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11.08.2013

14:07 Uhr

Chaos in Mainz

Bahn-Vorstand Hess muss offenbar gehen

Seit Tagen fallen in Mainz wegen Personalmangels Züge aus. Sogar Verkehrsminister Ramsauer hatte sich wegen des Chaos' bereits eingeschaltet. Nun könnte das Debakel laut Medienberichten personelle Konsequenzen haben.

„Zugverkehr eingeschränkt“: In der vergangenen Woche kam es in Mainz wegen Personalmangels immer wieder zu Zugausfällen. dpa

„Zugverkehr eingeschränkt“: In der vergangenen Woche kam es in Mainz wegen Personalmangels immer wieder zu Zugausfällen.

MainzLaut Medienberichten hat das Verkehrschaos in Mainz nun offenbar noch drastischere Konsequenzen: Am Samstag meldete die „Stuttgarter Zeitung“ unter Berufung auf Unternehmenskreise, dass der Vorstand Produktion der DB Netz AG, Hansjörg Hess, von seinen Aufgaben entbunden werden soll. Dies bestätigten gut informierte Kreise am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa.

Der Bahnhof der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt kann in den Abend- und Nachtstunden nicht mehr angefahren werden, weil für das Stellwerk urlaubs- und krankheitsbedingt die Fahrdienstleiter fehlen. Ab Montag gelten solche Einschränkungen auch tagsüber.

Eine Unternehmenssprecherin wollte sich zu der Personalie nicht äußern. Man führe keine Personaldiskussionen über die Medien. Die Ablösung von Hess sei schon seit längerem geplant gewesen, die Ereignisse in Mainz hätten sie jedoch beschleunigt, berichtete die „Stuttgarter Zeitung“ am Samstag ergänzend. Hess ist seit Juni 2011 Vorstandsmitglied der Netz-Sparte.

Die Debatte um das Zug-Chaos in Mainz hatte sich im Laufe des Wochenendes immer weiter zugespitzt. Am Freitag hatte sich sogar Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) eingeschaltet. Von den 15 üblicherweise in Mainz arbeitenden Mitarbeitern der Deutschen Bahn seien derzeit fünf erkrankt und drei im Urlaub, berichtet die „Bild am Sonntag“ in ihrer jüngsten Ausgabe. Das führte zu erheblichen Behinderungen im Bahnverkehr.

Wegen der andauernden Zugausfälle und Personalmangels telefonierte Ramsauer am Freitag mit Bahnchef Rüdiger Grube. Beide schätzten das Problem gleich ein, hieß es in Ministeriumskreisen. Es müsse sichergestellt werden, dass die Situation in Mainz ein Einzelfall bleibe.

Am Sonntag teilte die Bahn mit, dass das Unternehmen versuche, die drei Mainzer Fahrdienstleiter zurückzuholen, die im Urlaub sind. „Wir können das aber nicht erzwingen“, sagte eine Bahn-Sprecherin.

FDP-Generalsekretär Patrick Döring, zugleich Mitglied des Bahn-Aufsichtsrates, hatte zuvor laut Informationen der „Bild am Sonntag“ gefordert, die urlaubenden Mitarbeiter „auf Kostenerstattung der Bahn“ zurückzurufen und zur Arbeit zu verpflichten. „Die Bahn lebt auch vom Teamgeist der Eisenbahner“, sagte Döring. „In Mainz müssen die Züge wieder rollen.“ Der Ruf der Bahn stehe auf dem Spiel.

Fakten zur Deutschen Bahn

Umsatz

Die Deutsche Bahn verbuchte im ersten Halbjahr 2013 einen Umsatz von 19,4 Milliarden Euro (19,5 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum). Insgesamt kam die Bahn 2012 auf einen Umsatz von 39,30 Milliarden Euro.

Gewinn vor Zinsen und Steuern

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug im ersten Halbjahr 2013 eine Milliarde Euro (1,3 Milliarden Euro im Vorjahr).

Halbjahresergebnis nach Steuern

Halbjahresergebnis nach Steuern: 554 Millionen Euro (Vorjahr: 783 Millionen Euro).

Mitarbeiter

Ende Juni 2013 hatte der Staatskonzern etwa 295.700 Mitarbeiter, fast drei Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt 2012.
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Fahrgäste Bahnverkehr pro Tag

Fahrgäste Bahnverkehr im ersten Halbjahr in Deutschland: 991 Millionen (Vorjahr: 981 Millionen). Davon waren 62,5 Millionen im Fernverkehr unterwegs.

Beförderte Güter im Schienenverkehr

Die Logistiksparte der Bahn transportierte Güter mit einem Gesamtgewicht von 196,7 Millionen Tonnen (ein Minus von über fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Schienennetz

Das Schienennetz der Deutschen Bahn ist weiter leicht geschrumpft. Es hat noch einen Länge von 33.492 Kilometer, 13 Kilometer weniger als Ende 2012.

Der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, Alexander Kirchner, wies die Forderung nach Urlaubsverkürzung unterdessen zurück. „Unsere Kolleginnen und Kollegen brauchen ihren Erholungsurlaub dringend“, erklärte Kirchner am Sonntag. Die Deutsche Bahn wisse schon „seit langem, dass es Personalengpässe gibt“, fügte Kirchner hinzu. „Jetzt den Kollegen den schwarzen Peter zuzuschieben, die ihren Erholungsurlaub dringend brauchen, ist einfach nur schäbig.“

Hintergrund der Personalknappheit sind auch Überalterung und Nachwuchsmangel. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG bemängelt, das Problem sei seit Jahren bekannt. Es fehlten in den Stellwerken bundesweit rund 1000 Fahrdienstleiter. Die Bahn habe zwar versucht gegenzusteuern. Aber dies reiche nicht aus, um den massiven Personalabbau der vergangene Jahre auszugleichen, sagte EVG-Vorstandsmitglied Reiner Bieck am Samstag im RBB. Dem „Spiegel“ zufolge werden knapp 3000 Weichen-Schaltzentralen der Bahn noch weitgehend mechanisch betrieben. Nur 415 Stellwerke würden computergesteuert. Die Bahn wies die Vorwürfe zurück. Eine Bahn-Sprecherin sagte zwar, ältere Stellwerke seien grundsätzlich personalintensiver. Sie betonte aber: „Das ist ein regionales Problem in Mainz.“ Es sei durch Personalengpass bedingt.

Bereits seit dem vergangenen Wochenende fallen regelmäßig Züge am Hauptbahnhof in Mainz aus, der Regionalverkehr läuft abends und nachts nur eingeschränkt. Vom Fernverkehr ist der Hauptbahnhof in dieser Zeit komplett abgeschnitten. Von Montag an sollen auch wochentags zu den Hauptverkehrszeiten viele Züge im Regionalverkehr ausfallen, wie die Bahn mitteilte. Zahlreiche Fernverkehrszüge würden außerdem umgeleitet.

Kommentare (8)

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KJes

11.08.2013, 15:50 Uhr

Das ist doch eine mittlere Katastrophe. Man darf durchaus die Probleme der Kolleginnen und Kollegen, die in diesem Bereich für die Bahn tätig sind, ernst nehmen und ja: es ist auch vertretbar, sich hinter die Forderungen der Gewerkschaft der Bahner zu stellen.
Wenn jedoch die Bahn ihrem eigentlichen Geschäftszweck, der Erbringung von Beförderungsdienstleistungen, nicht mehr nachkommt, ohne dass höhere Gewalt oder ein anderer Verhinderungsgrund gegeben ist, so handelt sie grob fahrlässig. Wenn es jemals leichter war, der Bahn den Vorwurf des eklatanten Organisationsverschuldens nachzuweisen: hier ist er gegeben!
Man muss kein Neoliberaler sein, um die Forderung auf Rückholung von Mitarbeitern ausdrücklich zu befürworten. Auch sollten Kolleginnen oder Kollegen, die derzeit krankheitsbedingt abwesend sind, noch einmal in sich gehen und sich fragen, ob sie nicht doch - wenn auch eingeschränkt - arbeiten können.
Wenn es Bahnkunden gibt, die das Unternehmen auf Schadensersatz in Anspruch nehmen wollen, sind die Voraussetzungen einer Klage wohl nie günstiger gewesen.
Was die Bahn ( genauer: das Möchtegern-Management) mittlerweile für (Verzeihung) ein Saftladen geworden ist, lässt sich an diesem Schildbürgerstreich doch wieder einmal bestens dokumentieren. Ausbaden müssen dies die vielen Mitarbeiter, die jeden Tag unter erschwerten Bedingungen ihren Dienst verrichten.

Account gelöscht!

11.08.2013, 16:46 Uhr

Wovon soll man denn die Bahnangestellten bezahlen, wenn Merkel, Steinbrück und Cie das Geld der Deutschen in die Südstaaten verschleudert, vor allem aber den Bankstern in den Rachen werfen?
Revolution zurück zum System der Nationalstaaten ist die einzige Lösung! Seit Charles de Gaulle und M. Thatcher habe ich in Europa keine verantwortungsvollen Politiker mehr gesehen.
Das letzte Fünkchen von Hoffnung ist wohl eine großer Sieg der Alternative für Deutschland (AfD)bei den Bundestagswahlen. Aber das Staatsfernsehen, das vom Finanzmonopol gelenkte Privatfernsehen und die Monopolpresse tun alles, um die AfD unsichtbar zu machen oder gar zu verunglimpfen.

KJes1

11.08.2013, 16:51 Uhr

Es ist bedauerlich, dass der Vorsitzende der Gewerkschaft - Kollege Alexander Kirchner - diese Steilvorlage des Bahn-Managements und der Politik nicht nutzt, um nunmehr nachdrücklich ( das Thema ist endlich in der Öffentlichkeit angekommen!!!) auf Verbesserungen zu dringen.
Gerade DIESE Koalition ist doch für die vielfältigsten Probleme AUCH bei der Bahn verantwortlich. Zusammen mit den Nieten des Bahnvorstandes wurde die Bahn spätestens seit Herrn Mehdorn immer weiter kaputt saniert. Hochtrabend beabsichtigte man den Börsengang - wobei dem Grunde nach offensichtlich inkompetente Aufsichtsräte wie etwa der Berufspolitiker Döring bis heute nicht davon abgelassen haben, den Kostenfaktor Mensch bis an die Schmerzgrenze zu drücken. Selbstverständlich würden die Politiker von Schwarz-Gelb auch weiterhin nichts unversucht lassen, die Bahn nach wie vor an die Börse zu bringen. Wenn sie denn könnten.
Jetzt schreien sie nach Personal, gegen Erstattung der selbstverständlichsten Kosten, die für eine solche Rückkehraktion nunmal erforderlich sind. Man sollte die bereitwilligen Mitarbeiter gem. den Regeln des Marktes mit einer großzügigen Sonderzahlung belohnen, wenn sie sich bereiterklären, "ihrem" Unternehmen noch einmal aus der Patsche zu helfen. So sieht nach meinem Dafürhalten eine verantwortliche Unternehmenspolitik aus.
Wird diese einmalige Chance, dass die Mitarbeiter sich von Marktradikalen von links überholen lassen müssen, etwa durch kleinmütige Argumente zunichte gemacht?
Auch Gewerkschaften sollten erkennen, dass es im Interesse aller gesellschaftlichen Kräfte einschließlich gewerkschaftlicher Akzeptanz liegt, das Problem schleunigst zu lösen.
Man sollte sich nicht auf den Weg begeben, dass gegen "die da oben" gekämpft wird. Die Mitarbeiter der Bahn haben hier die wunderbare Chance zu zeigen, von wem ein solches Unternehmen immer noch bestritten wird.
Nutzt diese Chance, wenn ihr klug seid!

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