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12.01.2004

08:11 Uhr

Capitalia will ihre Kunden für Verluste entschädigen

Parmalat-Ermittlungen ziehen weite Kreise

Im Skandal um die milliardenschwere Parmalat-Pleite weitet die Justiz die Untersuchungen aus. Nun sollen auch die Tochter von Firmengründer Tanzi und der Chef der Bank Capitalia vernommen werden. Privatinvestoren können sich mit Samelklagen wehren.

mab MAILAND. Die Staatsanwälte in Mailand und Parma stehen vor einer weiteren harten Woche: Um den Hergang für den betrügerischen Bankrott des Lebensmittelkonzerns Parmalat zu rekonstruieren, werden sie am Donnerstag erstmals Francesca Tanzi, die Tochter des Unternehmensgründers Calisto verhören. Im Mittelpunkt der Befragung wird nach Informationen aus Justizkreisen die Umleitung von Geldern aus der Parmalat-Gruppe in den familieneigenen Reiseveranstalter Parmatour stehen. Francesca Tanzi leitet das Tourismusunternehmen, das nach Schätzungen ein Bilanzloch von 1,5 bis 2 Mrd. Euro hat und in den kommenden Tagen voraussichtlich Insolvenz anmelden wird.

Auch der ehemalige Parmalat-Finanzchef Fausto Tonna, der immer mehr zum Kronzeugen für die Staatsanwälte wird, soll am Dienstag erneut verhört werden. Bisher hat Tonna in erster Linie Calisto Tanzi für die Pleite im mutmaßlichen Volumen von 10 Mrd. Euro verantwortlich gemacht, aber auch die beratenden Banken schwer belastet. Daraufhin sind insbesondere die Bank of America, Citigroup und die Deutsche Bank unter Druck der Ermittler geraten. Mitte vergangener Woche sind Vertreter der Deutschen Bank zur Rolle des Instituts befragt worden; am Wochenende hat die Finanzpolizei die Büros der Bank of America in Mailand durchsucht und Dokumente beschlagnahmt.

Die Staatsanwaltschaft spricht bezüglich der US-Bank von einer möglichen Mitwisserschaft beim Bankrott. Die Bank of America hat zahlreiche Privatplatzierungen von Parmalat-Obligationen bei US-Investoren arrangiert. Außerdem hat einer der Manager, Luca Sala, den Milchkonzern bei der Schaffung der byzantinischen Finanzarchitektur beraten. Sala wies am Wochenende jedoch jede Schuld von sich: „Ich bin wie auch die Bank of America von Tanzi betrogen worden,“ sagte er der Tageszeitung „La Republica“. Das Institut hatte am 19. Dezember den Zusammenbruch von Parmalat besiegelt, indem es die Existenz eines Guthabens von 4 Mrd. Euro der Cayman- Tochter Bonlat dementierte.

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