Las Vegas. Massive Anti-Korruptionskampagnen sorgten für ein Ausbleiben der supereichen chinesischen Spieler, die einen Großteil der Umsätze einspielen. Alle bedeutenden amerikanischen Kasinobetreiber sind in Macao investiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×