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26.03.2012

20:20 Uhr

Carolyn McCall

„Wenn man Quoten vorschreibt, wird sich das rächen“

VonKatharina Slodczyk

Die Chefin der Fluglinie Easyjet, Carolyn McCall, warnt vor möglichen Negativfolgen von Frauenquoten. Den Expansionskurs des Unternehmens will sie weiter vorantreiben, auch mit Investments in die Flugzeugflotte.

Carolyn McCall wurde 1961 in Bangalore geboren. Sie hat an der University of Kent Geschichte und Politik studiert und arbeitete kurz als Lehrerin, bevor sie in die Wirtschaft wechselte. Nach einer steilen Karriere bei dem Medienunternehmen Guardian Media Group startete sie Mitte 2010 bei der Billigfluglinie Easyjet. AFP

Carolyn McCall wurde 1961 in Bangalore geboren. Sie hat an der University of Kent Geschichte und Politik studiert und arbeitete kurz als Lehrerin, bevor sie in die Wirtschaft wechselte. Nach einer steilen Karriere bei dem Medienunternehmen Guardian Media Group startete sie Mitte 2010 bei der Billigfluglinie Easyjet.

Handelsblatt: Sie sind eine der wenigen Chefinnen in Großbritannien, und in Europa die einzige Frau, die eine börsennotierte Fluglinie führt. Haben es Frauen in manchen Branchen besonders schwer?

Carolyn McCall: Ehrlich gesagt hab ich noch nicht darüber nachgedacht, es ist mir auch nicht aufgefallen, ob dies eine von Männern oder Frauen dominierte Branche ist.

Was halten Sie von Frauen-Quoten?

Oh, Gott, ich hasse Quoten. Wenn man Quoten gesetzlich vorschreibt, wird sich das rächen. Es werden Frauen in Führungspositionen befördert, die möglicherweise dem Job noch nicht gewachsen sind. Aber ich bin durchaus dafür, Frauen zu fördern.

Wie genau?

Wichtig ist, dass Frauen nach und nach die für einen Spitzenposten notwendigen Erfahrungen sammeln. Ich gebe ihnen die Zeit und nehme mir auch die Zeit, um sie zu betreuen.

Hatten Sie selbst einen Mentor, von dem sie gelernt haben zu führen?

Es gab verschiedene Personen, von denen ich gelernt habe, wie man gewisse Dinge angeht. Ich habe aber auch erlebt, wie man es nicht machen sollte.

Ihnen wurde viel Skepsis entgegengebracht, als sie aus der Medienbranche zu Easyjet wechselten.

Ach wissen Sie, so sehr unterscheiden sich die Branchen nicht. Sowohl im Mediengeschäft als auch jetzt in der Luftfahrt geht es um Konsumenten. Man muss verstehen, was sie wollen und was sie dazu bringt, sich für unser Produkt zu entscheiden. Letztendlich ist die Fähigkeit, Menschen zu führen, unabhängig von der Branche. Und egal welches Unternehmen man führt, man braucht ein gutes Team.

Easyjet befindet sich im Dauerstreit mit Großaktionär Stelios Haji-Ioannou. Sobald sie einen Disput mit ihm lösen, macht er eine neue Baustelle auf. Wie viel Porzellan ist schon zerschlagen?

Ich habe bis heute das Gefühl, dass wir einen konstruktiven Dialog mit ihm haben. Er hat gute Argumente. Und wir diskutieren darüber vertraulich.

Er wirft ihnen vor, ihre Renditevorgaben nicht zu erfüllen. Sie sagen, sie hätten eine Rendite auf das eingesetzte Kapital von über zwölf Prozent, laut Haji-Ioannou sind es sechs Prozent – wer kann hier nicht rechnen?

Wir beziehen in unsere Berechnung dieser Kennzahl nicht die Kosten für die geleasten Flugzeuge ein und nicht unseren Bargeldbestand. Das haben wir aber auch nie verheimlicht. Unser Vorgehen entspricht den Grundsätzen der Rechnungslegung. Wenn diese sich ändern, werden wir die Berechnung ändern – möglicherweise aber auch schon früher.

Kommentare (2)

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EinLichtblick

26.03.2012, 21:46 Uhr

Ich kann meine Begeisterung für diese Frau nicht unterdrücken...

Intelligent!

anonymus_007

26.03.2012, 22:31 Uhr

Bravo! Diese Frau redet Klartext.
Frauen die was drauf haben, brauchen keine Quote!
Wenn ein Job zu besetzen ist, soll der/die "Beste"
zum Zuge kommen. Ganz unabhängig von der Person!
Dies gilt natürlich nicht nur für Mann oder Frau.
Wir haben genügend andere Menschen die noch immer diskriminiert werden!
Also lasst endlich den Quotenquatsch! Job, rein nach Qualifikation ohne Ansehen der Person bzw. des Geschlechts, der Hautfarbe, der Herkunft, der Religion usw....

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