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25.03.2011

17:53 Uhr

Call-Center Betreiber

Ringen um Übernahme von Walter Services

Noch hofft man auf eine Einigung, aber der Kampf um Deutschlands größten Call-Center Betreiber Walter Services ist eskaliert: Das Unternehmen steht vor einer unfreiwilligen Übernahme durch seine neuen Gläubiger.

Das Ende für Walter Services? Mehr als 7000 Mitarbeiter fürchten um ihren Job. Quelle: dpa

Das Ende für Walter Services? Mehr als 7000 Mitarbeiter fürchten um ihren Job.

Frankfurt Der Kampf um Walter Services eskaliert: Die Eigentümer des größten deutschen Call-Center-Betreibers müssen angesichts drückender Schulden und aggressiver Gläubiger Kreisen zufolge aller Voraussicht nach den Schlüssel abgeben. Die Finanzinvestoren H.I.G. Capital und Anchorage hätten die Kredite an das Unternehmen mit mehr als 7000 Mitarbeitern gekündigt und eine Versteigerung angekündigt, durch die sie Walter Services selbst übernehmen wollten, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen Reuters am Freitag. Das Unternehmen hat sich mit dem Eigentümerwechsel offenbar bereits abgefunden: „Uns ist alles recht, was Walter voranbringt“, hieß es in Firmenkreisen. Walter gehört den Finanzinvestoren Odewald und Capiton.

Walter-Services-Chef Ralf Kogeler, der selbst ebenfalls an dem Telefonmarketing-Dienstleister aus Ettlingen bei Karlsruhe beteiligt ist, habe am Freitag bereits seinen Rücktritt erklärt, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen. Walter äußerte sich nicht zu dem Machtkampf zwischen seinen Noch-Eigentümern und den Gläubigern. Die Firma hatte in den vergangenen Jahren expandiert und unter anderem sieben Call-Center der Deutschen Telekom übernommen. Der Umsatz ist 2010 auf weniger als 200 (2009: 204) Millionen Euro gesunken.

Die Eigentümer wehren sich gegen die unfreiwillige Übernahme: Eine Sprecherin des Mehrheitsaktionärs Odewald sagte: „Wir gehen davon aus, dass es noch Chancen auf eine gütliche Einigung gibt.“ Eine Person im Umfeld der Eigentümer sagte: „H.I.G. hat keine Handhabe gegen uns und versucht unrechtmäßig an das Eigenkapital zu kommen. Das schädigt das Geschäft.“

Der erzwungene Eigentümerwechsel hatte sich abgezeichnet

H.I.G. und Anchorage hatten den Gläubigerbanken von Walter ihre Kredite von mehr als 150 Millionen Euro billig abgekauft - mit dem Ziel, sie in Eigenkapital zu tauschen. Sie hatten dem stark angeschlagenen Unternehmen bereits eine Brückenfinanzierung zur Verfügung gestellt und damit die Liquidität sichergestellt. Die Verhandlungen mit Odewald zogen sich aber hin. Daher hätten die Gläubiger die Auktion nun als Druckmittel angesetzt, hieß es in den Kreisen. Sie soll am 11. April stattfinden.

Der deutsche Finanzinvestor Odewald droht damit binnen kurzem eine zweite Beteiligung zu verlieren: Im November hatte schon der Autozulieferer Saargummi Insolvenz angemeldet. Anchorage hatte bereits den Sportschiffbauer Bavaria Yachts durch einen Tausch von Schulden in Eigenkapital gekapert.

Von

rtr

Kommentare (1)

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26.03.2011, 03:30 Uhr

Call-Center: der Inbegriff des Niedergangs von qualitativer Arbeit, die mal Potential hatte, dem Arbeitnehmer am Ende des Tages ein gutes Gefühl zu geben.

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