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11.06.2014

12:36 Uhr

Chaos nach Unwetter

Bei der Bahn „geht die Welt unter“

Das Unwetter im Westen hat die Bahn ins Chaos gestürzt: Viele Züge fallen aus – und die Kunden wissen nicht, was Sache ist. Der Konzern schafft es nicht, sie mit Informationen zu versorgen. Eine Frage der Technik.

„Ansage beachten“: Oft informiert die Bahn nur sehr ungenau, wann verspätete Züge abfahren. Ein Ärgernis für die Kunden. dpa

„Ansage beachten“: Oft informiert die Bahn nur sehr ungenau, wann verspätete Züge abfahren. Ein Ärgernis für die Kunden.

DüsseldorfDie Bahn-Mitarbeiterin wedelt mit Taxigutscheinen. Wer sich per Auto weiterkutschieren lassen will, ist bei ihr an der richtigen Adresse, die Reisenden an Gleis 1 des Wuppertaler Hauptbahnhofs stehen bei ihr Schlange. Wer wissen will, ob die angekündigte Regionalbahn nach Düsseldorf kommt, bekommt von ihr aber nur einen bedauernden Blick. „Nehmen Sie den Shuttle-Bus, der draußen fährt – der kommt auf jeden Fall an“, sagt sie. Fünf Minuten später fährt der Zug doch ein, sogar fast pünktlich. Glück gehabt.

Die Szene vom Wuppertaler Hauptbahnhof ist symptomatisch für das Chaos, das derzeit bei der Deutschen Bahn herrscht: Nach dem schweren Unwetter am Pfingstmontag, das Teile von Nordrhein-Westfalen verwüstete, fährt kaum ein Zug, wie es im Fahrplan angekündigt ist. Und wieder einmal gelingt es dem Transportkonzern nicht, seiner Kunden in einer Extremsituation zuverlässig zu informieren, ob und wie sie ans Ziel kommen. Auch die Taxigutscheine helfen nur bedingt weiter, weil viele Fahrer diese nicht annehmen.

Die Verspätungen an sich kann man in diesem Fall nicht der Bahn anlasten. Denn das Schienennetz ist ein höchst komplexes Gefüge. Wenn ein Unwetter wie am Montag mehrere wichtige Strecken blockiert, sind massive Verspätungen nicht zu vermeiden – dafür ist der Fahrplan zu eng getaktet. So müssen die regionalen Leitstellen unpopuläre Entscheidungen treffen: Welche Züge dürfen weiterfahren, welche müssen warten?

Für die Informationspolitik ist die Bahn aber durchaus verantwortlich. Denn viele Probleme sind hausgemacht, wie die „WirtschaftsWoche“ schildert. So nutzt die Firma unterschiedliche IT-Systeme: Die Bahnhofstafeln werden mit anderen Daten gefüttert als die Auskunft auf der Website oder die Smartphone-App. Die Folge: Überall andere Informationen – und nie weiß man, welche stimmt. Mit massiven Investitionen will die Bahn die IT-Systeme vereinheitlichen, aber das dauert.

Doch schon an der Quelle stimmen viele Daten nicht. Denn anders als Autos mit Navigationssystem bestimmen die Züge nicht per GPS ihre Position, sondern anhand von Messpunkten auf der Strecke. Erst wenn die Bahn sie erreicht, wird die Anzeige aktualisiert. Die Folge: Wenn es irgendwo nicht weitergeht, weil ein umgestürzter Baum die Gleise blockiert, wird der Zug womöglich trotzdem noch als pünktlich angezeigt. „Leider zeigen sich hier die Grenzen des Systems“, schreibt das Twitter-Team der Bahn verärgerten Kunden.

Am Engagement der Mitarbeiter liegt es indessen nicht. Der Hauptbahnhof in Köln: Eine Traube von Menschen belagert den behelfsmäßigen Infostand. „Die Welt geht hier unter“, sagt eine Bahnmitarbeiterin zu ihrem Kollegen. Wer einen DB-Anstecker trägt, wird von den wartenden Fahrgästen belagert.

Direkt neben dem Stand platzieren sich im Laufe des Vormittags weitere Mitarbeiter, die einen Taxischein nach dem nächsten ausstellen. Wer in größere Städte wie Düsseldorf will, hat Glück; die Bahn schickt dort Sammeltaxen hin. Wer aber etwa nach Saarbrücken oder Emden will, braucht deutlich länger. Mit Smartphones sondieren die Bahnmitarbeiter die Fahrplanlage, meistens vergeblich. Mehr Infos als die Fahrgäste haben die eigenen Leute auch nicht.

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