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30.09.2013

18:05 Uhr

Chance auf Einigung

Fluglotsen entscheiden Montag über Streik

Die EU-Kommission hat den Fluglotsen in Europa ein weiteres Angebot vorgelegt, um den drohenden Streik in letzter Sekunde abzuwenden. Ansonsten steht dem Flugverkehr ein Arbeitskampf mit drastischen Folgen bevor.

Ein Mitarbeiter der Vorfeldaufsicht weist ein Flugzeug zu seiner Parkposition.  Die deutsche Gewerkschaft der Flugsicherheit (GdF) und weitere europäische Gewerkschaften haben zum Streik der Fluglotsen in der kommenden Woche aufgerufen. dpa

Ein Mitarbeiter der Vorfeldaufsicht weist ein Flugzeug zu seiner Parkposition. Die deutsche Gewerkschaft der Flugsicherheit (GdF) und weitere europäische Gewerkschaften haben zum Streik der Fluglotsen in der kommenden Woche aufgerufen.

FrankfurtDer geplante europaweite Streik der Fluglotsen am 10. Oktober könnte doch noch abgewendet werden. Die EU-Kommission, die die Flugsicherung in Europa deregulieren will, habe einen neuen Vorschlag vorgelegt, sagte Matthias Maas, Chef der deutschen Fluglotsen-Gewerkschaft GdF, am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. Zum Inhalt sei noch nichts bekannt. Ende der Woche werde zunächst die europäische Fluglotsen-Arbeitnehmervertretung ATCEUC die neuen Vorschläge aus Brüssel unter die Lupe nehmen und über das weitere Vorgehen beraten. "Die GdF entscheidet dann am kommenden Montag über das Ob und Wie eines Streiks."

Die europäische Fluglotsengewerkschaft hatte ihre 14.000 Mitglieder für den Donnerstag nächster Woche zu einem Arbeitsausstand aufgerufen, um gegen die geplante Vereinfachung der Flugsicherung zu demonstrieren. Die EU-Kommission hatte 2004 den einheitlichen europäischen Luftraum auf den Weg gebracht, um die Luftfahrt nach Verkehrsströmen und nicht nach Landesgrenzen auszurichten. Ziel ist neben einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen auch ein besseres Flugverkehrsmanagement - dazu zählen Sicherheitsstandards, aber auch eine Senkung der Kosten.

Schon im Juni habe die EU-Kommission eine Reihe von neuen Vorschläge vorgelegt, die die Schaffung eines einheitlichen Luftraum beschleunigen sollten, sagte ein deutscher EU-Diplomat. Diese seien bei der Bundesregierung nicht auf Begeisterung gestoßen. Die Umsetzung der ursprünglichen Kommissionsvorschläge gestalte sich bereits schwierig und sei mit hohen Kosten verbunden. Deshalb komme der neue Vorstoß zu früh. Da man sich darin mit den meisten anderen EU-Staaten einig sei, werde das Thema auch voraussichtlich nicht beim Treffen der EU-Verkehrsminister am 10. Oktober auf der Agenda stehen, für den die Fluglotsen zu ihrem Aktionstag aufgerufen hatten.

Streiks und Warnstreiks im deutschen Luftverkehr

21. März 2012

Am Frankfurter Flughafen fallen während eines fünftägigen Arbeitskampfes mehr als 1700 Flüge aus, rund 170 000 Passagiere sind betroffen. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will für Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen und Flugzeug-Einweiser mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen.

27. März

Wegen Warnstreiks an den Flughäfen in Frankfurt/Main, Köln/Bonn, Düsseldorf, München, Stuttgart, Bremen und Hannover fallen Hunderte Flüge aus. Über Stunden sorgen die von der Gewerkschaft Verdi vertretenen Mitarbeiter von Feuerwehr, Gepäckabfertigung und Bodenverkehrsdiensten dafür, dass nicht mehr viel geht. An den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld legen rund 1500 Beschäftigte des Bodendienstleisters Globeground die Arbeit nieder.

7. September

Die Gewerkschaft Ufo verursacht den bislang größten Ausfall an einem einzigen Streiktag in der Geschichte der Lufthansa. Rund 1000 Flüge werden gestrichen, mehr als 100 000 Passagiere sind betroffen. Es ist der erste bundesweite Streik der rund 18 000 Lufthansa-Flugbegleiter. Bei zwei Streikwellen in den Tagen zuvor waren insgesamt bereits rund 500 Flüge ausgefallen.

10. Dezember

Warnstreiks des privaten Sicherheitspersonals führen an mehreren deutschen Flughäfen zu Verspätungen. Verdi hatte zu den Aktionen aufgerufen. Hintergrund sind stockende Verhandlungen über einen Manteltarifvertrag.

18. Januar 2013

Ein Streik legt den Hamburger Flughafen weitgehend lahm. Die meisten Beschäftigten an den Sicherheitskontrollen folgen einem Verdi-Aufruf und legen für den ganzen Tag die Arbeit nieder. Betroffen sind rund 19 000 Reisende.

24./ 25. Januar

Ein Streik des privaten Sicherheitspersonals auf den Flughäfen Düsseldorf und Köln/Bonn sorgt für große Behinderungen. Hunderte Flüge fallen aus.

14./ 15. Februar

Streiks der Sicherheitskräfte in Hamburg, Düsseldorf und Köln/Bonn legen den Betrieb erneut fast komplett lahm.

20. Februar

Die Streiks gehen in Hamburg weiter, vor den Terminals gibt es wieder lange Warteschlangen.

26. Februar

In der ersten Runde der Tarifverhandlungen bei der Lufthansa kommen sich die Parteien nicht näher. Die Gespräche werden auf den 22. März vertagt.

20. März 2013

Kurz vor der nächsten Verhandlungsrunde ruft Verdi zu Warnstreiks an den Standorten Frankfurt, Berlin und Hamburg auf. Die Gewerkschaft Verdi vertritt vor allem Beschäftigte in den Boden- und Serviceeinheiten der Lufthansa.

Arbeitnehmervertreter wie die GdF werfen der Kommission vor, sie fordere stetige Gebührensenkungen, die den Airlines zugutekämen. Die Vorschläge von EU-Verkehrskommissar Siim Kallas würden dazu führen, dass die Einnahmen der Flugsicherungen zurückgingen, während das Flugaufkommen gleichzeitig steigen werde, sagte Maas. "Qualität und Sicherheit der Flugsicherung leiden darunter zwangsläufig." Falls es nächste Woche zum Streik komme, plane die GdF einen auf kurze Zeit begrenzten Arbeitskampf. "Wir könnten etwa den Flugverkehr auf 50 Prozent zurückfahren", sagte er.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Flugast

02.10.2013, 15:33 Uhr

Auch wenn es mich als Fluggast am 10. treffen wird, meine Unterstützung haben die Lotsen

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