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25.03.2013

19:08 Uhr

„Chance vertan“

Hapag-Lloyd und Hamburg Süd bleiben getrennt

Die beiden großen deutschen Linienreedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd kommen nicht zusammen. Die Fusion hätte die viertgrößte Reederei der Welt hervorgebracht. Damit ist eine große Chance erst einmal verpasst.

Container der Reedereien «Hamburg Süd» und «Hapag-Lloyd» sind auf einer Lagerfläche im Hafen von Hamburg gestapelt. Die geplante Fusion der beiden großen deutschen Linienreedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd ist vorerst vom Tisch. dpa

Container der Reedereien «Hamburg Süd» und «Hapag-Lloyd» sind auf einer Lagerfläche im Hafen von Hamburg gestapelt. Die geplante Fusion der beiden großen deutschen Linienreedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd ist vorerst vom Tisch.

HamburgDie Fusion der beiden größten deutschen Reedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd zu einem globalen Schifffahrtsriesen ist am Kampf der Großaktionäre um die Macht gescheitert. Die Eigentümer hätten „keine Einigkeit über eine partnerschaftliche Ausgestaltung der Transaktion“ erzielt, teilten die Hapag-Lloyd-Großaktionäre, der Reisekonzern TUI und das „Albert-Ballin“-Konsortium um den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne, mit. Der Bielefelder Nahrungsmittelkonzern Oetker, dem Hamburg Süd gehört, habe bereits in der vergangenen Woche die Reißleine gezogen, sagten mehrere Insider am Montag. Kühne hatte die Verhandlungen in den vergangenen Wochen mit der Forderung nach einer Fusion "auf Augenhöhe" und einem späteren Börsengang belastet.

Eine Hintertür ließen sich die Verhandlungspartner dennoch offen: Die Projektarbeiten seien "vorerst" eingestellt, hieß es in der Mitteilung des Konsortiums. „Das Projekt ist noch nicht begraben“, hieß es auch im Umfeld von Oetker. Hamburg Süd sprach in einer Stellungnahme von einer "Unterbrechung" der Arbeiten an der Fusion. "Der Beirat und die Geschäftsführung von Hamburg Süd sind weiterhin davon überzeugt, dass der Zusammenschluss ... für beide Unternehmen wie auch für den Schifffahrtsstandort Hamburg von außerordentlich großem Nutzen wäre", betonte die Reederei. Auch gegen einen Börsengang habe Oetker nach einer Fusion nichts - sofern "bestimmte Voraussetzungen" vorlägen. In Verhandlungskreisen hieß es, Kühne habe ein Vetorecht gefordert, obwohl sein Anteil an dem fusionierten Konzern deutlich unter 25 Prozent läge.

Die größten Reedereien der Welt

Platz 10

OOCL – 104 Schiffe

Die Orient Overseas Container Line wurde 1947 in Shanghai durch den Unternehmer Tung Chao Yung unter dem Namen „Orient Overseas Line“ gegründet. Noch im selben Jahr begann Tung regelmäßiger Routen nach Nordamerika und Europa zu etablieren. Auf der Flucht vor den Kommunisten siedelte Tung mit seinem 1949 nach Hongkong um. 1969 wurde das Unternehmen zur „Orient Overseas Container Line“ und transportierte als erste asiatische Reederei regelmäßig Containerfracht über den Pazifik. Von 1979 bis 1989 stand mit dem Öltanker Seawise Giant das bis heute größte jemals (nicht an einem Stück) gebaute Schiff im Dienst der Flotte.

Quelle: Alphaliner, Stand 06. Januar 2016

Platz 9

CSCL - 124 Schiffe

Die China Shipping Container Lines (CSCL) gehören zu den jüngsten Reedereien der Containerschifffahrt und gehört zur China Shipping Group. Seit 1997 expandiert die chinesische Reederei massiv – und steuert alleine in China über 40 Häfen an.

Platz 8

Hamburg Süd – 134 Schiffe

Es ist ein Unternehmen mit Tradition: Hamburg Süd ging 1871 aus dem Zusammenschluss von elf Hamburger Handelsgesellschaften hervor. Heute gehört die Reederei zum Oetker-Konzern. Im März 2015 übernahm sie den chilenischen Konkurrenten CCNI.

Platz 7

PIL – 147 Schiffe

Mit der Küstenschifffahrt und kleinen Liniendiensten von Singapur in die Häfen Südostasiens begann 1967 die Erfolgsgeschichte der Pacific International Lines. In den folgenden Jahrzehnten dehnte die Reederei ihr Containerliniennetz von Asien nach Europa und schließlich in die ganze Welt aus. Bis heute ist PIL ein Familienunternehmen.

Platz 6

Cosco - 169 Schiffe

Die China Ocean Shipping Company wurde in Europa bekannt, weil die Reederei in der Finanzkrise 50 Prozent der Anteile am Hafen in Piräus übernommen hat. In der Containerschifffahrt haben die Chinesen ihr weltweites Netz in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut.

Platz 5

Hapag-Lloyd - 172 Schiffe

Hapag-Lloyd ging 1970 aus der Fusion von Hapag und Norddeutschem Lloyd hervor. 2014 übernahm der Konzern den chilenischen Konkurrenten CSAV, um im Wettbewerb der Großen mithalten zu können. Muttergesellschaft ist der Tui-Konzern.

Platz 4

Evergreen - 192 Schiffe

Anders als der Name vermuten lässt, kommt die Reederei Evergreen aus China, genauer: aus Taipeh. Zum Konzern gehören die Uniglory Marine aus Taiwan, die Evergreen Marine UK (vorher: Hatsu Marine) aus Großbritannien und die Lloyd Triestino (einst Österreichischer Lloyd, seit 2006 Italia Marittima). Darüber hinaus hält die Reederei Beteiligungen an der Fluggesellschaft Eva Air und an der Hotelkette Evergreen Laurel.

Platz 3

CMA CGM - 461 Schiffe

Aus Compagnie Générale Maritime (CGM) und der Compagnie Maritime d'Affrètement (CMA) entstand 1999 die größte Reederei Frankreichs, die auch weltweit in der Top drei landet. Mit der CMA CGM Marco Polo betreibt das Unternehmen eines der größten Containerschiffe der Welt, an Bord ist Platz für über 16.000 Container.

Platz 2

MSC - 487 Schiffe

Eine der größten Reedereien der Welt kommt ausgerechnet aus der Schweiz. Die Mediterranean Shipping Company (MSC) aus Genf wuchs jahrelang rasant durch den Kauf gebrauchter Containerschiffe, bestellt mittlerweile aber auch neue Schiffe. Wichtigster Umschlagplatz ist der Hafen in Antwerpen, weltweit steuert die Reederei 270 Häfen an.

Platz 1

APM-Maersk - 585 Schiffe

Das größte Containerimperium der Welt wird von Kopenhagen aus gesteuert. Seit 1904 sind die Dänen im Frachtgeschäft tätig und unterhalten mittlerweile Niederlassungen in 135 Ländern. Neben der Containerschifffahrt gehört auch die Öl- und Gasförderung zum Geschäft von Maersk.

Die Nummer sechs und die Nummer zwölf unter den weltweit größten Container-Reedereien wären gemeinsam zur Nummer vier in der unter Überkapazitäten leidenden Branche aufgestiegen, mit mehr als 250 Schiffen, 11.000 Beschäftigten und einem Umsatz von über zehn Milliarden Euro. Weltmarktführer ist die dänische Maersk, gefolgt von Mediterranean Shipping (MSC) und CMA CGM.

Hamburg Süd und Hapag-Lloyd hatten sich Insidern zufolge mindestens eine halbe Milliarde Euro Einsparungen vorgenommen - ein großer Beitrag zur Bewältigung der vier Jahre schwelenden Branchenkrise. Zusammen hätten sie womöglich höhere Frachtraten durchsetzen können. „Da gibt es erstmal nur Verlierer“, sagte ein Insider aus dem Investoren-Konsortium. Allein die größere Hapag-Lloyd hatte 2012 einen Verlust von 128 Millionen Euro erwirtschaftet, Hamburg Süd legt keine Geschäftszahlen vor.

Alle Reedereien leiden - in unterschiedlichem Maße - unter der globalen Konjunkturschwäche, den gewaltigen Überkapazitäten und den gestiegenen Treibstoffkosten. Banken schreiben einen immer größeren Teil ihrer Schiffskredite ab.

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Hapag-Lloyd und Hamburg Süd werden doch nicht miteinander fusionieren.

Hapag-Lloyd und Hamburg Süd hatten kurz vor Weihnachten überraschend Überlegungen über einen Zusammenschluss öffentlich gemacht. Eine „Idealkonstellation“, jubelte Kühne zunächst. Doch die unterschiedlichen Interessen der Eigner ließen sich nicht unter einen Hut bekommen: Das verschwiegene Familienunternehmen Oetker, das stets auf Mehrheitsbeteiligungen pocht, prallte auf den streitbaren und forschen Kühne, im Hauptberuf Eigentümer des schweizerischen Logistikkonzerns Kühne + Nagel, der Hapag-Lloyd mit knapp einer Milliarde Euro rettete, als TUI die Lust an der Schifffahrt verlor und ein Verkauf nach Asien drohte.

Daher hatte sich das Scheitern abgezeichnet - spätestens als Kühne in einem Zeitungsinterview vor zwei Wochen eine "Fusion unter Gleichen" und einen Börsengang des fusionierten Konzerns binnen zwei bis drei Jahren forderte. „Ich favorisiere eine Partnerschaft mit Oetker, nicht eine Übernahme durch Oetker“, sagte er der Zeitung „Die Welt“ „Ich lasse mich nicht beiseite schieben.“ Hapag-Lloyd-Aufsichtsratschef Jürgen Weber distanzierte sich ungewöhnlich deutlich: Kühnes Äußerungen seien die „Meinung eines einzelnen Anteilseigners“.

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Der Warenverkehr nach Asien stockt. Das beschert dem Hafen einen Gewinnrückgang.

Kühne hatte erst im vergangenen Jahr auf 28 Prozent aufgestockt. Doch nach einer Fusion hätte er bei strategischen Entscheidungen überstimmt werden können. Die Stadt Hamburg ist mit knapp 37 Prozent der größte Aktionär, TUI hält 22 Prozent. Hapag-Lloyd ist mit einem Umsatz von 6,1 Milliarden Euro deutlich gewichtiger, hat aber Schulden von 1,8 Milliarden Euro im Gepäck, Hamburg-Süd ist mit rund 4,7 Milliarden Euro Umsatz schuldenfrei. Eigentlich sollte ein Bewertungsgutachten bis Juni Klarheit schaffen. Doch darauf wollte Oetker nicht mehr warten.

Nun könnte Hapag-Lloyd allein an die Börse gehen. Denn im Drängen darauf war sich Kühne einig mit TUI und den kleineren Mitgliedern des Albert-Ballin-Konsortiums wie dem Versicherer Signal Iduna oder der Bank M.M. Warburg. Sie wollen über kurz oder lang aussteigen. TUI hat sich sogar das Recht zusichern lassen, einen Börsengang von Hapag-Lloyd zu verlangen. "Ob mit oder ohne Hamburg Süd, Hapag-Lloyd wird an die Börse gehen", sagte Kühne in dem Zeitungsinterview. (Reporter: Alexander Hübner und Jan Schwartz; Mitarbeit: Arno Schütze; redigiert von Olaf Brenner)

Von

dpa

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