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18.10.2012

15:53 Uhr

Catering-Markt

Heiß und fettig - die große Schlacht ums Buffet

VonSebastian Ertinger

Nur 2,50 Euro für ein ganzes Mittagessen, der Preiskampf im Catering-Markt ist hart. Und er könnte noch härter werden - mit fatalen Folgen. Die Brechdurchfall-Epidemie an deutschen Schulen könnte kein Einzelfall bleiben.

Das Gastronomie-Geschäft ist hart umkämpft. picture-alliance

Das Gastronomie-Geschäft ist hart umkämpft.

DüsseldorfDiabetiker-Essen auf Rädern für Senioren, Feinkost-Bordmenüs für den Langstreckenflug oder Gulaschkanonen für Betriebskantinen und Universitätsmensen – der Markt rund um das Essen ist riesig. Und im vergangenen Jahr ist er laut Branchenexperten so stark gewachsen wie noch nie. "Die Caterer konnten ihren Umsatz um durchschnittlich fünf Prozent auf rund elf Milliarden Euro erhöhen", sagt Andreas Erdpresser von der Beratungsgesellschaft Interconnection Consulting zu Handelsblatt Online.

Der Markt ist hart umkämpft - mit fatalen Folgen, wie sich erst kürzlich zeigte. Verseuchte Erdbeeren aus China hatten bei rund 11.000 Kindern und Erwachsenen an ostdeutschen Schulen eine Brechdurchfall-Epidemie ausgelöst. Das verunreinigte Essen führte zu einer Debatte um die Qualität des Essens in Schulen und Kantinen. Denn eine Mahlzeit an deutschen Schulen darf im Schnitt nur 2,50 Euro kosten. Entsprechend knapp kalkulieren die Großküchen bei Einkauf, Löhnen und anderen Kosten.

Der Preiskampf könnte demnächst sogar noch zunehmen. Die Euro-Krise und die gedämpften Konjunkturaussichten belasten den Ausblick für die Catering-Branche. Bei unsicherer Konjunkturlage halten sich die Unternehmen bei Investitionen zurück, etwa in die Verköstigung der Mitarbeiter. Steigt die Arbeitslosigkeit, sinkt natürlich auch die Zahl der Kantinenbesucher.

Branchenkenner Erdpresser rechnet daher für 2012 mit deutlich geringeren Wachstumsraten von rund 2,2 Prozent. „Wie die Vergangenheit gezeigt hat, ist auch gerade der Event-Catering-Bereich besonders von der wirtschaftlichen Entwicklung betroffen“, so Erdpresser. Die Branche muss sich also auf weniger üppige Zeiten einstellen.

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Zu den Top-Unternehmen zählen die britische Compass Group, die in Kontinentaleuropa auch unter Eurest firmiert, der US-Konzern Aramark, sowie die vom Erdbeeren-Desaster betroffenen Franzosen Sodexo und der heimische Anbieter Dussmann.

Das Geschäft mit Schulessen ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen - im Schnitt pro Jahr um fünf Prozent. Ein Wachstumstreiber ist der Ausbau von Ganztagesschulen, den die Bundesregierung vorantreibt. Rund elf Millionen Schüler besuchen die rund 45.000 Schulen in Deutschland – und wollen mittags versorgt werden.

Die größten Akteure im Catering-Markt

Aramark

Die Wurzeln des Konzerns aus Philadelphia reichen bis ins Jahr 1936 zurück. Damals gründete Davre Davidson einen Automatenbetreiber. Zusammen mit seinem Partner William Fishman stellte er Automaten für Erdnuss-Snacks in den Fabrikhallen auf. Nach und nach entstand daraus der einer der größten Kantinenbetreiber und Catering-Gesellschaften weltweit. 2011 erzielte Aramark einen Umsatz von rund 13 Milliarden Dollar und beschäftigte 255.00 Menschen.

Compass Group

Das britische Unternehmen bietet Catering für Schulen, Krankenhäuser oder private Unternehmen an. In Deutschland erzielte das Unternehmen nach eigenen Angaben im Geschäftsjahr 2009/2010 einen Umsatz von 664 Millionen Euro und beschäftigte rund 19.000 Mitarbeiter. Weltweit arbeiten 470.000 Menschen für den Compass-Konzern.

Sodexo

Das französische Unternehmen hat von der Krankenpflege über die Reinigung bis hin zur Essenslieferung fast alle Dienstleistungen im Angebot. Der Konzern macht weltweit geschätzt 18 Milliarden Euro Umsatz. Mit 391.000 Mitarbeitern gehören die Franzosen zu den 25 größten Arbeitgebern der Welt. Die Familie des Gründers Pierre Bellon gilt als eine der reichsten Sippschaften Frankreichs. Nach der Wende hatte Sodexo verstärkt in sein Deutschland-Geschäft investiert.

Aber auch die Alterung der Bevölkerung hatte der Branche weiteres Wachstum beschert. Immer mehr Menschen sind auf Essenslieferungen angewiesen. Das sogenannte "Essen auf Rädern" bleibt dabei nicht allein den Wohlfahrtsverbänden und Pflegediensten überlassen. Laut Branchenmagazin GV-Praxis beschäftigten die 30 größten Küchen-Betreiber mehr als 60.000 Mitarbeiter.

Kommentare (9)

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Republikaner

18.10.2012, 16:50 Uhr

in Italien haben sich meine Geschäftspartner fast totgelacht über den Import von Erdbeeren aus China. So blöd können eigentlich nur wir Deutsche sein. Wir sind bekannt für unseren abartigen Regulierungswahn. Warum kann man nicht hergehen und sagen, daß 80% aller Nahrungsmittel aus heimischer Erzeugung kommen müssen? Agriturismo funktioniert in Italien prächtig! Davon profitieren Landwirtschaft und Ökologie gleichermaßen...und auf den Teller kommen endlich Produkte, die schmecken, die der Jahreszeit angepaßt sind und keine biologischen Bomben. Auch wir werden lernen müssen, daß Essen etwas kostet und herausgenommen werden muß aus den Preisschlachten der Mega-Discounter.

Republikaner

18.10.2012, 16:57 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

NKM

18.10.2012, 17:08 Uhr

@ Republikaner

Wo steht das Fastfood billig ist? Also wenn ich mir die Preise und die Portionsgrößen bei McDonnalds so anschaue - dafür bekomm ich woanders was vernünftiges zum Spachteln (Ok, nicht in der Münchner Fussgängerzone - das ist schon klar) oder kann mir daheim was schönes selber kochen.

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